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Freitag, 06. Juni 2014

Seesucht - Kolumne

Eine ganz besondere Begegnung mit Kiel

Kiel hat es ihr angetan (Bild: jw).
Kiel hat es ihr angetan (Bild: jw).

Im Novem­ber 2012 besuchte Juliane als DJane unsere För­de­stadt – und war sofort ver­liebt. In die Stadt, in das Was­ser, in die Men­schen. All diese Gefühle drückt sie nicht nur mit Musik, son­dern auch mit Wor­ten aus, und so prä­sen­tie­ren wir euch eine neue Fördeflüsterer‐​Kolumne: „See­sucht“ von DJane Ayana, immer im Wech­sel mit der „Diens­tags­ko­lumne“ von Daniel.

Moin! Mein Name ist Juliane und wenn ich auf­lege, heiße ich Ayana. Gebo­ren bin ich in Thü­rin­gen. Momen­tan stu­diere ich in Dres­den Ger­ma­nis­tik. Das Herz war aber die ganze Zeit im Nor­den. Durch ein Inter­view bin ich beim För­de­flüs­te­rer gelan­det. Hier beschreibe ich meine Gedan­ken beim ers­ten Kiel‐​Besuch am 29. Novem­ber 2012.

Der erste Kontakt

Eine DJane reist meist mit gro­ßem Gepäck (Bild: JW).

Es ist kurz nach 17 Uhr, ich sitze im RE von Lübeck nach Kiel. Neben mir sta­pelt sich das Gepäck: Ein Ruck­sack mit mei­nen sie­ben Sachen,

eine Hand­ta­sche und ein Kof­fer, bis oben hin gefüllt mit Schall­plat­ten. Ein Blick aus dem Zug­fens­ter: Möwen flie­gen vor­bei, eine Kop­pel mit Ponys ist zu sehen, ein Hafen mit klei­nen Segel­schif­fen. „Moment mal“, denke ich ver­schla­fen, „was mache ich noch­mal hier?“ Seit fünf Jah­ren reise ich als DJ ab und zu durch Deutsch­land, neben­be­ruf­lich. Aber diese Reise ist irgend­wie anders. Schon eine Woche vor­her habe ich in mei­nem Blog dar­über geschrie­ben, mit vie­len Aus­ru­fe­zei­chen, was dar­auf hin­deu­tet, dass ich sehr auf­ge­regt war. Da war diese Sinn­krise im letz­ten Jahr, mein bes­ter Freund, der mir riet, „weg zu fah­ren“. Und wohin soll es gehen? In den Nor­den, das war mir schnell klar. Schon immer bin ich ein „See‐​Kind“ gewe­sen, jedes Jahr ging es min­des­tens ein­mal ans Meer, meis­tens an die Ost­see. „Warum also nicht mal die andere Seite erkun­den?“, dachte ich mir. Also, dies­mal Schleswig‐​Holstein statt MeckPomm.

Der obli­ga­to­ri­sche Piep­ton und die Stimme des Zug­füh­rers ertönt: „Nächs­ter Halt: Kiel Haupt­bahn­hof, die­ser Zug endet hier“. Mal schauen, wie die Leute hier auf meine Musik rea­gie­ren. Viel­leicht haben sie ja das Inter­view mit mir gele­sen, das im För­de­flüs­te­rer (für den ich

Der Kie­ler Haupt­bahn­hof im Zwie­licht (Bild: JW).
jetzt diese Kolumne schreibe!) erschie­nen ist. Musi­ka­lisch ist in Kiel eini­ges los. Vom klei­nen, alter­na­ti­ven Café bis zur Disco hat die Stadt eini­ges zu bie­ten. Heute Abend soll ich im Café Exlex spie­len. Ab 21 Uhr lege ich dort House auf. Ein biss­chen auf­ge­regt bin ich schon, weil ein­fach alles neu ist. Am Haupt­bahn­hof in Kiel holt mich Mar­kus ab und bringt mich in meine Künst­ler­woh­nung in der Nähe des Cafés. Wir erzäh­len ein wenig über Kiel und dar­über, dass es reg­net. Es ist Ende Novem­ber, kalt und dun­kel. Der Abend wird sehr schön. Der Auf­tritt im Exlex ist super, die Stim­mung ist gut, die Leute sind ent­spannt und freund­lich. Das Exlex ist wirk­lich ein schö­ner Laden und alle emp­fan­gen mich sehr auf­ge­schlos­sen und freund­lich. Am nächs­ten Tag gibt Mar­kus mir sogar noch eine kleine Stadt­füh­rung und erzählt mir etwas über die Geschichte von Kiel. Inter­es­siert nehme ich die Infor­ma­tio­nen auf und ich merke, wie sehr ich diese Stadt bereits nach so kur­zer Zeit ins Herz geschlos­sen habe. Als wir an der Förde ent­lang gehen, scheint die Sonne und der Him­mel ist knall­blau. Und das Ende Novem­ber, ich bin begeis­tert! Wir schauen uns die Segel­boote an und ein gro­ßes Kreuz­fahrt­schiff an.

Es fühlt sich alles rich­tig an

Von Anfang an fühle ich mich in Kiel wohl. Warum, das kann ich nicht

Wie kann man bei die­sem Aus­blick nicht ver­liebt sein? (Bild: JW).

so recht erklä­ren. Ein Grund ist auf jeden Fall das Was­ser, die Segel­schiffe, die mich sofort fas­zi­nie­ren. Auch die Art der Men­schen gefällt mir – viele sind anfangs eher ruhig, dann aber sehr herz­lich und hilfs­be­reit. Lei­der habe ich an die­sem Wochen­ende ein zeit­lich fixier­tes Ticket gebucht, das mich zwingt, am nächs­ten Tag sofort zurück zu fah­ren. Vor mei­ner Abfahrt gehe ich noch­mal zu Kar­stadt, kaufe für meine Eltern eine Tasse mit Leucht­turm und Segel­boot als Anden­ken. Wie­der zu Hause stelle ich meine Ein­drü­cke in mei­nen Musikreisen‐​Blog. Schnell wird klar, hier muss ich wie­der hin. Im Inter­net halte ich Kon­takt zu den Leu­ten, die ich bei mei­nem letz­ten Auf­tritt ken­nen­ge­lernt habe. Doch Arbeit und Stu­dium machen es erst ein­mal nicht mög­lich, ein­fach mal so 600 km in den Nor­den zu fah­ren. Bis zu mei­nem nächs­ten Besuch sol­len aber noch vier Monate ver­ge­hen, bis Ende März.

Wie­der ist der Anlass musi­ka­lisch, dies­mal ein Fes­ti­val in der Pumpe. Vor mei­nem Auf­tritt lerne ich Dani vom För­de­flüs­te­rer end­lich mal per­sön­lich ken­nen. Wir gehen zusam­men ins Kitty Rock Belly Full und fut­tern selbst­ge­machte Bur­ger – eine gute Stär­kung für die lange Nacht. Es wird viel erzählt und gelacht. Dann geht es zurück in die Pumpe. Die

Immer am Was­ser sein .. das wär fein (Bild: JW).
Ver­an­stal­ter haben das Fes­ti­val sehr lie­be­voll gestal­tet. Die Stim­mung ist super, schon beim Warm Up. Gegen 5 ver­ab­schiede ich mich und mache mich auf den Weg zu mei­nem Schlaf­do­mi­zil. Der Taxi­fah­rer erzählt mir, wie sehr er den Nor­den liebt und dass er nie­mals aus Kiel weg­zie­hen würde. Als ich mich ins Bett lege, falle ich sofort in einen tie­fen Schlaf. Als ich 13 Uhr auf­wa­che, kom­men die ande­ren gerade vom Fes­ti­val nach Hause. Fast fühle ich mich ein biss­chen alt. Schon wie­der muss ich zum Zug, die Arbeit in Dres­den ruft. Aber vor­her muss ich unbe­dingt noch­mal zum Hafen. Dani und Alex holen mich ab und wir machen einen Aus­flug ans Was­ser. Als ich schließ­lich am Bahn­hof stehe, ist das Wet­ter noch immer wun­der­schön. 14.44 fährt mein Zug ab. In mei­nem MP3‐​Player läuft Gos­sip: „I fell in love in a for­eign place, I could stay forever …”

Fort­set­zung folgt

Über den Autor

Juliane Wolf Juliane Wolf

Ger­ma­nis­tik­stu­den­tin und Teil­zeit­mu­si­ke­rin Ayana. Kam für eine Nacht nach Kiel und ver­liebte mich in die Stadt.

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