// Musik

Dienstag, 03. Oktober 2017

Arcade Fire

Everything Now

Arcade Fire – Everything Now
Arcade Fire – Everything Now

Bevor das neue Album von Arcade Fire offi­zi­ell erschien, hat die Band ein gefak­tes Review zu „Ever­y­thing Now“ auf einem Internet‐​Blog her­aus­ge­bracht. Ein abso­lu­ter Ver­riss ist es gewor­den, wel­ches die Musik­welt sicher­lich noch hung­ri­ger auf das fünfte Album gemacht hat. Viel­leicht woll­ten die Kana­dier aber allen, die die­ses Werk nie­der­ma­chen, zuvorkommen.

Ihr letz­tes Album „Reflak­tor“ war ein Bruch zu dem Vor­gän­ger und den­noch hat es die Fans nicht ver­prellt. Die­ses schafft nun „Ever­y­thing Now“, den­noch ver­wun­dert einen der neue Sound irgend­wie nicht. Einen aus­ge­präg­ten Hang zum Pomp hatte die Band schon immer und beson­ders schön haben sie jedes Lied beschmückt. Von daher ist das ein Schritt zum lupen­rei­nen Pop.

Win But­ler hat vor Ver­öf­fent­li­chung die­ses Album ange­kün­digt, „dass sie wie Abba klin­gen wol­len“. In den ers­ten Sekun­den von die­sem Werk hört man eine Orgel, die eher nach Trip Hop klingt. Win singt ruhig und dann tür­men sich blitz­schnell die Klänge, bis es sofort aus­ein­an­der fällt und man zum Titel­stück gelangt. Die­ses ist dann glas­kla­rer Pop und Abba ist nicht ganz weit, aber Pet Shop Boys sind dich­ter dran. Die­ser Song trieft vor Kitsch und hat einen Disco‐​Fox‐​Rhythmus. Man ist irri­tiert und weiß nicht was man über die­ses Lied sagen soll.

Aber man muss zuge­ben, dass die Melo­die so ein­gän­gig ist, dass man die­sem Lied nicht ent­kom­men kann. Wei­ter geht es mit offen­sicht­li­cher guter Laune: „Signs Of Life“ ist mit Hand­clap­ping bestückt und hat einen unge­wohn­ten Groove , Sprech­ge­sang, Syn­t­hie­klänge, Electro‐​Funk und arbei­tet mit Ste­reoMC Zita­ten. Auch die­sem Song kann man sich nicht ent­zie­hen. „Crea­ture Com­fort“ baut eine Brü­cke zu „Reflak­tor“ und hätte dort eine gute Figur gemacht.

Peter Pan“ ist schie­fer Dub und zudem ver­spielt. „Che­min­stry“ ist ein alber­nes Pop‐​Stück, wel­ches einen rat­los zurück lässt. „Elec­tric Blue“ ist acht­zi­ger Jahre elek­tro­ni­scher Funk mit merk­wür­di­gem Gesang und schon wie­der ist man rat­los. „Good God Damn“ hat einen kno­chen­tro­cke­nen Funk und ist auch sonst eher karg. „Put You Money On Me“ ist dann wie­der ein kla­rer Hit und der Refrain würde Abba bestimmt eine rich­tige Freude machen.

We Don´t Deserve Love“ hat leie­rige Arran­ge­ments und ist sicher­lich ein pas­sen­des Schluss­stück (abge­se­hen vom drit­ten Teil des Titel­stücks), ist auch wie­der rela­tiv über­schau­bar arran­giert, hat aber wie­der einen schö­nen süß­li­chen Refrain. „Ever­y­thing Now“ ist sicher­lich ein Album wel­ches dafür sor­gen wird dass viele Fans abwandern.

Zu Recht, denkt man auch in vie­len Momen­ten und man kann auch ver­ste­hen, dass die Band selbst einen Ver­riss geschrie­ben hat. Aber man muss auch fest­stel­len, dass noch kein Arcade Fire Album so viel­sei­tig war und sich ohne Scham im Pop und in kit­schi­gen Melo­dien suhlt, als gäbe es kei­nen Mor­gen mehr. Viel­leicht ist das das Beson­dere an „Ever­y­thing Now“.

Erschie­nen bei: Colum­bia /​Sony Music
www​.ever​y​thingnow​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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