// Bühne

Montag, 16. Januar 2012

Premiere „Maria Stuart“

Drama im Königshaus

Yvonne Ruprecht, Claudia Friebel (c)struck-foto
Yvonne Ruprecht, Claudia Friebel (c)struck-foto

Als es nach der Pre­miere von „Maria Stuart“ am Sams­tag, dem 14. Januar, im Schau­spiel­haus auf der Bühne dun­kel wird, herrscht erst ein­mal Schwei­gen im Publi­kum, kei­ner klatscht, man schaut nur leicht irri­tiert nach links und rechts, und dann wie­der auf die dunkle Bühne. Bis end­lich das erste Klat­schen die Stille durch­bricht und klar wird, dass die Auf­füh­rung vor­bei ist. Nun wird aus­gie­big für die Schau­spie­ler applau­diert und auch „Bra­vo­rufe“ schal­len durch den Raum.

Ja, man kann wohl sagen, Fried­rich Schil­lers Drama hat auf der Bühne in Kiel eine dra­ma­ti­sche Atmo­sphäre hin­ter­las­sen, was wohl nicht nur an dem Stück selbst liegt, wel­ches von sich aus schon jede Menge Weh­mut mit­bringt, son­dern auch an der her­vor­ra­gen­den Leis­tung der Schauspieler.

Die Bühne lag, wie so oft, schon fast kahl vor den Zuschau­ern. Ledig­lich ein paar Stühle stan­den am Rand der grau gewan­de­ten Bühne. Die graue Wand diente letzt­end­lich dazu die Schau­spie­ler in Über­wa­chungs­ka­me­ra­ma­nier auf die Lein­wand zu brin­gen, was zunächst an Gefäng­nis­über­wa­chung erin­nerte, spä­ter aber auch ein wenig an „Big Bro­ther“. Aber auch diese eigen­wil­lige Dar­stel­lung tat der über­aus gelun­gen Pre­miere kei­nen Abbruch.

Die Schau­spie­ler

So leer die Bühne auch war, so gut gefüllt waren die ein­zel­nen Rol­len und die Cha­rak­tere tra­ten scho­nungs­los in den Vor­der­grund. Her­vor­ra­gend war die Leis­tung von jedem Ein­zel­nen. Sei es nun Clau­dia Frie­bel als Maria Stuart, die auf der einen Seite so zer­brech­lich wirkte, aber es, wie man sagt, faust­dick hin­ter den Ohren hatte, oder Agnes Rich­ter als keu­sche und berech­nende Eli­sa­beth. Zwei starke Cha­rak­tere, die von den Dar­stel­le­rin­nen beein­dru­ckend ver­kör­pert wurden.

Clau­dia Frie­bel, Yvonne Ruprecht ©struck‐​foto
Beson­dere Beach­tung ver­die­nen auch Ima­nuel Humm (Graf Leices­ter) und Felix Zim­mer (Mor­ti­mer), wel­che den bei­den Ver­schwö­ren einen so heuch­le­ri­schen, aber auch char­man­ten Touch ver­lie­hen, dass der Zuschauer hin– und her­ge­ris­sen war zwi­schen Hass und Zuneigung.

Zacha­rias Preen der dem Groß­schatz­meis­ter Baron von Burl­eigh sein Gesicht gab, konnte sich hin­ge­gen dem Unmut der Zuschauer sicher sein. Ver­kör­perte er den Baron doch so unsym­pa­thisch und drän­gend, dass man schon hoffte, Eli­sa­beth möge ihm doch mal die Mei­nung sagen. Nichts­des­to­trotz war es wie­der ein­mal eine bril­lante Leis­tung von Preen, die man auch sei­nem Kol­le­gen Marko Geb­bert nicht abschrei­ben möchte. Als Amias Pau­let, der eigent­lich Marias Hüter sein sollte, begeis­terte auch er eher durch seine Unsympathie.

Eine nette Abwechs­lung zwi­schen den gan­zen Intri­gan­ten bot da die Amme von Maria, wel­che von Yvonne Ruprecht ver­kör­pert wurde. Wirkte sie zwar neben dem star­ken Cha­rak­ter der Maria fast ein wenig farb­los, war ihre sor­gen­volle und warme Art doch erfrischend.

Fazit

Unter der Regie von Dari­usch Yaz­dkhasti ist eine Auf­füh­rung von „Maria Stuart“ ent­stan­den, die dra­ma­ti­scher hätte kaum sein kön­nen. Fast wäh­rend der gan­zen Auf­füh­rung hängt die bedrü­ckende Stim­mung über der Bühne und bie­tet den Cha­rak­te­ren viel Raum für Ver­schwö­rung, Nie­der­tracht und Demü­ti­gung. Wer also mal wie­der ein Schau­spiel mit her­vor­ra­gen­den Dar­stel­lern, die in ihren Rol­len voll auf­ge­hen, sehen will und das Drama liebt, ist hier genau richtig.

Über den Autor

Anita Siegmund Anita Siegmund

Ste­cken­pferd: Thea­ter­pre­mie­ren, Aus­flug­tipps in Kiel, aber auch alles was sonst noch inter­es­sant ist in Kiel.

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