Donnerstag, 19. Januar 2012
Neue Streutechnik in KielDas Flüssigstreuen hat mehrere Vorteile gegenüber dem FS‐30‐Verfahren. So muss bis zu 40 Prozent weniger Salz pro Flächeneinheit ausgebracht werden, um die gleiche Tauwirkung zu erzielen. Das ist besser für die Natur und spart Geld. Auch wenn Investitionen für zusätzliche Geräte und die Produktion der Salzlösung erforderlich sind, ist das Flüssigstreuen langfristig wirtschaftlicher.
Beim herkömmlichen Verfahren bleibt ein nicht unerheblicher Teil des gestreuten Salzes nicht auf der Fahrbahn liegen, sondern landet durch Windflug und Verwirbelungen vorbeifahrender Fahrzeuge am Straßenrand. Bei der Sole besteht dieses Problem nicht, da der ausgebrachte Flüssigkeitsfilm auf der Fahrbahn haftet. Darüber hinaus wird die Sole nicht so schnell von der Straße verdrängt wie das Salz, hat somit eine länger anhaltende Tauwirkung. Ein weiterer Vorteil ist die schneller einsetzende Tauwirkung, weil sich das Salz nicht erst auflösen muss.
Die neue Streutechnik eignet sich daher besonders für präventive Einsätze bei Reifglätte, überfrierender Nässe und Glatteis. Ist beim FS‐30‐Verfahren ein Streueinsatz eine Stunde vor dem Glätteereignis möglich, so kann die Sole bereits drei Stunden, bevor es laut Wettervorhersage glatt zu werden droht, auf die noch trockenen Straßen gesprüht werden. Dies erlaubt eine effektivere Einsatzsteuerung mit weniger Fahrzeugen.
Die neue Streutechnik hat aber auch ihre Grenzen: Unter minus fünf Grad und bei Eis– und Schneedecken muss weiterhin auf die herkömmliche Art gestreut werden. Bei den in Kiel vorherrschenden Witterungsbedingungen kann die überwiegende Zahl der Winterdiensteinsätze aber mit der neuen Technik gefahren werden.
Das Flüssigstreu‐Verfahren ist in Skandinavien gängige Praxis und wird dort auch auf Radwegen eingesetzt. Wenn sich die neue Streutechnik auf Kiels Straßen bewährt, soll der Einsatz auch auf Kieler Radwegen geprüft werden. Diese werden grundsätzlich mit Sand gestreut, der unter Umständen einige Wochen liegen bleibt und das Radfahren erschwert. Die Sole hätte den Vorteil, dass die aufwendige Reinigung der Radwege vom Streusand sowie die Entsorgung des Streugutes nicht mehr erforderlich wären.
Eine Bitte hat der ABK: Egal, was für ein Streufahrzeug vor dem eigenen Wagen fährt – Autofahrerinnen und Autofahrer sollten stets genügend Abstand halten, zur eigenen Sicherheit und zum Werterhalt des Autos.