// Musik

Dienstag, 19. September 2017

The Drums

Abysmal Thoughts

The Drums – Abysmal Thoughts
The Drums – Abysmal Thoughts

Kaum eine Band wurde so schnell so hoch­ge­ju­belt, um danach fal­len gelas­sen zu wer­den wie die bekannte heiße Kar­tof­fel wie The Drums. 2008 tauchte die New Yor­ker Band mit dem wun­der­ba­ren Indie‐​Hit „Let´s Go Sur­fing“ auf, und jeder tanzte dazu.

Auch das Album‐​Debüt, wel­ches schlicht „The Drums“ beti­telt wurde, hatte noch jede Menge andere schnieke Ohr­wür­mer zu bie­ten. Doch schon 2011 wollte kaum einer den Nach­fol­ger „Por­t­a­mento“ hören, und der NME hatte die Band völ­lig ver­ges­sen gehabt. Beim drit­ten Album „Ency­lop­pe­dia“ blie­ben von der Ur‐​Besetzung Jacob Gra­ham und Sän­ger Jonny Pierce übrig.

Abys­mal Thoughts“ ist nun Album Num­mer Vier, und nun ist nur noch Jonny Pierce übrig. Kein leich­tes Unter­fan­gen, wenn man alleine ist mit ein paar Musi­kern, die aber nicht die Kon­stel­la­tion einer Band haben. Zudem ging die Bezie­hung zu Pier­ces Freund auch noch in die Brüche.

Also ging alles auf Anfang, doch er ist keine zwan­zig mehr, son­dern mitt­ler­weile 33 Jahre alt. Des­we­gen sind die Songs nun nicht mehr so freu­dig und über­schwäng­lich wie vor fast zehn Jah­ren. Was aber geblie­ben ist, sind die tol­len Surf‐​Twang‐​Gitarren, nur sind diese meist ein wenig melan­cho­li­scher als zuvor. Keine gro­ßen Hits, aber das bedeu­tet nicht, dass „Abys­mal Thoughts“ lau wirkt.

Nein, es ist das beste Album seit dem Debüt. Viel­leicht liegt es daran, dass Jonny Pierce nun alleine wer­keln kann und sich nicht mehr abstim­men muss. Es kann aber auch sein, dass eine der bes­ten Trieb­fe­dern der Musik­ge­schichte hier wirkt. Der Lie­bes­kum­mer und das Hadern mit sich haben ja schon oft gute Lie­der schrei­ben lassen.

Die erste Sin­gle „Blood Under My Belt“ zeigt, wie er die Schuld am Ende der Liebe sucht und sie am Ende bei sich selbst fin­det. Erstaun­li­cher­weise ist die­ser Song ein rich­ti­ger klei­ner Hit. Zum glei­chen Thema kann man bei dem recht akus­ti­schen „If All We Share (Means Not­hing)“ gut erken­nen, dass ihn die Tren­nung doch trifft.

Bei „Heart Basel“ hat man einen wei­te­ren Ohr­wurm, der auch auf das Debüt gepasst hätte. Die Gitar­ren spie­len Surf‐​Musik, der Drum‐​Computer ist herr­lich unbe­schwert, und die Melo­die ist so schön wie ein Nach­mit­tag am Strand. Gerne tau­chen nun auch Blä­ser und Saxo­phon auf, und den­noch sind viele Songs wesent­lich ver­schwom­me­ner und die Melo­dien schwe­rer zu greifen.

Wenn man sie dann aber erkannt hat, dann sind da sehr schöne Exem­plare dabei. Jonny Pierce ist dies­mal auf einem guten Weg, und „Abys­mal Thoughts“ ist, wie gesagt, das beste The Drums Album seit dem famo­sen Debüt.

Erschie­nen bei: Anti /​Indigo
the​drums​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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