// Musik

Mittwoch, 23. März 2016

Elvis Perkins

i Aubade

Elvis Perkins – i Aubade
Elvis Perkins – i Aubade

War Elvis Per­kins vom Erd­bo­den ver­schluckt? Oder hatte er wie­der ein schwe­res Thema zu ver­ar­bei­ten. 2009 war ja sein Jahr, damals brachte er „In Dear­land“ her­aus, und in die­sem Abum ging es um Ver­lust und Flug­zeug­ab­stürze. Nun ist sein Leben sicher­lich nicht ein­fa­cher gewor­den. Sein Vater, der bekannte „Psycho“-Darsteller Anthony Hop­kins starb an HIV, seine Mut­ter kam ja sei­ner­zeit am 11. Sep­tem­ber bei einem Ter­ror­an­schlag ums Leben.

Dass seine Musik nicht ein­fach ist, kann man sich den­ken, und so ist sein drit­tes Album „i Aubade“ dann auch eher ein Werk, wel­ches sich bei den ers­ten Durch­läu­fen nicht sofort erschließt. Zumal es bei wei­tem nicht so struk­tu­riert ist wie eben „In Dear­land“. Die­ser neue Streich geht eher einen gewal­ti­gen Schritt rück­wärts und ist wie­der dicht beim Debüt „Ash Wed­nes­day“ (2006).

Melo­dien sind nur sel­ten zu iden­ti­fi­zie­ren, und auch die Arran­ge­ments sind kaum ding­fest zu machen. Es ist Weird‐​Folk, wie er im Buche steht, bei dem wind­schiefe Songbau­ten zum All­tag gehö­ren. Man kann sich rich­tig vor­stel­len, wie Per­kins zu Hause die Songs auf­nimmt, dabei durch den Flur schlurft, um sich in der Küche einen Tee zu machen.

Doch so ein­fach ist es nicht, er ver­mischt in sei­nen Lie­dern Humor, der auch mal im lie­be­vol­len Quatsch eines Adam Green mün­den kann, und im nächs­ten Moment gibt es Trüb­sal und auch eine gewisse Schwer­mü­tig­keit, die sicher­lich durch seine Familien‐​Tragöde noch offe­ner liegt. Doch die Songs erdrü­cken einen nicht und zie­hen auch nicht run­ter, dazu feh­len eben die Struk­tu­ren. Es flat­tert hier alles umher, und der Gesang wursch­telt dazu.

Dazu wim­melt es immer vor komi­schen Geräu­schen, die von Rascheln über Knis­tern zu Rau­schen rei­chen, und der Gesang ist gerne ein wenig genu­schelt und herr­lich ver­peilt. Es ist wirk­lich schwer, hier Momente zu fin­den, an die man sich erinnert.

Den­noch schafft es Elvis Per­kins, dass man nach meh­re­ren Durch­gän­gen fest­stellt, dass diese Platte immer ein wenig wächst. Das ist also dann doch hohe Kunst, was Elvis Per­kins auf „i Aubade“ hier bietet.

Erschie­nen bei: Mir Records
elvis​per​kins​.net

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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