Donnerstag, 09. Februar 2012
Lana Del ReyDabei hatte man Elizabeth Grant, wie sie bürgerlich heißt, vor einem Jahr nicht auf dem Radar, und durch ihr angeblich allein hergestelltes Musikvideo zu „Video Games“ mit Vintage Bildern ist sie nun ein Star. Dabei waren es nicht Blogs, die ihr zum Erfolg verhalfen, denn auch dieses Medium hatte den Trend verschlafen.
Schließlich musiziert sie schon ein paar Jahre, und ein Album gab es auch schon von ihr, ebenso eine EP unter dem Namen Lizzy Grant. Man hätte es eventuell kommen sehen können mit Lana Del Rey, und deshalb haben alle es zeitgleich bemerkt, das flinke Internet war diesmal nicht schneller als das altmodische Medium MTV und auch kulturelle Feuilletons.
Nun, nachdem die bezaubernden Hits mit Harfe, Streichern und Piano‐Tupfern einen irgendwie an den Moment erinnert haben, den man 1978 bei der ersten Begegnung mit „Wuthering Heights“ von Kate Bush hatte, ist das neue Album „Born To Die“ fertig. Haben wir es hier nun also auch mit einem Wunderkind wie 1978 zu tun?
Vermutlich nicht, was auch daran liegt, dass die Zeiten sich geändert haben und ein Hype heute leichter zu erzeugen ist, die Künstler sich aber schwerer entwickeln können. Aber eines steht fest, man wird nicht enttäuscht, wenn man den Single‐Vorboten mag, allerdings ist das ganze Album nicht immer mit dieser feinen Grandezza bestückt.
Der Einstieg und zudem Titelsong hat aber einen gleichen Glanz wie der Hit, leichte elektronische Beats, die sich hinter den Streichern verbinden, und einen Gesang, der kühl und dennoch unheimlich präsent ist und so tief klingt, dass man das Gefühl hat, Patti Smith sei in einer Twin‐Peaks‐Kulisse gelandet.
Aber so schaurig ist es dann doch nicht, auch wenn hier immer mit orchestralem Sound gearbeitet wird und Lana Del Reys Gesang immer ein wenig distanziert wirkt, aber dennoch war selten eine Stimme so präsent.
Man wundert sich, denn einigen Melodien haben nicht genug Puste, um den Hype komplett zu rechtfertigen, und man fragt sich auch immer, ob sie jetzt ein Kunstprodukt ist, nur wesentlich edler als andere Sängerinnen. Sie arbeitet mit ihrer Schönheit, und man blickt nicht immer hinter die Fassade, ähnlich wie bei ihren Videos. Doch Lana Del Rey sagt, dass die Songs von ihr sind, und –wichtiger noch– von ihr handeln, und man möchte es ihr glauben.
Was auch bei ihrer Musik auffällt ist, dass ihre Songs immer das Kopfkino bedienen, wie das TripHop‐infizierte „Blue Jeans“. Allerdings erzeugt sie auch in ihren realen Clips komische Bilder, und so ist beim ebengenannten Song jede Menge Patriotismus, und in ihrem Hit‐Video sieht man oft die amerikanische Flagge.
Ja, Lana Del Rey hat schon etwas mit dem vielbeschworenen amerikanischen Traum zu tun, so rein und klar ist alles, und hinter dem guten Aussehen liegt doch irgendetwas im Argen. Von daher passt die Bezeichnung „Gangster Nancy Sinatra“ auch gut.
Viele schöne Momente und viel Glanz sind vorhanden, irgendwie auch zeitlos und dennoch aktuell. Nur die Tatsache, dass man nicht weiß, wie echt Lana Del Rey ist, macht einem Sorge, sie wird aber dennoch einer der Stars der nächsten Zeit sein, die den Glanz in den Pop zurückbringen wird.
Erschienen bei: Universal
www.lanadelrey.com
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