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Sonntag, 09. Dezember 2018

Kala Brisella

Ghost

Kala Brisella – Ghost
Kala Brisella – Ghost

Jedes Ver­steck hat jemand, der es fin­det“ sind die ers­ten Worte auf dem Pro­mo­ti­on­zet­tel zu „Ghost“, dem zwei­ten Langspi­ler von Kala Bri­sella. Das ist ein pas­sen­der Satz der Band, die sich 2014 bei einem Thea­ter­stück in Frei­burg ken­nen­ge­lernt haben. Schließ­lich gab es in den letz­ten Jah­ren doch recht viel deutsch­spra­chige Gitar­ren­al­ben, wie etwa Die Ner­ven, Inter­na­tio­nal Music, die begeis­ter­ten, dass andere Bands zwangs­läu­fig einen Park­platz in der zwei­ten Reihe bekamen.

Glück­li­cher­weise wird man das Ver­steck von Kala Bri­sella fin­den, denn sie machen keine Feh­ler und man kann der ver­meint­li­chen Kon­kur­renz Schritt hal­ten. In einem Augen­blick erlebt man gefühl­volle Facet­ten, und gleich beim nächs­ten Song fährt es einen durch Mark und Bein. Sie sind oft Rau und unherz­lich, und dann nähert sich der Post­punk recht nah an.

Dazu gibt es Texte die durch­aus lyrisch sind, und nicht ver­kopft oder kli­schee­haft daher­kom­men. Zusam­men ensteht oft eine schöne Kaputt­heit, die aber nicht zer­stö­re­risch ist. Man darf hier­bei gerne an Ja Panik, Mut­ter und eben an Die Ner­ven den­ken, ohne dass man falsch liegt, und den­noch ist alles schwe­rer zu fin­den, wie eben ein gutes Ver­steck. Auf­fal­lend ist, dass es auch viele unter­schied­li­che Dyna­mi­ken gibt.

Das Spo­ken Word‐​Stück „Gezackte Linie“ ist ruhig, und im Hin­ter­grund hört man ein Poli­zei Heli­ko­pter, der am 1. Mai über Neu­kölln flog, und dazu dann noch eine eher gespens­ti­sche Ath­mo­sphäre. Dage­gen ist „Dein Du“ spuckt in bes­ter mus­kel­strot­zen­der Natur Noise‐​Eruptionen aus und ist den­noch unge­mein lei­den­schaft­lich. Bei „I´m Sorry“ schreibt die Pres­se­info, dass der Gesang klingt wie Schorsch Kame­run auf 180, ich würde die Zahl zwar redu­zie­ren, trotz­dem schnel­ler wie die Kon­kur­renz und vor allem eindringlicher.

Zum Ende von „Ghost“ wird die ganze Ver­an­stal­tung mit Lie­dern wie „Kommst Du Mit Mir“ oder „Gelan­det“ in ruhige und leise Fahr­was­ser manö­vriert. Das Kern­stück ist sicher­lich „King Of The Moon“, dann nöl­li­ger Schrammel‐​Punk ala The Strokes und dazu der über­schnap­pene Gesang von Front­mann Jochen Hakers, der in viele Momente eine gesunde Por­tion Wahn­sinn mitliefert.

Das Ver­steck von „Ghost“ ist nicht allzu leicht zu fin­den, doch hat man es aus­ge­macht ist es eine wahre Fund­grube für Fans besag­ter Bands.

Erschie­nen bei: Tapete Records /​Indigo
kala​bri​sella​.band​camp​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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