Mittwoch, 25. November 2009
HörsaalbesetzungAm Mittwoch vor einer Woche ging ein Flyer auf der Bildungsdemonstration um, auf dem zu einer Diskussionsrunde in der Alten Mensa eingeladen wurde. Circa 200 bis 300 Leute fanden sich dort ein und schnell wurde klar, dass die Themen und die Zusammensetzung des Plenums so umfangreich war, dass mehr Zeit gebraucht werden würde, als die Öffnungszeit der Universität zuließ. Also wurde beschlossen, die Räume in der Alten Mensa zu besetzen, da es auf dem Campus keine alternativen Räume unter studentischer Selbstverwaltung gibt.
Für alle Anwesenden sei klar gewesen, dass an allen Themen rund um die Besetzung und ihren Zielen nur basisdemokratisch gearbeitet werden könne. Es wurden diverse Arbeitskreise gebildet. Die Themen dieser Arbeitskreise sind zum einen inhaltlicher, zum Beispiel über Aktionen, Master‐Zugang oder Studium‐Finanzierung, zum anderen organisatorischer Art, also Presse, Mülltrennung oder Transport. Jeden Tag um 10 und 19 Uhr treffen sich alle Studenten zur Diskussion im Plenum. Durch die basisdemokratische Organisation hat jeder Teilnehmer die gleichen Rechte und jeder kann sich zu Wort melden und seine Ideen zur Diskussion beitragen. Diese Form der Diskussionskultur ist zwar sehr konstruktiv und ergiebig, aber auch langsam und schwierig.
Hier liegt einer der Gründe, warum bis heute kaum konkrete Informationen und Inhalte nach außen gedrungen sind. Weitere Gründe liegen in der zum Teil auch ideologisch geprägten Diskussion, was aber durchaus normal ist, wenn so viele Meinungen auftreten, wie Teilnehmer im Plenum sitzen. Der Vorteil ist aber, dass alle etwas bewegen möchten und daher auch einem Kompromiss gegenüber nicht verschlossen sind. Außerdem werden ideologisch geprägte Diskussionen oft durch eine Durchmischung mit weiteren Teilnehmern aufgelöst und zu einem Konsens gebracht. Den Besetzern ist die Überparteilichkeit so wichtig, dass keinerlei Partei– oder Hochschulgruppenzeichen am und im Gebäude erlaubt sind.
Der Hauptgrund für die wenigen Informationen und fehlenden Forderungen liegen aber im selbst auferlegten Anspruch der Hörsaal‐Besetzer, ihre Forderungen und Verbesserungsvorschläge gezielt an den richtigen Ansprechpartner in einer wissenschaftlich korrekten und fundierten Form zu richten. Dies bedeutet aber eine intensive Bearbeitung der Sache und ist gepaart mit einer ausführlichen Diskussion und benötigt so eine lange Zeit, bis Ergebnisse vorliegen. Auch wenn es sich um ein emotional aufgeladenes Thema handelt, blieben Tumulte wie heute in Duisburg bisher aus. Alle Demonstrationen waren und bleiben friedlich.
Motivation ziehen die Teilnehmer nicht nur durch die guten Diskussionen und die Unterstützung vieler anderer Gruppen, sondern auch durch das ablehnende Verhalten des Kultusministeriums. Das Ministerium hat den Studenten einen Termin im Dezember für Gespräche zur Sache angeboten. Dieser Termin liegt jedoch weit nach der Kultusministerkonferenz am 10. Dezember 2009. Das bedeutet, dass Beschlüsse gefasst werden könnten, ohne die Betroffenen vorher anzuhören. Dieses Verhalten wird von einem Teil der Besetzer als Absage an die Studenten empfunden, ihre Bedenken und Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Die Studenten in den Räumen der Alten Mensa wünschen sich noch mehr Unterstützung durch weitere Studenten der Kieler Hochschulen. Dieses Potential an Kreativität und fachlicher Kompetenz möchten sie noch mehr nutzen, um zu guten Ergebnissen zu kommen. Juri vom Arbeitskreis Presse ist überzeugt, dass sie schon auf einem sehr guten Weg seien, aber noch Luft nach oben sei. Den Teilnehmern der Besetzung sei aber klar, dass durch Pflichtveranstaltungen den Studenten eine intensive Beteiligung nahezu unmöglich gemacht werde. Außerdem hätten sich bereits viele Dozenten für Vorträge und Unterstützung angeboten, jedoch sei bisher kaum ein Professor zu den Studenten gekommen. Das Präsidium hat bisher von einer Räumung abgesehen, wahrscheinlich überzeugt durch die sehr gute Organisation und dem vorbildlichen Verhalten in den besetzten Räumlichkeiten.
Gefragt nach einem Zeitplan sagt Juri ganz entschlossen, dass er so lange bleibe, bis es fertig sei. Dabei sei ein Ergebnis sehr wünschenswert und er hoffe, dass ihre gemeinsamen Bemühungen auch Früchte tragen und sich die Situation an der Universität verbessern würde.
Von außen betrachtet gibt es allerdings ein paar Kritikpunkte. Da wäre aus unserer Sicht als Berichterstatter die geringe Menge an Informationen. Es wird kaum über Fortschritte und Inhalte geredet. Außerdem wurde im Plenum beschlossen, nur vorher genehmigte Fotos zu veröffentlichen. Leider ist so eine objektive und umfassende Berichterstattung schwierig. Dieses soll sich aber im Laufe der nächsten Tage deutlich verbessern.
Außerdem gibt es weder eine offizielle Stellungsnahme durch die Universität, zum Beispiel in Form einer Pressemitteilung, noch durch das Ministerium. So kann natürlich nur die Haltung der Studenten dargestellt werden, wenn auch das Verhalten der Universität als sehr fair betrachtet werden kann, da bisher von einer Räumung abgesehen wird. Dies sind zumindest Zeichen für einen möglichen Dialog mit den verantwortlichen Personen.
Aktuelle Informationen gibt es auf dem Blog der Besetzer, auf klassischen Flyern in der Mensa und via Twitter. Die Hörsaal‐Besetzer versprechen sich aber mehr Erfolg, wenn möglichst viele sich dem Protest und dem Plenum anschließen. Und natürlich bleiben wir auch am Ball.