Dienstag, 21. Februar 2012
DienstagskolumneLiegst vor mir. Ausgebreitet und glatt gestrichen. Ich könnte dich noch weiter in die Länge ziehen. Dich über den Tellerrand fallen lassen. Aber diese Kontrolllosigkeit werde ich nicht gewähren. Es gibt Grenzen und die gilt es einzuhalten. Lieber schiebe ich dich zusammen, drücke dich in Form, nur um dich wieder, platt und zäh, Form verlieren zu sehen. Mein Besteck gräbt sich tief hinein, signiert dich mit meinen Initialen, die sich schließlich doch in zufälligen Furchen verlieren. Für den nächsten Schritt bin ich noch nicht bereit, vergehe lieber darin ihn zu planen. Was meinem bis hierhin geeiltem Etwas vorschwebt – um Haareslänge auf Abstand – ist nicht das, was mir gefällt. Immer die gleiche, immer die gleiche, immer die gleiche Entfernung. Sehnsucht ist nicht so romantisch, wenn Sabber aus meinem Mundwinkel Fäden zieht.
Ich stochere im Kartoffelbrei. Oder sollte ich Püree sagen. Klingt besser, schmeckt aber genauso. Also warum das mir so Bekannte umbenennen. Lieber bleibt der Brei so wie er ist. Und ich stochere darin auch weiterhin. Ein Fünfjähriger mit seiner Gabel, der schabt und sticht, glättet und häuft. Denke dabei an die Angst, mit beiden Füssen voran, fest in das zu treten was kommt. Was kommen könnte. Was ich verhindern könnte, aber vielleicht nicht sollte. Was ich wodurch beeinflusse, in Richtungen die ich will, die ich nicht will. Denn ich weiß ja was ich will, ganz sicher sogar. Doch ist das Ziel immer ein unsicheres. Und der Versuch mir vorauszuschauen fassungslos. Ohne Halt und Kruste. In welche Richtung auch immer, strahlt das Licht ohne Schirm. Es zerläuft mir und zergeht in meinem ängstlichen Zukunftswahn.
Da fällt bereits vor der Zeit Bratensoße ein in mein naiv geplantes Bauwerk. Höhlt aus, spült fort. Das Vernichtungswerk auf meinem Teller ist von tauber Gewalt. Der Damm, die Soße zu halten, war nicht hoch genug. Das Gemüse nicht ausreichend geschützt. Sinnlos versuche ich zu retten. Und was zu retten ist rinnt mir durch die Zinnen der Gabel. Hoffnungslos, hilflos schreie ich die Welt an. Laut, sehr laut. Von niemanden zu überhören. Und tatsächlich nimmt man mir meine Gabel und gibt mir einen Löffel. Und alles ist wieder gut – soweit.