// Musik

Montag, 19. März 2018

Dream Wife

Dream Wife

Dream Wife – Dream Wife
Dream Wife – Dream Wife

Seit ein biss­chen mehr als einem Jahr schwillt der Hype um Dream Wife an. Dabei han­delt es sich um drei Damen aus Island, die den Rock viel­leicht nicht neu erfin­den, aber ihm einen ordent­li­chen Tritt geben. Kei­nen dump­fen Fuß­tritt im trä­gen Hin­tern des Rocks, son­dern einen, der pfif­fig ist und auch ein biss­chen beim beque­men Sit­zen schmerzt.

Die­ses Trio zer­stört neben­bei noch den Mythos, dass auf Island immer nur ver­wun­schene und über­am­bi­tio­nierte Kunst­mu­sik ent­steht. Ach ja, und auch Femi­nis­mus wird noch­mal ein wenig modern auf­ge­mö­belt. Es geht den Dreien um Spaß, und so dür­fen Mäd­chen vorne auf den Kon­zer­ten ste­hen, und die Her­ren der Schöp­fung müs­sen hin­ten Platz neh­men, um das Spek­ta­kel zu beobachten.

Es ist also nicht über­trie­ben, wenn man sagt, dass Dream Wife Heils­brin­ge­rin­nen für das ange­staubte Genre sind. Beim ers­ten Hören mag diese Begeis­te­rung ver­wun­dern, da ahnt man noch nicht, wie sehr sich die elf Songs im Kopf fest­set­zen. Ja, man erkennt nicht, wie sehr die Gitar­ren hier kraft­voll gespielt wer­den, wie auf­ge­kratzt der Gesang sein kann, wie chao­tisch ihre Arran­ge­ments sein kön­nen, wie sehr die drei Damen lärmen.

Das letzte mal war es viel­leicht bei „Fever To Tell“, dem Album‐​Debüt von The Yeah Yeah Yeahs, gewe­sen. Die Songs packen einen genauso, wie es damals die New Yor­ker Band geschafft hat. Nur, dass Dream Wife in den rich­ti­gen Momen­ten den Melo­dien den Pop zugäng­lich macht. Die Sin­gle „Fire“ ist ein Beweis, trei­bend schrei­tet er von der ers­ten Sekunde voran, und der Gesang erin­nert an Karen O, nur ist die Melo­die über­schwäng­lich und den­noch ein Tanz­flä­chen­fül­ler für die ver­ges­sene Indie‐​Disco.

In ande­ren Momen­ten ergöt­zen sich Dream Wife, wenn sie alle Struk­tu­ren ver­wer­fen, wie etwa beim Schluss­song „F.U.U..“ bei dem es nur so kracht und man von Erb­schaft der Riot‐​Girrrl‐​Bewegung spre­chen muss und bei dem am Ende alles in Schutt und Asche gelegt wird. Man hat es bei Dream Wife mit einer Rund­er­neue­rung des Indie‐​Rocks zu tun und mit einem Album, wel­ches auch das Zeug zum Klas­si­ker hat.

Erschie­nen bei: Lucky Num­ber /​Rough Trade
www​.dream​wife​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

facebook

 

Werbung