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Freitag, 08. Februar 2019

Dendemann

Da nich für!

Dendemann – Da nich für!
Dendemann – Da nich für!

Rap­mu­sik und deren Busi­ness ist eine sehr schnell­le­bige Ange­le­gen­heit. Und da kann man sich als Musi­ker fra­gen, ob man irgend­wann an Rele­vanz ver­liert und ab wann man zum alten Eisen gehört. Daniel Ebel ist auch schon ein Mitt­vier­zi­ger und den­noch hatte er sich schon immer den typi­schen Business‐​Mechanismen ent­zo­gen. Allein die Tat­sa­che, dass er in sei­ner Solo‐​Karriere, die auch schon 15 Jahre umspannt, mit „Da nich für!“ erst sein drit­tes Album veröffentlicht.

Den­de­mann ist also weit davon ent­fernt, den Rubel absicht­lich schnell rol­len zu las­sen. Viele haben sich auch gefragt, ob er den Anschluss noch fin­den kann. Er fin­det ihn und viel­leicht liegt es auch daran, dass er gelas­sen ist und sich nicht mit Cap­tain Bra oder Bausa mes­sen las­sen will. Geht auch nicht, denn Den­de­mann hat sich wei­ter­ent­wi­ckelt, was aller­dings erst ein­mal dafür sorgte, dass die Auf­nah­men für „Da nich für“ ins Sto­cken gerieten.

Er fing schon 2014 an und ein Jahr spä­ter musste er ablie­fern als Rap­per, der das Welt­ge­sche­hen in schnel­len Wör­tern und Rei­men in Jan Böh­mer­manns „Neo Maga­zin Royale“ zu ver­pa­cken hatte. Von die­sem Enga­ge­ment nahm er aber auch viel mit, als er die Show wie­der ver­ließ. Den­de­manns The­men auf „Da nich für“ sind nun viel poli­ti­scher und brennender.

Das macht er schon bei der Sin­gle „Keine Paro­len“ klar, wenn er rappt: „Ja für das Lager­feuer super­gu­tes Brenn­holz, Da lan­det unter andern die Über­do­sis Fremd­stolz“ oder „Ja unse­rer Rück­grat ist stu­fen­los ver­stell­bar“ und schnell ist klar, dass es ihm noch wich­ti­ger ist was er zu sagen hat. Er wurde noch damit sozia­li­siert, dass es wich­tig ist etwas zu sagen, wenn es wich­tig ist, und des­we­gen ist es auch nicht ver­wun­der­lich, wenn er Recken wie Slime sam­pelt und die Gol­de­nen Zitro­nen zitiert.

Ja, Den­de­mann schaut auch auf Lang­spie­ler Num­mer Drei über den Sup­pen­tel­ler­rand, so zitiert er auch 1000 Robota und Bil­der­buch. Rio Rei­ser wird gesam­pelt und bei „Zau­ber­land“ auch noch reich­hal­tig zitiert und ver­liert nicht an Dring­lich­keit. Den­de­mann ver­wen­det gekonnt Hil­de­gard Knef‐​Sprachfetzen und selbst Heinz Erhardt‐​Samples wir­ken bei ihm nicht albern, son­dern wird feinste Poesie.

Dazu lässt er mit Trett­mann den Hip Hop Nach­wuchs zu Wort kom­men und Ham­bur­ger Kollegen‐​Legenden von den Begin­nern sind bei „BGS­TRNG“ mit an Bord. „Da nich für“ ist viel­sei­tig, frisch und hat den­noch Tra­di­tion. Viel­leicht fin­det er nicht den Anschluss a Gzuz– und Cap­tian Bras‐​Fans, doch das ist auch nicht sein Ziel. Er will uns unter­hal­ten und den­noch mah­nen, und „Da nich für!“ ist des­we­gen heut­zu­tage wich­ti­ger als zuvor.

Erschie­nen bei: Vir­gin /​Uni­ver­sal
den​de​mann​.de

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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