// Szene

Sonntag, 19. März 2017

Jubiläumstour

Dirk Darmstaedter live im Prinz Willy

Cover (Bild: hfr).
Cover (Bild: hfr).

Als Dirk Darm­sta­ed­ter 1989 mit den Jeremy Days den Radio­hit „Brand new toy“ fei­erte, war für den Ham­bur­ger noch nicht klar, wie die musi­ka­li­sche Kar­riere sich ent­wi­ckeln würde. Inzwi­schen fei­ert er sein 20‐​jähriges Jubi­läum als Solo­künst­ler – und zwar mit einem Album und einer Tour. Im Rah­men des­sen wird er am Sams­tag, dem 1. April im Kie­ler „Prinz Willy“ zu Gast sein.

Das sagt der Veranstalter

Als Dirk Darm­sta­ed­ter sich 1996 immer wie­der alleine oder mit Freun­den ins Ham­bur­ger Hafen­klang­stu­dio zurück­zog, um mal wie­der Songs außer­halb eines Band­kon­texts zu schrei­ben und auf­zu­neh­men, wusste er noch nicht, dass er damit sein Leben der nächs­ten zwan­zig Jahre defi­nierte. Es war ja noch gar nicht klar, ob seine dama­lige Band, die Jeremy Days, eine Pause machte oder am Ende ange­kom­men war. Den Jeremy Days waren einige Hits gelun­gen, zudem sahen sie gut aus, waren Pos­ter­boys. Die Hoff­nun­gen für Dirk als neuen Star beim Major­la­bel Uni­ver­sal waren hoch gesteckt. Aber zu die­sem Zeit­punkt wusste ja noch kei­ner, dass die Musik­in­dus­trie just zu sei­nem ers­ten Solo­al­bum eine große Krise aus­ru­fen, dass er die neuen Regeln des Busi­ness selbst mit sei­nem erfolg­rei­chen Indie­la­bel Tapete abste­cken würde, dass Kon­zerte künf­tig auch in Wohn­zim­mern und Stu­dio­auf­nah­men auf einem Dach­bo­den statt­fin­den, dass es neun Solo­al­ben wer­den wür­den und dass man mit all die­sen Infos eines Tages stän­dig seine Inter­net­seite würde aktua­li­sie­ren müssen.

Das Album „Twenty Twenty“ fasst jetzt diese zwan­zig­jäh­rige Solo­kar­riere von Dirk Darm­sta­ed­ter in zwan­zig Lie­dern zusam­men. Und erstaun­li­cher­weise erzählt diese Platte, trotz all der äuße­ren Ände­run­gen, etwas von Kon­ti­nui­tät. Auf dem Cover fin­det man nicht die obli­ga­to­ri­schen Bei­na­men Grea­test und Hits, mit denen man sol­che Com­pi­la­ti­ons gerne labelt. Mit Hits im Sinne der heu­ti­gen Mainstream‐​Charts hat das ja sowieso wenig zu tun, auch wenn Darm­sta­ed­ters gesam­tes Oeu­vre mit gro­ßen Melo­dien gespickt ist und durch­aus auf die Charts zielt, aber wohl auf die aus ande­ren Jahr­zehn­ten. So weist das ein­zig neue Lied der Samm­lung auf Hel­den ver­gan­ge­ner Zei­ten hin: „Sonny & Cher“, das Traum­paar des Pop der 1960er Jahre, das bis zum heu­ti­gen Tage
wohl täg­lich im Radio zu hören ist, jedoch im Wesent­li­chen mit einem Song: „I got U, babe“. Manch­mal spie­len sie es viel­leicht sogar Seite an Seite mit „Brand New Toy“, dem gro­ßen Hit der Jeremy Days. All die ande­ren Lie­der tau­chen eher in den Mini‐​Rotationen der Erwach­se­nen­sen­der auf, in den Radio­spe­cials der Abend­stun­den, wo man sich dem bewuss­ten Musik­hö­ren wid­met und dann eine von Darm­sta­ed­ters Pop‐​Perlen wie „Wal­king with your shoes tied toge­ther“ oder „Fred Astaire“ mit der Musik von Lloyd Cole, Pre­fab Sprout oder Ron Sex­s­mith kombiniert.

Twenty Twenty“ kann man auch wie ein sol­ches Radio­spe­cial hören. Ein Album wie aus einem Guß. Es doku­men­tiert weni­ger die Moden des Pop als viel eher die Kon­ti­nui­tät eines Song­wri­ters mit Gitarre: ein in sich geschlos­se­ner Kos­mos. Denn egal, ob mit sei­ner groß­ar­ti­gen neuen Band im alt­ehr­wür­di­gen Stu­dio Nord in Bre­men auf­ge­nom­men, alleine auf dem hei­mi­schen Dach­bo­den, mit Freun­den im Ham­bur­ger Hafen­klang, in einem fens­ter­lo­sen Bun­ker in Ber­lin, in einer alten eng­li­schen Kir­che nahe Cam­bridge oder mit musi­ka­li­schen Hel­den in Hin­ter­hof­ga­ra­gen in Stu­dio City, L.A.: das Ergeb­nis ist immer als ein Dirk Darm­sta­ed­ter Song zu erken­nen. Ein soge­nann­ter body of work, eine Werk­schau. Die Lie­der sind zeit­los, klas­sisch im Sinne der gro­ßen Pop­songs der 1960er bis 70er arran­giert und der gro­ßen musi­ka­li­schen Geste ver­bun­den. Man kann zu ihnen beim Tan­zen sein Haar schüt­teln oder auch den Kopf, wie es mög­lich ist, dass diese zwan­zig Lie­der keine Hits waren. Aber das steht auf einem ande­ren Blatt. Und viel­leicht liegt die­ses Blatt noch irgendwo bei Brian Wil­son zwi­schen all den Pet Sounds Notizen.

Wei­tere Informationen

Über den Autor

Daniela Sonders Daniela Sonders

Suchte 2008 nach kiel4kiel und fand den För­de­flüs­te­rer. Wollte eigent­lich nur hier und da mal ne Kino­kri­tik schrei­ben und ver­sucht jetzt, die­sen herr­lich wuse­li­gen Laden in Schach zu hal­ten. Das hat sie nun davon. Inter­es­sen: Poli­tik, Medien, Bür­ger­rechte, Filme, Kochen und alles rund um Kiel.

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