Montag, 22. August 2011
BarCamp Kiel 2011
Kiel hat seit einigen Jahren eine sehr aktive Web 2.0 und IT‐Szene. Neben dem Kieler Open Source und Linux Tagen im Herbst jedes Jahres und den monatlichen Webmontagen gibt es seit dem letzten Jahr das Kieler BarCamp. Während das letztjährige BarCamp mit seinen 130 Teilnehmern noch überschaubar war, haben sich dieses Jahr rund 300 Teilnehmer angemeldet und die Organisatoren vor eine neue Herausforderung gestellt. Doch die Organisatoren haben von unerwarteter Seite Schützenhilfe erhalten: Während die ersten Teilnehmer im Kieler Wissenschaftszentrum eintrafen und über das üppige Frühstück herfielen, machte eine Pressemitteilung des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) mit dem Titel „Facebook‐Reichweitenanalyse abschalten“ die Runde (der fördeflüsterer berichtete). Mit diesem Knall, der bundesweit die Internet‐Marketing‐Szene erschütterte, begann die Veranstaltung.
Ein Jahr Landesblog
Auf die Kritik des Landesblogs an dem Online‐Angebot des schleswig‐holsteinischen Landtag ging unter anderem Arnold Wallisch ein. Wallisch stellt klar, dass die Aufgabe des ParlaNet die Öffentlichkeitsarbeit, politische Bildung, Presseticker und die Information über die politischen Institutionen sei, nicht jedoch die Berichterstattung aus dem Landtag. Für die Zukunft wurde eine Erweiterung des Abodienst um 14 unterschiedliche, themenbezogen Abos angekündigt um alle Dokumente, ab Beginn dieses neuen Dienstes, an Interessierte auszuliefern.
In der Session zum Thema „Medienkompetenz“ berichtet Melanie Richter, eine Kieler Lehrerin, von ihren Erfahrungen mit jungen Schülern und deren Umgang mit dem Web 2.0. Es wurde unter anderem über die Frage diskutiert, ob die Familie oder die Schule für die Vermittlung der Medienkompetenz verantwortlich sind. Ein Vorschlag war der “Internet‐Erklärbar”, der ähnlich dem “Verkehrskasper” den Kindern den verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Netzwerken und Chats nahe bringen soll. Aber sind solche Maßnahmen überhaupt sinnvoll? Für die meisten Kinder und Jugendlichen sind die neuen Medien und das Internet inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Sie schätzen die eigene Medienkompetenz höher ein als die der Eltern und Lehrer, trotzdem existieren eine Reihe von Risiken, zum Beispiel die Tücken des Urheberrechts, vor denen nur eine konsequente Medienpolitik Kinder und Jugendliche schützen kann.
Einer ganz anderen Herausforderung stellte sich Hinnerk Haardt, der den Zuhörern innerhalb einer Viertelstunde einen Überblick über die Stärke und Schwäche von Passwörtern, die Sicherheit der Cloud und Online‐Banking verschaffte. Sicherheit ist letztlich relativ und selbst das beste Passwort hilft wenig wenn man in der Öffentlichkeit beim Eingeben des Passwort beobachtet wird oder sich ein Dieb den Laptop entwendet. Einer seiner Ratschläge war es vertrauliche Daten verschlüsselt zu Hause auf einem Rechner zu speichern, der nicht ans Internet angeschlossen ist. Auch Virenscanner sind seiner Meinung nach sinnlos, da diese keine Infektion verhindern sondern nur nachträglich Anwenderfehler korrigieren. Ob man diese Ansicht teilt oder auf ein alternatives Betriebssystem umsteigt um ein solches Risiko zu minimieren bleibt letztlich jedem selbst überlassen. Die Session zur IT‐Sicherheit hat die Zuhörer auf jeden Fall zum nachdenken angeregt.
Auch in diesem Jahr hat das Kieler BarCamp gezeigt, dass es in Schleswig‐Holstein eine sehr aktive Webszene besitzt. Mit insgesamt 62 Sessions wurde den Teilnehmern nicht nur eine tolle Veranstaltung sondern auch ein sehr abwechslungsreiches und interessantes Programm geboten.