// Musik

Freitag, 10. November 2017

Diagrams

Dorothy

Diagrams – Dorothy
Diagrams – Dorothy

Im Prin­zip mutiert der ehe­ma­lige Tunng‐​Musiker Sam Gen­ders so all­mäh­lich zu einen Shel­don Cooper des Indie­Folk. Seit­dem er alleine musi­ziert, wer­den seine Songs immer fei­ner, und man kann auch sagen, dass es immer Genie­strei­che sind. Doch bei sei­nem drit­ten Streich „Doro­thy“ zeigt er seine Spleens immer mehr.

Denn „Doro­thy“ ist der ame­ri­ka­ni­schen Dich­te­rin Doro­thy Trog­don gewid­met. Diese schrieb natur­wis­sen­schaft­li­che Gedichte, auch über die Rela­ti­vi­täts­theo­rie hat sie etwas ver­fasst. Klingt nach einem tro­cke­nen Thema, und viel­leicht ist das auch der Grund, dass die­ses Album nur durch Crowd­fun­ding ermög­licht wurde.

Zuge­ge­ben, „Doro­thy“ ist für Sam Gen­ders Ver­hält­nisse doch eine recht ruhige Platte gewor­den, aber es ist auch ein Werk, dem man Zeit geben muss. Dann ent­fal­ten sich die neun Songs und öff­nen sich mit majes­tä­ti­scher Kraft. Dann ent­deckt man immer wie­der glanz­volle Momente, die kaum zu beschrei­ben sind. Seine Stimme ist sanft und hat das ideale Folk‐​Timbre, und man kann sich auch vor­stel­len, dass er Lie­der in einer Holz­hütte schrei­ben kann, nur mit einer Gitarre.

Doch so ein­fach macht er es sich nicht, denn viel zu sehr liebt er aus­la­dende Arran­ge­ments. Mal eine Geige, dann jede Menge Flö­ten und strom­lose Gitar­ren, aber auch Syn­the­si­zern und leicht ver­schach­telte Rhyth­men begeg­net man auf die­sem Werk. In vie­len Momen­ten bauen sich die Songs von zar­ten Pflan­zen zu einem beein­dru­cken­den Musik‐​Baum auf.

Wer sich das nicht vor­stel­len kann, der sollte sich „Win­ter River“ anhö­ren, anfangs klingt er wie ein Früh­werk von Belle & Sebas­tian, um dann am orches­tra­len Schön­klang sich zu laben und ste­tig tri­um­pha­ler zu wer­den. „Doro­thy“ klingt also nicht wie tro­ckene Theo­rie, son­dern wie eine musi­ka­li­sche, warme Umar­mung. Also ver­mut­lich kein Album für Shel­don Cooper.

Erschie­nen bei: Book­shop Records
www​.dia​grams​mu​sic​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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