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Freitag, 22. Juni 2018

Suuns

Felt

Suuns – Felt
Suuns – Felt

Man muss Suuns eines ganz hoch anrech­nen, sie ent­wi­ckeln sich immer wei­ter, und ihr Sound wan­delt sich immer wie­der. Dabei sto­ßen sie aber nie­man­dem vor den Kopf, weil die Ver­än­de­run­gen meist flie­ßend sind. 2010 erschien das Debüt „Zeroes QC“, wel­ches auf ihrer ers­ten EP ein Jahr zuvor auf­baute. Indie‐​Rock mit Sho­ega­zing prägte das Album, und beim Nach­fol­ger „Images Du Futur“ (2013) ver­fei­ner­ten sie die­ses Vor­ha­ben, ver­folg­ten aber schon andere Möglichkeiten.

Felt“ ist das vierte Album der kana­di­schen Band und auch das schwerst­ver­dau­li­che. Klas­si­sche Indie‐​Gitarren hört man nicht, und der Sho­ega­zing ist hier auch ziem­lich abge­wan­delt. Der Sound ist dies­mal ziem­lich ver­stö­rend, oder bes­ser gesagt, ist „Felt“ eine klaus­tro­pho­bi­sche Mut­probe. Es ziem­lich ist düs­ter, die Arran­ge­ments sind unge­wohnt schief, und Suuns schauen, wie weit sie gehen kön­nen, bis sie aus den schie­fen Sounds Unhör­ba­res fabri­ziert haben.

Die Beats sind schlep­pend und gerne auch unrhyth­misch, der Gesang signa­li­siert eine gewisse Gelang­weilt­heit. Doch es ist keine Lan­ge­weile, viel­mehr soll er den merk­wür­di­gen Sound unter­strei­chen. Im Hin­ter­grund pum­pen manch­mal elek­tro­ni­sche Kis­ten, so als hätte man sie von Sui­cide aus­ge­lie­hen. Und gewisse Refe­ren­zen sind auch zu der besag­ten Band vorhanden.

Ein Song wie „X‐​Alt“ kann einem genauso den Ver­stand rau­ben wie das Debüt von Alan Vega und Mar­tin Rev, damals im Jahr 1977. Auch sind an allen Ecken Krautrock‐​Klänge vor­han­den, nur ver­hed­dern sich Suuns nicht in end­lo­sen Jams. Sie suchen dafür immer wie­der einen Punkt, in den Song her­ein­zu­kom­men und die­sen im nächs­ten Augen­blick zu zer­stö­ren. Man muss zugeben,

Felt“ ist für die meis­ten Ohren eher unhör­bar und greift durch­aus auch die Psy­che an. Ist aber auch unge­mein span­nend und mutig, und Suuns bewei­sen, dass sie noch lange nicht fer­tig sind mit ihrer musi­ka­li­schen Häutung.

Erschie­nen bei: Secret Cana­dian /​Cargo
suuns​band​.tum​blr​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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