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Dienstag, 03. Juli 2018

Geschichte

21 Stolpersteine werden in Kiel verlegt

Die Stolpersteine für die jüdische Familie Hirsch, die am 6. Dezember 1941 ins Konzentrationslager nach Riga deportiert wurden.
Die Stolpersteine für die jüdische Familie Hirsch, die am 6. Dezember 1941 ins Konzentrationslager nach Riga deportiert wurden.

Mit 21 neuen Stol­per­stei­nen soll der Opfer natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Gewalt gedacht wer­den. Mit dem Ver­le­gen von Stol­per­stei­nen erin­nert der Köl­ner Künst­ler Gun­ter Dem­nig bun­des­weit an die Opfer des NS‐​Regimes. In Kiel lie­gen bereits 234 Stol­per­steine und am Don­ners­tag, dem 28. Juni kamen 21 wei­tere Stol­per­steine hinzu.

Seit 1997 hat Gun­ter Dem­nig in über 1.300 deut­schen Städ­ten und in 21 euro­päi­schen Län­dern mehr als 68.000 Stol­per­steine ver­legt um an die Opfer des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Regimes zu erin­nern. Vor deren letz­ten selbst­ge­wähl­ten Wohn­ort wer­den von dem Köl­ner Künst­ler zehn mal zehn Zen­ti­mi­ter große Gedenk­steine mit Mes­sing­plat­ten in den Geh­weg ein­ge­las­sen. Auf den Stol­per­stei­nen ste­hen die Namen und die wich­tigs­ten Daten der Opfer.

Im Kie­ler Stadt­ge­biet wur­den 2006 die ers­ten Stol­per­steine ver­legt. Inzwi­schen sind es 255 Stol­per­steine. Zusam­men mit der Gesell­schaft für Christlich‐​Jüdische Zusam­men­ar­beit in Schleswig‐​Holstein e.V. und die Lan­des­haupt­stadt wur­den die 21 neue Stol­per­steine an sie­ben Orten für jüdi­sche Nazi‐​Opfer in den Geh­weg eingelassen.

Im Rah­men des Kie­ler Stolperstein‐​Projekt recher­chie­ren Schü­le­rin­nen und Schü­ler der Käthe‐​Kollwitz‐​Schule und des Abend­gym­na­si­ums am RBZ Wirtschaft.Kiel den Lebens– und Lei­dens­weg der Opfer. Die Ergeb­nisse wur­den wäh­rend der Ver­le­gung der Steine vor­ge­tra­gen und im Inter­net unter www​.kiel​.de/​s​t​o​l​p​e​r​s​teine veröffentlicht.

Ver­legt wur­den Stol­per­steine für die jüdi­sche Fami­lie Hirsch, die in der Faul­straße 41 ((heute Faul­straße 27) wohn­ten und die am 6. Dezem­ber 1941 ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger nach Riga depor­tiert wur­den. Nur ein Fami­li­en­mit­glied über­lebte den Holocaust.

In der Bau­straße 20 wurde ein Stol­per­stein für Rosa Lewin (gebo­rene Hirsch) ver­legt, die eben­falls 1941 nach Riga depor­tiert wurde. Der Umstand ihres Todes blieb ungeklärt.

Für Men­del Harry Hirsch wurde ein Stol­per­stein in der Mit­tel­straße 25 (ehe­mals 27) ver­legt. Men­del Hirsch wurde 1942 ins Ghetto The­re­si­en­stadt depor­tiert und starb dort knapp zwei Jahre später.

Arthur Lewin wurde in die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dachau und Buchen­wald depo­niert. In Buchen­wald fand Lewin 1938 den Tod. An ihn wird ein Stein in der Gar­ten­straße 20 erinnern.

Der Fami­lie Fischer wird durch vier Stol­per­steine in der Muh­li­us­straße 77a gedacht. Die 42‐​jährige Malie, ihre drei­jäh­rige Toch­ter Shir­ley Lotte und die sie­ben Monate alte Recha wur­den nach ihrer Depor­ta­tion nach Ausch­witz ver­mut­lich direkt von der Rampe in die Gas­kam­mern geführt und ermor­det. Der Vater der Fami­lie Edu­ard kam im Ghetto Minsk zu Tode.

Eben­falls vier Stol­per­steine wur­den für Fami­lie Salo­mon am Klei­nen Kuh­berg gegen­über Nr. 28 ver­legt. Fami­li­en­va­ter Osias wurde ins KZ Sach­sen­hau­sen depor­tiert und starb dort 1940. Seine Frau Ryfka und der Sohn Ber­told wur­den ver­mut­lich in den Gas­kam­mern von Ausch­witz umge­bracht. Dem älte­ren Sohn Max gelang die Flucht mit einem Kin­der­trans­port in ein Kin­der­heim nach Eng­land. Er über­lebte den Holocaust.

Für die Fami­lie Weitz wur­den vier Stol­per­steine am Klei­ner Kuh­berg 26 ver­legt. Das Ehe­paar Malka Ama­lie und Rubin wurde 1943 in das Ver­nich­tungs­la­ger Bel­zec depor­tiert, wo sich seine Spur ver­liert. Die Söhne konn­ten recht­zei­tig nach Paläs­tina bezie­hungs­weise Shang­hai emigrieren.

Die Stol­per­stein­ver­le­gung wurde vor­be­rei­tet von der Kie­ler Pro­jekt­gruppe Stol­per­stein. Sie besteht aus Mit­glie­dern der Gesell­schaft für Christlich‐​Jüdische Zusam­men­ar­beit, dem Amt für Kul­tur und Wei­ter­bil­dung, dem Stadt­ar­chiv und his­to­risch gebil­de­ten ehren­amt­li­chen Kräften.

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