Sonntag, 12. Februar 2012
Kieler ErinnerungstagVor 150 Jahren konnte die Stadt Kiel einen großen Fortschritt im Ausbau einer hygienischen Trinkwasserversorgung feiern: Am 12. Februar 1862 übertrug der dänische König nach langen Verhandlungen den Schreventeich „zum freien und unwiderruflichen Eigentum der Stadt Kiel“. Der Schreventeich wurde dringend gebraucht: für eine zentrale Wasserversorgung der wachsenden Stadt.
Die Wasserversorgung war in jeder Stadt ein drängendes Problem. Seit der Gründung der Stadt gab es zwar Brunnen in der Altstadt, doch lagen diese Flachbrunnen in direkter Nähe zu den Kloaken und waren daher ein ständiger Krankheitsherd. Deshalb wurden die umliegenden Teiche zur wichtigsten Wasserquelle der Stadt. Da diese Teiche höher lagen als die Altstadt, konnte das Wasser durch natürliches Gefälle bequem in die Stadt geleitet werden.
Schon 1284 wird eine Wasserleitung in der Holstenstraße erwähnt, später waren es besonders die beiden heute zugeschütteten Galgenteiche am Exerzierplatz, die die Trinkwasserversorgung sicherstellten. Die Röhren der Wasserleitungen bestanden jahrhundertelang aus durchbohrten Baumstämmen. Sie hießen Pfeifenbäume, auf plattdeutsch „Piepenböme“, abgeleitet von „Piep“, was „Röhre“ bedeutet. Erst durch eine Stiftung des Hof– und Landgerichtsadvokaten Carl Friedrich Schmidt wurden im 19. Jahrhundert die hölzernen Rohre durch eiserne ersetzt.
Der Schreventeich gehörte dem Landesherrn, der mit dem Wasser des Teichs das Kieler Schloss und einige ausgewählte Adelshäuser versorgen ließ. Da der Schreventeich höher lag als die Galgenteiche und ungleich größer war, hatten die Stadtväter schon lange ein Auge auf ihn geworfen. Doch erst nach langen Verhandlungen kam es 1862 zum Vertragsschluss. Noch war der Schreventeich ein natürliches Gewässer, von Reet– und Sumpfzonen umgeben. Nun wurde ein Bassin von 3,5 m Tiefe ausgehoben und das Zuflussgebiet durch Drainage vergrößert. Der Erdaushub wurde für die Aufschüttung eines Dammes genutzt, der das Gewässer in einen größeren nördlichen und einen kleinen südlichen Teil teilte. Der flache nördliche Teil wurde bis 1869 zugeschüttet und später in Kleingärten umgewandelt. 1863 konnten die Wasserleitungen in Betrieb genommen werden. Doch der Schreventeich konnte das Trinkwasserproblem nur vorübergehend lösen. Die Wasserqualität ließ zu wünschen übrig und in niederschlagsarmen Jahren fiel er gänzlich trocken. 1880 wurde das erste Wasserwerk mit Tiefbrunnen und ein Wasserreservoir im Vieburger Gehölz erbaut. Anders als die zugeschütteten Galgenteiche bekam der Schreventeich eine neue Funktion: als idyllischer Parkweiher des 1901⁄02 neu angelegten Schrevenparks.