// Politik

Mittwoch, 25. November 2009

Hörsaalbesetzung

Ziel: Konstruktiver Dialog

Die besetzte Alte Mensa - Foto: kik
Die besetzte Alte Mensa - Foto: kik

Wenn Juri und Niclas vom Arbeits­kreis Presse über die Beset­zung der Hör­säle der Alten Mensa spre­chen, dann wird schnell klar, dass es sich nicht um einen Stu­den­ten­jux han­delt, son­dern um eine sehr ernste Ange­le­gen­heit. Es geht um die Zukunft der aka­de­mi­schen Aus­bil­dung in Kiel. Seit einer Woche, wir berich­te­ten, sind die Räume an der Ols­hau­sen­straße von Stu­den­ten der CAU besetzt. Außer­dem haben sich ges­tern die Stu­den­ten der Muthe­sius Kunst­hoch­schule soli­da­risch erklärt und dies mit einem krea­tiv gestal­te­ten Marsch quer durch die Stadt bekräf­tigt. Doch warum hört man so wenig aus den besetz­ten Räu­men? Hier gibt es die Hintergründe.

Basis­de­mo­kra­tie – Lang­sam, aber fair

Am Mitt­woch vor einer Woche ging ein Flyer auf der Bil­dungs­de­mons­tra­tion um, auf dem zu einer Dis­kus­si­ons­runde in der Alten Mensa ein­ge­la­den wurde. Circa 200 bis 300 Leute fan­den sich dort ein und schnell wurde klar, dass die The­men und die Zusam­men­set­zung des Ple­nums so umfang­reich war, dass mehr Zeit gebraucht wer­den würde, als die Öff­nungs­zeit der Uni­ver­si­tät zuließ. Also wurde beschlos­sen, die Räume in der Alten Mensa zu beset­zen, da es auf dem Cam­pus keine alter­na­ti­ven Räume unter stu­den­ti­scher Selbst­ver­wal­tung gibt.

Arbeits­kreis – Foto: Juri Klusak

Für alle Anwe­sen­den sei klar gewe­sen, dass an allen The­men rund um die Beset­zung und ihren Zie­len nur basis­de­mo­kra­tisch gear­bei­tet wer­den könne. Es wur­den diverse Arbeits­kreise gebil­det. Die The­men die­ser Arbeits­kreise sind zum einen inhalt­li­cher, zum Bei­spiel über Aktio­nen, Master‐​Zugang oder Studium‐​Finanzierung, zum ande­ren orga­ni­sa­to­ri­scher Art, also Presse, Müll­tren­nung oder Trans­port. Jeden Tag um 10 und 19 Uhr tref­fen sich alle Stu­den­ten zur Dis­kus­sion im Ple­num. Durch die basis­de­mo­kra­ti­sche Orga­ni­sa­tion hat jeder Teil­neh­mer die glei­chen Rechte und jeder kann sich zu Wort mel­den und seine Ideen zur Dis­kus­sion bei­tra­gen. Diese Form der Dis­kus­si­ons­kul­tur ist zwar sehr kon­struk­tiv und ergie­big, aber auch lang­sam und schwierig.

Hier liegt einer der Gründe, warum bis heute kaum kon­krete Infor­ma­tio­nen und Inhalte nach außen gedrun­gen sind. Wei­tere Gründe lie­gen in der zum Teil auch ideo­lo­gisch gepräg­ten Dis­kus­sion, was aber durch­aus nor­mal ist, wenn so viele Mei­nun­gen auf­tre­ten, wie Teil­neh­mer im Ple­num sit­zen. Der Vor­teil ist aber, dass alle etwas bewe­gen möch­ten und daher auch einem Kom­pro­miss gegen­über nicht ver­schlos­sen sind. Außer­dem wer­den ideo­lo­gisch geprägte Dis­kus­sio­nen oft durch eine Durch­mi­schung mit wei­te­ren Teil­neh­mern auf­ge­löst und zu einem Kon­sens gebracht. Den Beset­zern ist die Über­par­tei­lich­keit so wich­tig, dass kei­ner­lei Par­tei– oder Hoch­schul­grup­pen­zei­chen am und im Gebäude erlaubt sind.

Der Haupt­grund für die weni­gen Infor­ma­tio­nen und feh­len­den For­de­run­gen lie­gen aber im selbst auf­er­leg­ten Anspruch der Hörsaal‐​Besetzer, ihre For­de­run­gen und Ver­bes­se­rungs­vor­schläge gezielt an den rich­ti­gen Ansprech­part­ner in einer wis­sen­schaft­lich kor­rek­ten und fun­dier­ten Form zu rich­ten. Dies bedeu­tet aber eine inten­sive Bear­bei­tung der Sache und ist gepaart mit einer aus­führ­li­chen Dis­kus­sion und benö­tigt so eine lange Zeit, bis Ergeb­nisse vor­lie­gen. Auch wenn es sich um ein emo­tio­nal auf­ge­la­de­nes Thema han­delt, blie­ben Tumulte wie heute in Duis­burg bis­her aus. Alle Demons­tra­tio­nen waren und blei­ben friedlich.

Moti­va­tion und Wünsche

Moti­va­tion zie­hen die Teil­neh­mer nicht nur durch die guten Dis­kus­sio­nen und die Unter­stüt­zung vie­ler ande­rer Grup­pen, son­dern auch durch das ableh­nende Ver­hal­ten des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums. Das Minis­te­rium hat den Stu­den­ten einen Ter­min im Dezem­ber für Gesprä­che zur Sache ange­bo­ten. Die­ser Ter­min liegt jedoch weit nach der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz am 10. Dezem­ber 2009. Das bedeu­tet, dass Beschlüsse gefasst wer­den könn­ten, ohne die Betrof­fe­nen vor­her anzu­hö­ren. Die­ses Ver­hal­ten wird von einem Teil der Beset­zer als Absage an die Stu­den­ten emp­fun­den, ihre Beden­ken und Bedürf­nisse ernst zu nehmen.

Gute Ver­sor­gung der Beset­zer – Foto: Juri Klusak

Die Stu­den­ten in den Räu­men der Alten Mensa wün­schen sich noch mehr Unter­stüt­zung durch wei­tere Stu­den­ten der Kie­ler Hoch­schu­len. Die­ses Poten­tial an Krea­ti­vi­tät und fach­li­cher Kom­pe­tenz möch­ten sie noch mehr nut­zen, um zu guten Ergeb­nis­sen zu kom­men. Juri vom Arbeits­kreis Presse ist über­zeugt, dass sie schon auf einem sehr guten Weg seien, aber noch Luft nach oben sei. Den Teil­neh­mern der Beset­zung sei aber klar, dass durch Pflicht­ver­an­stal­tun­gen den Stu­den­ten eine inten­sive Betei­li­gung nahezu unmög­lich gemacht werde. Außer­dem hät­ten sich bereits viele Dozen­ten für Vor­träge und Unter­stüt­zung ange­bo­ten, jedoch sei bis­her kaum ein Pro­fes­sor zu den Stu­den­ten gekom­men. Das Prä­si­dium hat bis­her von einer Räu­mung abge­se­hen, wahr­schein­lich über­zeugt durch die sehr gute Orga­ni­sa­tion und dem vor­bild­li­chen Ver­hal­ten in den besetz­ten Räumlichkeiten.

Gefragt nach einem Zeit­plan sagt Juri ganz ent­schlos­sen, dass er so lange bleibe, bis es fer­tig sei. Dabei sei ein Ergeb­nis sehr wün­schens­wert und er hoffe, dass ihre gemein­sa­men Bemü­hun­gen auch Früchte tra­gen und sich die Situa­tion an der Uni­ver­si­tät ver­bes­sern würde.

Berich­ten ist schwierig

Von außen betrach­tet gibt es aller­dings ein paar Kri­tik­punkte. Da wäre aus unse­rer Sicht als Bericht­er­stat­ter die geringe Menge an Infor­ma­tio­nen. Es wird kaum über Fort­schritte und Inhalte gere­det. Außer­dem wurde im Ple­num beschlos­sen, nur vor­her geneh­migte Fotos zu ver­öf­fent­li­chen. Lei­der ist so eine objek­tive und umfas­sende Bericht­er­stat­tung schwie­rig. Die­ses soll sich aber im Laufe der nächs­ten Tage deut­lich verbessern.

Außer­dem gibt es weder eine offi­zi­elle Stel­lungs­nahme durch die Uni­ver­si­tät, zum Bei­spiel in Form einer Pres­se­mit­tei­lung, noch durch das Minis­te­rium. So kann natür­lich nur die Hal­tung der Stu­den­ten dar­ge­stellt wer­den, wenn auch das Ver­hal­ten der Uni­ver­si­tät als sehr fair betrach­tet wer­den kann, da bis­her von einer Räu­mung abge­se­hen wird. Dies sind zumin­dest Zei­chen für einen mög­li­chen Dia­log mit den ver­ant­wort­li­chen Personen.

Aktu­elle Infor­ma­tio­nen gibt es auf dem Blog der Beset­zer, auf klas­si­schen Fly­ern in der Mensa und via Twit­ter. Die Hörsaal‐​Besetzer ver­spre­chen sich aber mehr Erfolg, wenn mög­lichst viele sich dem Pro­test und dem Ple­num anschlie­ßen. Und natür­lich blei­ben wir auch am Ball.

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Christoph Krenz Christoph Krenz

Foto­graf – Reporter

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