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Samstag, 11. August 2012

Web2.0-Konferenz

Drittes Barcamp Kiel gestartet

Session-Grid Barcamp Kiel 2012 (Foto: Steffen Voß)
Session-Grid Barcamp Kiel 2012 (Foto: Steffen Voß)

Im Wis­sen­schafts­zen­trum hat am Frei­tag das dritte Bar­camp Kiel begon­nen. Mehr als 200 Teil­neh­mer der Web2.0-Konferenz tausch­ten sich am ers­ten Tag in ins­ge­samt 35 Ein­zel­ver­an­stal­tun­gen über die neu­es­ten Ent­wick­lun­gen aus allen Lebens‐​, Arbeits– und Unter­neh­mens­be­rei­chen aus, die mit dem oder durch das Inter­net stän­dig fort­ge­schrie­ben werden.

Fort­ge­schrie­ben wird dabei auch die Erfolgs­ge­schichte des Kie­ler Bar­camps. Seit 2010 jähr­lich in der För­de­stadt aus­ge­rich­tet, hat der Able­ger des in den USA ent­wi­ckel­ten und seit vie­len Jah­ren in ver­schie­de­nen Städ­ten Deutsch­lands und der Welt umge­setz­ten Non‐​Profit‐​Veranstaltungskonzeptes einen fes­ten Platz im Ter­min­ka­len­der von IT‐​Unternehmern, Web‐​Entwicklern, Pro­gram­mie­rern, Anwen­dern und ande­ren Web2.0-Enthusiasten. Diese zah­len kei­nen Tagungs­bei­trag, brin­gen dafür aber die The­men für Vor­träge, Work­shops, Dis­kus­sio­nen und Aktio­nen mit, stel­len sie am Mor­gen vor und suchen sich Platz am „Ses­siongrid“ – der Über­sicht aller Times­lots und zur Ver­fü­gung ste­hen­den Räum­lich­kei­ten. Das Bar­camp ist damit eine Platt­form des inten­si­ven Wis­sens­aus­tau­sches und des Netz­wer­kens: Jeder geht mit neuen Erkennt­nis­sen, Erfah­run­gen oder Kon­tak­ten nach Hause.

Und so viel­fäl­tig die Teil­neh­mer, so viel­fäl­tig auch die Ses­si­ons des ers­ten Tages: Neben Web‐​Themen wie Responsive Web­de­sign, HTML5 und Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung fan­den prak­ti­sche Erfah­rungs­be­richte, wie man online Kühe ver­kauft, effek­tiv Spam­kom­men­tare in Blogs abwehrt, Face­book zur Ver­mark­tung eige­ner Pro­dukte nutzt oder Blog‐​Schreibblockaden bekämpft ebenso ihren Platz, wie die Dis­kus­sion über Online‐​Geschäftsmodelle, Start‐​Up‐​Philosophien und wel­che Smartphone‐​Apps jeder Nut­zer haben sollte.

Live‐​Podcast von Jura​funk​.de

Bereits Tra­di­tion ist die Pro­duk­tion des Pod­casts „Jura­funk“ der bei­den Kie­ler Juris­ten Ste­phan Dirks und Henry Krase­mann. Mit Unter­stüt­zung der Ham­bur­ger Rechts­an­wäl­tin Nina Diercks, Exper­tin auf dem Gebiet des Rechts der sozia­len Medien und des Kie­ler Fach­an­walts für Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie– und Arbeits­recht Jan A. Strunk ging es dabei um „Pöbeln auf Face­book“, ins­be­son­dere um belei­di­gende Äuße­run­gen gegen­über dem eige­nen Arbeit­ge­ber. Im Span­nungs­feld zwi­schen Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit und Loya­li­täts­ver­pflich­tung aus dem Arbeits­ver­trag lau­ern recht­li­che Fall­stri­cke, die aus einer unbe­dacht ver­öf­fent­lich­ten Aus­sage im Ein­zel­fall schnell eine Kün­di­gung ent­ste­hen las­sen kön­nen. Selbst der Klick auf den „Gefällt mir“-Button kann in dem Zusam­men­hang schon zuviel sein. Die Grenze sei jedoch schwer zu zie­hen: „Aus­pro­bie­ren!“, erklärt Rechts­an­walt Strunk ver­schmitzt, es komme auf die Umge­bung und den Kon­text an. Gene­relle Unzu­frie­den­heit am Job zu äußern sei erlaubt, unsach­li­che Schmä­hun­gen im Zwei­fel nicht. Rechts­an­wäl­tin Diercks dazu: „Im Zwei­fel mal den gesun­den Men­schen­ver­stand fra­gen!“ Also: Lie­ber mal auf die Lippe bzw. die vor­ei­lig tip­pen­den Fin­ger beissen.

Aus­bau des Frei­funk Kiel

Um den Aus­bau eines dezen­tra­len kos­ten­los benutz­ba­ren Daten‐​Netzes für Kiel – ein „digi­ta­les Glas Was­ser“ – ging es bei der Ses­sion zum „Frei­funk Kiel“. Die Initia­tive hat damit begon­nen, eine von Bür­ge­rin­nen und Bür­gern betrie­bene, dezen­trale Inter­net­struk­tur auf Basis von draht­lo­ser Daten­über­tra­gung per WLAN zu errich­ten und konnte nach der Ses­sion zahl­rei­che neue Teil­neh­mer fin­den, die spe­zi­ell zu die­sem Zweck kon­fi­gu­rier­ten Rou­ter erstan­den und sich bereit­er­klär­ten, diese bei sich auf­zu­stel­len, um das Netz wei­ter über die Stadt zu ziehen.

Landesblog‐​Redaktion sucht Mitstreiter

Vor zwei Jah­ren auf dem Bar­camp Kiel ins Leben geru­fen, zog die Redak­tion des „Lan­des­blog“ eine Zwi­schen­bi­lanz über die erfolg­rei­che Arbeit. Für Initia­tor Swen Wacker war dies zugleich der Abschied aus dem Pro­jekt: Nach beruf­li­cher Neu­aus­rich­tung und dem dadurch beding­ten Weg­zug aus Kiel zieht er sich aus der Ver­ant­wor­tung für das lan­des­po­li­ti­sche Online‐​Magazin zurück, das wie der För­de­flüs­te­rer unter dem orga­ni­sa­to­ri­schen Dach des Ver­eins für neue Medien Kiel e.V. betrie­ben wird. Mela­nie Rich­ter und Stef­fen Voß zeig­ten die Wege in die Zukunft des Lan­des­blogs auf und war­ben bei den Teil­neh­mern der Ses­sion um neue inter­es­sierte Mitstreiter.

Ein­blick in die Orga­ni­sa­tion des Bar­camp Kiel

Auch die Orga­ni­sa­to­ren des Kie­ler Bar­camps um Tim Schlot­feld boten eine Ses­sion an, um ein­mal aus dem Näh­käst­chen zu plau­dern und neue Inter­es­sen­ten für das Orga‐​Team zu gewin­nen: Neues Blut tut immer gut und ver­teilt die Arbeits­be­las­tung auf mög­lichst viele zuver­läs­sige Schul­tern. Man habe gro­ßes Glück gehabt, mit dem Wis­sen­schafts­zen­trum einen Mit­ver­an­stal­ter gefun­den zu haben, der die Loca­tion stellt. Da Internet‐​Zugang und die nötige Tech­nik von Spon­so­ren gestellt wer­den, sei die Ver­pfle­gung der größte Kos­ten­fak­tor, für das es die Unter­stüt­zung von Spon­so­ren zu gewin­nen gelte. Ent­schei­den­des Kri­te­rium für den Erfolg eines Bar­camps seien auch die Anmel­de­mo­da­li­tä­ten: Die Kie­ler Phi­lo­so­phie lau­tet, so user­freund­lich wie mög­lich zu blei­ben, um auch die Inter­es­sen­ten anzu­spre­chen, die sich selbst viel­leicht nicht als „Nerds“ ver­ste­hen: Mit‐​Organisator Chris­toph Bech­tel brachte es augen­zwin­kernd auf den Punkt: „Das soll hier kein Son­der­le­bens­raum für Nerds sein, son­dern wir wol­len das auch nor­male Men­schen kommen!“

Und das hat die Orga­ni­sa­tion auch bei die­sem Mal erfolg­reich bewerk­stel­ligt. Zahl­rei­che Barcamp‐​Teilnehmer zogen am Ende des ers­ten Tages ein posi­ti­ves Fazit und freu­ten sich auf den zweiten.

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Über den Autor

Ruediger Kohls Ruediger Kohls

Unter Kiel211​.de schreibt der Autor vor­nehm­lich über Straf­ver­fah­ren im Bereich der Kapi­tal­de­likte Mord und Tot­schlag sowie andere öffent­lich­keits­wirk­same Ver­fah­ren im Land­ge­richts­be­zirk Kiel in aus­führ­li­chen Pro­zess­be­rich­ten aus dem Schwur­ge­richts­saal des LG Kiel.

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