Dienstag, 07. Februar 2012
DienstagskolumneKaffee hilft bei so manchem Neubeginn. Besonders im ständigen rundherum dieser kleinen fiesen Tageswechsel. So blubbert – Tag aus, Tag ein – gemütlich die Kaffeemaschine. Zieht ihr Wasser durch den Filter. Das duftend durchläuft, Geschmack mit sich reißend. Und erfüllt den Raum mit freundlicher Vorhersage. Der leise Rinnsal gerät ins Tröpfeln und endet in diesem Augenblick. Fertig ist der Kaffee. Und ich lächle in die Kaffeekanne aus purem Glas. Hinein in fast schwarzes Wohlfühlelixier. „Guten Morgen“ sagt der Kaffee und „Guten Morgen“ sag auch ich“. Und alles rundherum stimmt mit ein in unseren friedlichen Singsang über das, was Gestern war und jetzt vergessen ist. Ja, dieser Morgen ist perfekt. Mein Kaffee lässt mich nicht im Stich. Wenn nur alle Anfänge sich verdünnen ließen, so wie ich den Kaffee mit Milch und Zucker. Vielleicht ist es das meditative Rühren oder die erhabene Postkartenansicht, wenn die Milch sich im starken Schwarz ertränkt. Sobald die rechte Hand den Becher hält und mit der linken der Löffel gegen das Porzellan klingt, ist alles gut. Ich reibe meinen morgendlichen Sperrmüll von mir ab und mich selbst nicht wund. Schmecke was gut schmeckt und denke was gut ist. Und rühre und rühre und rühre. Manchmal rühre ich nur, ohne zu trinken. Inhaliere den Duft. Mehr Ritual als Koffein.
Und da bin ich mir sicher. Auch der Anfang aller Anfänge, der King‐Kong unter den Startlinien, mit Bedeutung überladen, wäre mit Kaffee bekömmlicher. Jahreswechsel, großartige Lärmbelästigung durch persönliche Raketenstarts und explodierende Erbsen. Sowie am Neujahrsmorgen die Frage „Ist das Weiche, in das ich gerade getreten bin, Hundescheiße oder doch nur der traurige Überrest eines ehemals stolzen Knalleffekts?“ Und dann meine übertriebene Liebe für pathetisch vorgetragene Absichtserklärungen, die im neuen Jahr in die Tat umgesetzt werden, ganz sicher, wirklich und ernsthaft. Doch liegt meine Tat bereits am nächsten Morgen eher tatenlos. Und ist am zweiten Tag des besagten und beschworenen goldenen Zeitalters vergessen, gestorben. Lieber Kaffee anstatt Sekt. Lieber das sinnliche Gesäusel der Kaffeemaschine, als die brutale Materialschlacht zwischen altem und neuem Jahr. Lieber die stille Vorfreude auf den warmen Becher in der Hand, als in Eiseskälte absolute Versprechen bereits gebrochen auszusprechen. Lieber einmal mehr den Tag wechseln, als in unbequemer Erwartungshaltung das ganze Jahre. So verwerfe ich bereits im Februar das noch vor mir Liegende. Zähle nur noch Tage, nur noch Tage. Und tunke den Kalender in gut gesüßten Milchkaffee.