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Donnerstag, 06. Dezember 2018

John Coltrane

Both Directions At Once: The Lost Album

John Coltrane – Both Directions At Once: The Lost Album
John Coltrane – Both Directions At Once: The Lost Album

Man müsste ja mei­nen, dass bei einer Legende wie John Col­trane längst jeder Ton und jeder Song ver­öf­fent­licht sein muss, zumal viele seine Plat­ten immer wie­der neu auf­ge­legt wer­den. Kein Wun­der, kaum ein Album von ihm, wel­ches nicht als Klas­si­ker zählt.

Umso erstaun­lich war die Tat­sa­che für die Jazz­welt, als Anfang des Jah­res ver­kün­det wurde, dass Songs auf­ge­taucht sind, die noch nie von der Öffent­lich­keit gehört wur­den, und diese sind kein loses Stück­werk aus Songs ver­schie­de­ner Deka­den. Nein, auf „Both Direc­tions At Once: The Lost Album“ sind ver­schol­lene Stü­cke, die aus einer Ses­sion stam­men. Es sind Auf­nah­men vom 6. März 1963, die im Rudy van Gel­der Stu­dio ent­stan­den sind.

Dem Mythos nach hat Col­trane damals die Bän­der mit nach Hause genom­men, und dann sind sie lang­sam in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Erst jetzt hat seine dama­lige Frau Naima sie wie­der gefun­den. Bei der Ses­sion war die klas­si­sche Band‐​Besetzung anwe­send, also Elvon Jones an den Per­cus­sions, McCoy Tyner am Piano, Jimmy Gar­ri­son am Bass und Col­trane natür­lich am Saxo­phon. Seine Musik war ja schon immer im aus­ge­wo­ge­nen Maß zwi­schen Tra­di­tion und Zukunft, und dass hört man den 14 Stü­cken an.

Sie haben Struk­tur, sind aber immer ange­trie­ben, neue Wege zu fin­den und zu impro­vi­sie­ren. Die Songs wuchern und gra­ben sich immer wei­ter in einen Sog, was natür­lich am Saxophon‐​Spiel liegt. Denn die­ses steht auch bei die­sen Auf­nah­men im Vor­der­grund und ist die Essenz die­ser Musik. Ein­zelne Lie­der her­vor­zu­he­ben, gestal­tet sich hin­ge­gen schwie­rig, da sie natür­lich alle aus dem glei­chen Zeit­raum und der­sel­ben Ses­sion stammen.

Auf jeden Fall hat „Both Direc­tions At Once: The Lost Album“das Zeug zum Klas­si­ker und ist sicher­lich das Jazz‐​Fundstück des Jahres.

Erschie­nen bei: Impulse /​Uni­ver­sal
www​.john​col​trane​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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