// Musik

Donnerstag, 28. Januar 2016

David Bowie

Blackstar

David Bowie – Blackstar
David Bowie – Blackstar

Wie fängt man an, über „Black­star“ zu schrei­ben, vor dem Hin­ter­grund, dass der Thin Withe Duke hier sein musi­ka­li­sches Ver­mächt­nis hin­ter­las­sen hat? Schwie­rig, aber viel­leicht damit, dass David Bowie ein letz­tes mal das Cha­mä­leon her­aus­ge­kehrt hat. Sein 24. Album „The Next Day“ war eher Retro­spek­tive sei­nes Schaf­fen, was man schon an der „Heroes“-Kopie erken­nen konnte.

Doch wer jetzt gedacht hat dass „Black­star“ (offi­zi­elle Schreib­weise: *) eben­falls einen Blick zurück auf sein Lebens­werk wirft, der irrt. Angeb­lich wurde Bowie für die Auf­nah­men zu sei­nem letz­ten Album von dem jun­gen Hip­Hop Meus­ter­werk „To Pimp A But­ter­fly“ von Kendrick Lamar beein­flusst. Doch war der Mann, der vom Him­mel fiel, nicht vom Sprech­ge­sang beein­druckt, son­dern eher davon, wie die Songs arran­giert und auf­ge­baut sind.

Rich­tig aut­ark sind die bei­den Album dann doch nicht gera­ten, was Vie­len sicher­lich gefal­len wird. „Black­star“ ist aber auch ein offe­ner Bruch in Bowies Dis­ko­gra­phie und auch mit dem in die Jahre gekom­men Rock (wie es mit die­sem ohne Bowie und Lemmy wei­ter­ge­hen soll?). „Black­star“ ist ein künst­le­risch offe­nes Album und zudem wie­der Up‐​To‐​Date.

Denn es ist auch ein Jazz‐​Album, und lässt durch die Offen­heit auch an neuere Acts wie Fly­ing Lotus und Kamasi Washing­ton den­ken. Sein Abschied ist also noch ein letz­ter Pau­ken­schlag. Die Liebe zum Jazz kam vor ca. zwei Jah­ren, als er in New York in Jazz‐​Clubs gegan­gen ist. Dort hat er auch seine Musi­ker gefun­den, die erst nicht glau­ben konn­ten, was David Robert Jones mit ihnen vorhat.

Erste Zusam­men­ar­beit war „Sue (Or In A Sea­son Of Crime“, wel­ches schon auf der letz­ten „Best‐​Of“ zu hören war und auf „Black­star“ seine zweite Ver­wen­dung fin­det. Aber auch sonst ist eben Jazz das trei­bende Ele­ment, und das Saxo­phon (gespielt von Donny McCas­lin) Haupt‐​Instrument.

Dabei kann die­ses auch ver­stö­rend sein, wie etwa bei „Laza­rus“. Dort bohrt das Instru­ment, sogar ein paar Sai­ten­in­stru­mente tau­chen auf und sor­gen für ner­vöse Klang­struk­tu­ren, dazu Bowies fast schon kla­gen­der Gesang. Seit „1. Outs­ide“ klang der Mann, der Ziggy Star­dust erschaf­fen hat, sel­ten so düs­ter wie bei eben die­sem Song.

Der Opener und Titel­stück hin­ge­gen ist ein Jazz‐​Song mit eben den oben genann­ten Refe­ren­zen im Songauf­bau. Bowie singt dazu irgend­wie in einer ande­ren Welt, poly­rhyth­misch, und die zehn Minu­ten blei­ben span­nend, auch wenn beim ers­ten Hören nicht soviel pas­siert. Doch der Song ist in stän­di­gem Wandel.

Ja, bei die­sem Album kann man nie wis­sen, wie es wei­ter­geht, auch das ist mit der Offen­heit gemeint. Des­we­gen wer­den sich einige alte Fans an Songs wie „Girls Love Me“ stö­ren, denn diese sind halt durch­aus zeit­ge­mäß und fal­len den­noch aus dem gewohn­ten Mus­ter her­aus. Selbst eine Bal­lade wie „Dol­lar Days“ ist unty­pisch, dabei sucht der Song klang­li­che Wei­ten, man muss bei die­sem Song halt das Saxophon‐​Spiel lieben.

Der Schluss­song „I Can´t Give Ever­y­thing Away“ hat große Synthie‐​Flächen, wodurch der aller­letzte Song von David Bowie viel Raum gewinnt.

Black­star“ ist nun also sein letz­tes Album und ein sehr unge­wöhn­li­ches Ver­mächt­nis, genau wie Bowie selbst. R.I.P., David Bowie!

Erschie­nen bei: Colum­bia /​Sony
www​.david​bo​wie​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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