Mittwoch, 01. Februar 2012
LadytronWas man der Band aus Liverpool eher vorwerfen kann, ist, dass sie sich musikalisch nicht sonderlich verändern. Noch immer regieren die Synthesizer hier den Sound und frohlocken selten in fröhlichen Tönen, lieber lassen sie es schwermütig klingen, und die beiden Sängerinnen Mira Aroyo und Helen Marnie singen distanziert dazu.
Meist sind die Songs isoliert und klingen eher wie eine Industriestadt im Regen, irgendwie futuristisch, und dennoch kommt man sich so unbehaglich vor. Erstaunlich dabei ist aber, dass fast jeder Song doch irgendwie eine Melodie hat, die einem schnell im Kopf schwirrt.
Das war bei ihrem kargen und nach Human League klingenden Debüt „604“ und auch bei ihrem vollmundig arrangierten „Velocifero“ so, da macht auch „Gravity The Seducer“ keine Ausnahme.
Die Band hat ihren Sound gefunden und bleibt diesem nun treu. Gut, es gibt auch hier ein paar neue Kniffe, so hat der Opener „White Elephant“ einen leichten aber gezielten Bass, und im Hintergrund hört man eine elektronische Geige zirpsen. Dieser Song zeigt aber, dass die neuen Songs nicht so kraftvoll sein sollen, dafür ein wenig verspielter und auch schüchterner als zuvor.
Auch gab es schon Phasen in der Band, wo die Songs schwerer waren, diese hier sind meist leicht und liebevoll wie etwa das aus der Werkschau bekannte „Ace Of HZ“. Aber bei „Gravity The Seducer“ wird auch mehr Wärme versprüht, wie bei „Ninety Degrees“ hörbar, dort setzen Ladytron analoge Orgeln ein, und auch die Geige taucht wieder auf.
Man kann also feststellen, dass man es hier mit einem der zugänglichsten Alben von Ladytron zu tun hat, und dennoch verleugnen sie nicht einmal im Ansatz ihre bisherige Vergangenheit.
Erschienen bei: Nettwerk /Soulfood