// Musik

Dienstag, 14. Februar 2017

Devendra Banhart

Ape In Pink Marble

Devendra Banhart – Ape In Pink Marble
Devendra Banhart – Ape In Pink Marble

Die Musik von Deven­dra Ban­hart war frü­her wesent­lich ver– und ent­rück­ter als heute. Nicht umsonst war er der bekann­teste Ver­tre­ter des Freak‐​Folk, diese Bewe­gung tauchte Anfang der 2000er Jahre auf. Sein Album „Cripple Crow“ ist ein Meis­ter­werk die­ses Gen­res, hat aber auch die Türen offen gehabt zu ande­ren Gen­res, wie etwa zum Latin‐​Sound.

Zuge­ge­ben, der Mas­sen­ge­schmack war es sei­ner­zeit nicht, und als der Musik­ex­press sein 2007er Werk „Smo­key Rolls Down Thun­der Can­yon“ zum Album des Jah­res kürte, waren auch die Leser mehr als irri­tiert. Das war sicher­lich ganz nach dem Geschmack des Künst­lers, doch dann legte Ban­hart so nach und nach seine Schrul­lig­keit ab.

Ape In Pink Marble“ ist sein neun­tes und sicher­lich das am schwers­ten greif­bare Album. Es gibt kaum wind­schiefe Arran­ge­ments, und auch das Leb­hafte wurde hier kom­plett außen­vor gelas­sen. Dafür sind die neuen Songs alle ein wenig wie mit einem sanf­ten Grau­schleier bestückt. Leichte Gitar­renlicks und kaum spür­bare Synthie‐​Flächen wer­den gebil­det. Manch­mal gibt es schmach­tende Strei­cher, ein zag­haf­tes Xylo­phon, oder eine Flöte traut sich vorbei.

Es klingt fast wie ein ver­träum­ter Sonn­tag­nach­mit­tag, den man hier ver­tont hat. Also einen, der an einem so vor­bei­zieht wie die schöns­ten Wol­ken. Doch die Wol­ken sieht man nicht, denn es ist ein mil­chi­ger Schleier über den Tag gestülpt. Deven­dra Ban­hart singt bei die­sem Album kaum, son­dern haucht die meis­ten Lie­der in das Mikro­phon. „Quiet is The New Freak“ möchte man sagen, und es stimmt.

Selbst seine Sin­gle „Satur­day Night“ macht da keine Aus­nahme, ver­schleppte Beats und paar Key­board Klänge räkeln sich wun­der­sam im Bett herum, und Ban­hart singt ein wenig geis­ter­haft. „Fancy Man“ hat einen tän­zeln­den Kör­per und eine komi­sche Klangan­samm­lung, die irgend­wie ver­spielt und leicht asia­tisch anmu­tet. „Fig In Lea­ther“ ist Weird‐​Soul, der auf Wohlfühl‐​Socken durch die Woh­nung latscht. „Linda“ ist dann Folk, bei dem man immer an die Decke starrt.

Good Time Char­lie“ klingt wie ein ver­ges­se­ner und bekiff­ter Song der Beatles‐​Spätphase. Bei „Theme For A Tai­wa­nese Woman In Lime Green“ fun­kelt Deven­dra Ban­harts Vor­liebe zum Bossa Nova in herr­lich blas­sen Far­ben durch.

Ape In Pink Marble“ ist das aus­ge­gli­chenste Album von Ban­hart und im ers­ten Moment fast schon unspek­ta­ku­lär. Doch wenn man sich die Fein­hei­ten jedes ein­zel­nen Songs genau betrach­tet, stellt man fest, dass es auch ein typi­sches Deven­dra Banhart‐​Album ist. Nur halt eines, was ein wenig aus dem Rah­men fällt.

Erschie­nen bei: None­such /​War­ner
deven​dra​b​an​hart​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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