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Freitag, 04. Januar 2019

Fucked Up

Dose Your Dreams

Fucked Up – Dose Your Dreams
Fucked Up – Dose Your Dreams

Es ist ja nicht so, dass das letzte Werk „Glass Boys“ von Fucked Up schlecht gewe­sen wäre. Doch es ging um das Altern im Punk, und wenn so ein Thema auf­taucht, macht sich der Fan schon Sor­gen, ob das Pul­ver ver­schos­sen ist, zumal die kana­di­sche Punk‐​Truppe zeit­nah mit Freun­den von Bob Mould, Vam­pire Wee­kend und Bro­ken Social Scence den 84er Hit „Do They Know It´s Christ­mas“ in Szene gesetzt hat.

Doch mit ihrem neus­ten Streich „Dose Your Dreams“ machen sie eine Rolle rück­wärts und auch eine gewal­tige vor­wärts. Rück­wärts bedeu­tet, dass es sich bei die­sem 2‐​CD‐​und‐​4‐​LP‐​Seiten‐​Monster um ein Kon­zept­al­bum han­delt, in der die zen­trale Figur David aus der 2011er LP „David Comes To Life“ wie­der auf­taucht und eine zen­trale Rolle bekommt. 18 Stü­cke sind es wie­der (war ja auch bei dem andern David‐​Album so) und nimmt Bezug auf Bücher von James Joyce und Leo­pold Bloom.

Ein 80‐​Minuten‐​Konzept‐​Album ist nun alles andere als Punk, und den­noch ist es dem Gitar­ris­ten Mike Halie­chuk recht egal, ob man es am Stück hört oder doch scheib­chen­weise kon­su­miert. Er und Schlag­zeu­ger Jonah Falco haben die Geschich­ten und Lie­der geschrie­ben. Und nun kom­men wir zur Rolle vor­wärts: „Dose Your Dreams“ ist auch ein Auf­bruch in ein neues Klang­uni­ver­sum von Fucked Up.

Mitt­ler­weile ist ihre Musik nicht mehr klas­si­scher Hard­core Punk. Es ist vie­les mög­lich, sogar Dream‐​Pop vom Schlage Beach‐​House wie „How To Die Happy“ oder epi­scher lär­men­der Indie Rock wie das 8‐​minütige „Joy Stops Time“, wel­ches durch­aus auch auf Arcade Fires „Reflek­tor“ Platz gehabt hätte. Da ver­wun­dert es einen nicht, dass Owen Pal­let (Arcade Fire, Final Fan­tasy) hier die Strei­cher­sätze kon­zi­piert hat oder auch Techno‐​Produzent Orphyx an eini­gen Stel­len seine Fin­ger im Spiel hat. Sogar J Mascis taucht auf und schram­melt und singt die klas­si­sche Indie­me­lo­die bei „Cames Down Wrong“.

Der bel­lende Gesang von Front­man Damian Abra­ham hat auf „Dose Your Dreams“ mehr Pau­sen, als man es gewohnt ist. Bei „Living In A Simu­la­tion“ gibt es dann aber den­noch mal klas­si­schen Fucked Up Hardcore‐​Punk. Bei „Raise Your Voice, Joyce“ und „None Of Your Busi­ness Man“ wird das Tempo noch mehr erhöht, und dann gibt es auch mal auf die zwölf. Sicher­lich, eini­gen Fans wird dass nicht aus­rei­chen, und man kann auch kri­ti­sie­ren, dass es zwölf Songs auch getan hätten.

Trotz­dem kann man „Dose Your Dreams“ als eines der Alben des gerade abge­lau­fe­nen Jah­res bewer­ten. Gründe gibt es viele, der Haupt­grund ist aber, dass Fucked Up mit „Dose Your Dreams“ viele Tore auf­sto­ßen und sich an Gen­res wagen, die die meis­ten Hardcore‐​Punks mit ver­zo­ge­nem Gesicht ableh­nen. Das ist dann große Kunst.

Erschie­nen bei: Merge Records /​Cargo

fucke​dup​.band​camp​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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