// Musik

Mittwoch, 16. Mai 2018

Sloan

12

Sloan – 12
Sloan – 12

Sloan sind sicher­lich das Para­de­bei­spiel für den ewi­gen Geheim­tipp. Gleich mit ihrem zwei­ten Album „Twice Remo­ved“ im Jahre 1994 haben sie ein Meis­ter­werk geschrie­ben, das nur in weni­gen „Best Of‐​Listen“ zu fin­den ist. Ins­ge­samt in vier rele­van­ten Lis­ten ist die­ses Album ver­tre­ten, und alle han­deln von den bes­ten kana­di­schen Plat­ten aller Zeiten.

Sloan sind also eine regio­nale Berühmt­heit, aber außer­halb des Ahorn‐​Landes bleibt das Quar­tett nur Insi­dern ein Begriff. Das hin­dert Sloan nicht daran, Plat­ten in schnel­len Inter­val­len zu ver­öf­fent­li­chen, und so haben sie seit Grün­dung 11 Lang­spie­ler her­aus­ge­bracht. Das aktu­elle Album hat ein­fach die Num­mer „12“ als Titel bekommen.

Klingt nüch­tern, aber was soll man für einen Auf­wand trei­ben, denn bei der Band läuft es. Seit 1991 hat sich die Beset­zung nicht geän­dert, da ist man ver­traut und muss nicht große Magie wal­ten las­sen, wenn es um einen schnö­den Pro­zess wie Namens­ge­bung geht. Wich­tig sind die Song, und die sind noch immer so ehr­lich wie zu ihren Anfangs­ta­gen, und auch die Spiel­freude lässt nicht erah­nen, dass man es mit einer Band zu tun hat, die län­ger zusam­men ist als die meis­ten Eheleute.

Bei jeder Ehe muss auch jeder mal seine Spleens alleine aus­üben, so durfte jeder beim letzte Werk „Com­mon­wealth“, eine Plat­ten­seite alleine gestal­ten, und so unter­schied­lich klang und erfri­schend klang es auch. Nun bei „12“ geht es wie­der um Team­bil­dung, und zusam­men funk­tio­nie­ren sie wie das bekannte Uhr­werk. So pur­zeln die tol­len Power‐​Pop Melo­dien nur so aus dem Ärmel, dass Wee­zer ver­mut­lich die Kinn­lade her­un­ter­fal­len müsste, zumin­dest in Anbe­tracht der letz­ten Werke von Rivers Cuomo und Co.

Noch immer schafft es die kana­di­sche Band, in jedes Album kleine Kniffe ein­zu­bauen, so dass jeder Song ein Uni­kat ist und trotz­dem jeder vom ande­ren abhän­gig, um ein gutes Album zu blei­ben. Manch­mal sind es offen­sicht­lich Hits, wie das mit Hand­clap­ping und mehr­stim­mi­gem Gesang bestückte „Right To Roan“. Aber auch der Opener „Spin Our Wheels“ begeis­tert einen und ist sicher­lich ein Indie‐​Sommer‐​Power Song, den man immer hören möchte, wenn die Sonne brü­tet und man selbst auf dem Weg zum Frei­bad ist.

Auch klas­si­schen College‐​Rock, wie man ihn von R.E.M.oder Big Star kennt, beherr­schen Sloan noch immer wie kaum eine andere Band. Auch schön ist, wie Sloan auch mal Gitar­ren­riffs zur Schau stel­len, ohne sich zu verschanzen.

Auf „12“ wer­den sie ihrem Geheimtipp‐​Status wei­ter gerecht, und das ist posi­tiv zu ver­ste­hen. Nur wenige Bands sind in der Lage, nach so lan­gen Beste­hen noch immer so frisch und den­noch bei ihren Leis­ten blei­bend zu klin­gen. Davon würde man sich mehr wün­schen in Zei­ten von belie­big zusam­men­ge­stell­ten Play­lis­ten in Streaming‐​Diensten.

Erschie­nen bei: Yep Roc /​Hárt
slo​an​mu​sic​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

facebook

 

Werbung