Montag, 16. Januar 2012
Premiere „Maria Stuart“Ja, man kann wohl sagen, Friedrich Schillers Drama hat auf der Bühne in Kiel eine dramatische Atmosphäre hinterlassen, was wohl nicht nur an dem Stück selbst liegt, welches von sich aus schon jede Menge Wehmut mitbringt, sondern auch an der hervorragenden Leistung der Schauspieler.
Die Bühne lag, wie so oft, schon fast kahl vor den Zuschauern. Lediglich ein paar Stühle standen am Rand der grau gewandeten Bühne. Die graue Wand diente letztendlich dazu die Schauspieler in Überwachungskameramanier auf die Leinwand zu bringen, was zunächst an Gefängnisüberwachung erinnerte, später aber auch ein wenig an „Big Brother“. Aber auch diese eigenwillige Darstellung tat der überaus gelungen Premiere keinen Abbruch.
So leer die Bühne auch war, so gut gefüllt waren die einzelnen Rollen und die Charaktere traten schonungslos in den Vordergrund. Hervorragend war die Leistung von jedem Einzelnen. Sei es nun Claudia Friebel als Maria Stuart, die auf der einen Seite so zerbrechlich wirkte, aber es, wie man sagt, faustdick hinter den Ohren hatte, oder Agnes Richter als keusche und berechnende Elisabeth. Zwei starke Charaktere, die von den Darstellerinnen beeindruckend verkörpert wurden.
Besondere Beachtung verdienen auch Imanuel Humm (Graf Leicester) und Felix Zimmer (Mortimer), welche den beiden Verschwören einen so heuchlerischen, aber auch charmanten Touch verliehen, dass der Zuschauer hin– und hergerissen war zwischen Hass und Zuneigung.Zacharias Preen der dem Großschatzmeister Baron von Burleigh sein Gesicht gab, konnte sich hingegen dem Unmut der Zuschauer sicher sein. Verkörperte er den Baron doch so unsympathisch und drängend, dass man schon hoffte, Elisabeth möge ihm doch mal die Meinung sagen. Nichtsdestotrotz war es wieder einmal eine brillante Leistung von Preen, die man auch seinem Kollegen Marko Gebbert nicht abschreiben möchte. Als Amias Paulet, der eigentlich Marias Hüter sein sollte, begeisterte auch er eher durch seine Unsympathie.
Eine nette Abwechslung zwischen den ganzen Intriganten bot da die Amme von Maria, welche von Yvonne Ruprecht verkörpert wurde. Wirkte sie zwar neben dem starken Charakter der Maria fast ein wenig farblos, war ihre sorgenvolle und warme Art doch erfrischend.
Unter der Regie von Dariusch Yazdkhasti ist eine Aufführung von „Maria Stuart“ entstanden, die dramatischer hätte kaum sein können. Fast während der ganzen Aufführung hängt die bedrückende Stimmung über der Bühne und bietet den Charakteren viel Raum für Verschwörung, Niedertracht und Demütigung. Wer also mal wieder ein Schauspiel mit hervorragenden Darstellern, die in ihren Rollen voll aufgehen, sehen will und das Drama liebt, ist hier genau richtig.