// Musik

Samstag, 30. Januar 2016

Briana Marela

All Around Us

Briana Marela – All Around Us
Briana Marela – All Around Us

Bei Briana Marela denkt man irgend­wie auto­ma­tisch an Musik aus Island. Schließ­lich ist die­ses Land bekannt für lie­bens­wert schrul­lige Musik, die sehr expe­ri­men­tell ist und dabei eine eigene Klang­farbe auf­weist. Doch die junge Frau kommt aus Seat­tle, also der Musik‐​Hochberg der Neun­zi­ger Jahre.

Doch auf­ge­nom­men wurde es in einer ande­ren Hoch­berg des glei­chen Jahr­zehnts, näm­lich in Reyk­ja­vik, und jetzt merkt man, dass Briana Marela musi­ka­lisch dich­ter an Dream­Pop ist als an Grunge‐​Gitarren‐​Krach. Jetzt kommt noch eine Infor­ma­tion dazu, und schon kommt sie nicht mehr her­aus aus der „Island“ beschrif­te­ten Schub­lade, denn „All Around Us“ wurde durch Crowd­fun­ding finan­ziert und von Sigur‐​Rós‐​Produzent Alex Somers aufgenommen.

Das hört man auch sofort, wer da an den Reg­lern lag, und die Musik wurde auch wie­der in Schwe­re­lo­sig­keit ver­setzt und ist purer Dream­Pop. Die Beats sind zwar da, die­nen aber nur zur Grund­fes­ti­gung. Nur bei einem Song wie „Sur­ren­der“ bekom­men sie eine tra­gen­dere Rolle. Die­ses Lied ist auch sicher­lich eines das sich am schnells­ten erschließt, weil es sogar einen Refrain auf­weist, der durch­aus leichte Züge von Pop hat, auch wenn der Gesang im Kanon daher­kommt. Die­ser Moment beweist, dass sie durch­aus andere Songs schrei­ben könnte, aber den kon­ven­tio­nel­len Weg wird die Ame­ri­ka­ne­rin mit islän­di­schem Musik‐​Herz nicht beschreiten.

Sie folgt mehr ihrer Intui­tion und forscht nach Klän­gen wie etwa bei „I Don´t Belong To You“, bei dem die Klänge behut­sam geschich­tet, der Song­kern nur ange­deu­tet wird und sie ihre Stimme als Instru­ment nutzt. Ihre Stimme ist tat­säch­lich mehr ein Klang­kör­per und dient nicht nur dem Aus­spre­chen ihrer Texte, das erkennt man gleich beim Opener „Fol­low It“. Es ent­steht asia­ti­scher Klang mit ein paar Schel­len­krän­zen, die immer wie­der gesam­pelt wer­den, aber ihr Tim­bre ist das Wichtigste.

Des­we­gen gibt es auch musi­ka­li­sche Nähe zu der fran­zö­si­schen Sän­ge­rin Camille oder, um in Island zu blei­ben, ähnelt die Platte auch „Medúlla“, dem 2004er Album von Björk. Aber man sollte den­noch mal auf die Texte hören, denn es gibt sehr viel Ernst­haf­tes, wie etwa den Ver­lust eines Ange­hö­ri­gen bei „All Around Us“.

Also ist die­ses Album sehr stim­mig, auch wenn es meh­re­rer Durch­läufe bedarf, um die fei­nen Eigen­ar­ten zu erken­nen. Ist die­ses gesche­hen, erlebt man ein sehr orga­ni­sches Werk mit ver­spiel­ten elek­tro­ni­schen Klän­gen und einem Gesang, der hier die tra­gende Rolle spielt und die Songs schwe­ben lässt.

Erschie­nen bei: Jag­ja­gu­war /​Cargo
www​.bri​a​na​ma​rela​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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