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Freitag, 16. Januar 2009

Kieler Erinnerungstage

Einweihung der wiederaufgebauten Pauluskirche am 16. Januar 1949

Die Pauluskirche heute (bzw. im Sommer)
Die Pauluskirche heute (bzw. im Sommer)

Vor 60 Jah­ren wurde die Pau­lus­kir­che nach schwe­rer Beschä­di­gung im Krieg wie­der ihrer Bestim­mung über­ge­ben. An die­ses Ereig­nis und an die Geschichte der ehe­ma­li­gen Gar­ni­son­kir­che erin­nert die His­to­ri­ke­rin Christa Gecke­ler in der Reihe Erin­ne­rungs­tage auf den Inter­net­sei­ten des Kie­ler Stadt­ar­chivs.

­Kiel wurde im Zwei­ten Welt­krieg durch Bom­ben­an­griffe zu 75 Pro­zent zer­stört. Von den lan­des­kirch­li­chen Got­tes­häu­sern und Kapel­len war 1945 nur noch ein ein­zi­ges Gebäude zu nut­zen. Auch die Pau­lus­kir­che am Nie­manns­weg war beschä­digt. Das Dach und die Fens­ter waren zer­stört, die Kir­che unbrauch­bar gewor­den. Aber die Kriegs­schä­den hiel­ten sich in Gren­zen. 1948 began­nen die Repa­ra­tur­ar­bei­ten. Das Dach wurde erneu­ert und die Holz­ver­scha­lung der zer­stör­ten Fens­ter ent­fernt. Bis auf kleine Seh­schlitze mau­erte man die Fens­ter­öff­nun­gen zu, denn an neue far­bige Glas­fens­ter war damals nicht zu den­ken. So konnte die Pau­lus­kir­che bereits am 16. Januar 1949 wie­der ein­ge­weiht werden.

Die Pau­lus­kir­che auf einer Post­karte um 1900. (Foto: LH Kiel/​Stadtarchiv)

Die Pau­lus­kir­che war in den Jah­ren 1878 – 1880 als Gar­ni­son­kir­che ent­stan­den. Zunächst hatte nach Ansied­lung der preu­ßi­schen Marine in Kiel 1865­ die ehe­ma­lige Klos­ter­kir­che, die Hei­lig­geist­kir­che, als Got­tes­haus der Gar­ni­son gedient. Doch die kleine Kir­che war dem stän­di­gen Zuzug von Mari­ne­an­ge­hö­ri­gen nicht gewach­sen. Die Kos­ten für eine neue Kir­che wur­den auf 391.000 Mark ver­an­schlagt, im Haus­halts­plan waren jedoch nur 265.000 Mark vor­ge­se­hen. Die Bau­ver­wal­tung schlug vor, auf den Turm zu ver­zich­ten. Doch damit war die Admi­ra­li­tät in Ber­lin aus Pres­ti­ge­grün­den nicht ein­ver­stan­den. 1878 wurde der Grund­stein der neuen Gar­ni­son­kir­che gelegt, die als Simul­tan­kir­che für evan­ge­li­sche und katho­li­sche Chris­ten mit 450 Plät­zen geplant war. Die Ent­würfe stamm­ten von Archi­tekt von Gotz­kow unter Mit­ar­beit des Ober­in­ge­nieurs Gie­ßel von der Inten­dan­tur­stelle. Die Kir­che wurde im dama­li­gen Stil als neu­go­ti­sche drei­schif­fige Halle mit Quer­schiff und poly­go­na­lem Chor gebaut. Mit ihrem 72 Meter hohen Turm und ihrer Lage über 30 Meter über NN gilt sie als „Kiels höchs­ter Kirchturm“.

Der Innen­raum war ursprüng­lich auf hell­grauem Grund deko­ra­tiv bemalt. Tauf­stein, Kan­zel und Altar ent­stan­den aus dem impor­tier­ten ita­lie­ni­schen Mar­mor. Breite Stu­fen mit seit­li­chen Sand­stein­pfei­lern füh­ren vom Nie­manns­weg hin­auf zum West­por­tal der Kir­che. Die Pau­lus­kir­che wurde nach dem Ers­ten Welt­krieg nicht mehr von der Marine genutzt und ver­fiel. 1925 über­ließ der Mari­ne­fis­kus sie dem Kirch­ge­mein­de­ver­band Kiel, der sie zur Pfarr­kir­che der Hei­li­gen­geist­ge­meinde bestimmte. Zwi­schen 1957 und 1960 wurde die Kir­che grund­le­gend reno­viert und erhielt ihr heu­ti­ges, ver­ein­fach­tes Erscheinungsbild.

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