// Kultur

Montag, 11. Januar 2010

Neue Reihe: Kieler Kinos

Willkommen zurück, Studio Kino!

Das große Kino 1. (Bild: AR)
Das große Kino 1. (Bild: AR)

60 Namens­vor­schläge waren es im Brain­stor­ming, vier bis fünf Namen stan­den in der enge­ren Aus­wahl. Nach Befra­gung im Freun­des­kreis sollte der seit 1963 beste­hende Begriff „Stu­dio“ beste­hen blei­ben und so war der Name gebo­ren: „Stu­dio – Film­thea­ter am Drei­eck­platz“. „Film­thea­ter“ klingt nach Nost­al­gie – Nost­al­gie des Stu­dios, Nost­al­gie der Säle, eben kein Groß­kino. Am 23.12.09 eröff­ne­ten Den­nis Jahnke und Mat­thias Ehr ihr Film­thea­ter mit Glüh­wein, einer Sneak‐​Preview und 200 Gäs­ten. Pünkt­lich zum Jubi­läum, denn am sel­ben Tag wurde im Jahr 1914 an der sel­ben Stelle das Capi­tol Kino eröffnet.

Beide bekom­men glän­zende Augen, wenn sie vom alten Capi­tol Kino erzäh­len: „Mehr als tau­send Gäste konn­ten damals in einem gro­ßen Kino­saal Platz neh­men, sogar eine erste Etage hat es gege­ben, von der man in Bal­ko­nen sit­zend auf die Lein­wand sehen konnte.“ Der Haupt­ein­gang sei dort gewe­sen, wo spä­ter der Super­markt im Erd­ge­schoss seine Tür ein­ge­rich­tet hatte. Seit die­ser Zeit hat das Licht­spiel­thea­ter am Drei­ecks­platz eini­ges erlebt, bis hin zur Schlie­ßung im Zuge des Kino­t­rends „Mul­ti­plex“. Als der Betrieb 2001 unter dem Namen „Neues Stu­dio“ wie­der eröff­net wurde, tra­fen sich die zwei Jungs, die sich jetzt einen gemein­sa­men Traum erfüllt haben, als Mit­ar­bei­ter und wur­den Freunde.

Der Traum vom eige­nen Kino

Aber wieso sind sie nun Kino­be­trei­ber? „Ach, das ist eigent­lich in einer Bier­laune ent­stan­den“, erzählt Den­nis Jahnke. „Wir saßen 2008 zusam­men und spon­nen ein wenig herum wie es wäre ein eige­nes Kino zu besit­zen“. Es war damit auch nicht eilig, Den­nis stand in Lohn und Brot, Mat­thias war inzwi­schen berufs­be­dingt in Nor­we­gen gelan­det und dort ver­trag­lich gebun­den. „Wir wuss­ten durch zahl­rei­che Gesprä­che mit ande­ren Kino­be­trei­bern, dass sich ein Kino mit nur einem Saal finan­zi­ell nicht rech­nen würde, dann ging plötz­lich das Neue Stu­dio insol­vent und es hatte genau die rich­tige Größe und Lage“. Inten­sive Gesprä­che wur­den geführt und abge­macht, dass Den­nis Jahnke die Ange­le­gen­hei­ten in Kiel zunächst allein stem­men würde. Dazu gehörte die Pla­nung der Reno­vie­rung und der Kon­takt zu den Lie­fe­ran­ten. „Die haben uns nach der Insol­venz des Vor­gän­gers natür­lich nicht gerade mit offe­nen Armen emp­fan­gen“ berich­tet Den­nis von den ers­ten Gesprä­chen. „Aber nach­dem wir deut­lich machen konn­ten, dass wir mit dem vor­he­ri­gen Betrieb nichts zu tun haben, wur­den das Klima bes­ser“. Denn schließ­lich sind die Film­ver­lei­her eben­falls daran inter­es­siert, in Kiel einen wei­te­ren Abneh­mer für ihre Film­rol­len zu haben, gerade wegen des digi­ta­len Pro­jek­tors, die der Vor­be­sit­zer noch ange­schafft hatte.

Wochen­lange Reno­vie­run­gen mit zahl­rei­chen Helfern

Mat­thias Ehr und Den­nis Jahnke. (Bild: AR)
Über­haupt war die Reno­vie­rung und Aus­stat­tung des Betrie­bes der Dreh– und Angel­punkt der letzte Wochen. „Der Ver­mie­ter hat die Insol­venz­pause genutzt, um alle elek­tri­schen Lei­tun­gen neu zu ver­le­gen“ lobt Mat­thias das Enga­ge­ment des Haus­be­sit­zers. Aber auch sonst waren neben Mat­thias und Den­nis zahl­rei­che flei­ßige Hein­zel­männ­chen im Ein­satz, größ­ten­teils Mit­ar­bei­ter des vor­he­ri­gen Kino­be­trie­bes. „Es bestand ein gro­ßer Zusam­men­halt im alten Team, wir haben damals sehr eigen­ver­ant­wort­lich gear­bei­tet und es sind dabei sehr enge Freund­schaf­ten ent­stan­den“, so Den­nis Jahnke. Und so wurde in Kino 2 der Ton neu gemacht, sowie das Foyer und das Café kom­plett neu gestal­tet. Das Café soll als Treff­punkt für das Getränk vor und nach dem Film sowie für Gesprä­che über das im Film Gese­hene dienen .

Zusätz­lich möch­ten die bei­den Betrei­ber auf dem uni­ver­sell ein­setz­ba­ren Boden des Cafés auch andere Ver­an­stal­tun­gen anbie­ten. „Ob Thea­ter, Lesung oder kleine Kon­zerte – es gibt eigent­lich nichts, was wir uns nicht vor­stel­len kön­nen“. Ebenso ist es mög­lich, die Kino­säle von klei­nen Fir­men oder für pri­vate Vor­füh­run­gen gebucht wer­den. Es gäbe kaum einen Film, der nicht noch auf 35 mm bestellt wer­den könne.

Bei der Aus­rich­tung des Kino­pro­gramms möch­ten sich die bei­den Betrei­ber nicht fest­le­gen. „Wir ver­han­deln natür­lich auch über die gro­ßen Starts“, plau­dert Den­nis Jahnke aus dem Näh­käst­chen. „Außer­dem möch­ten wir Filme zei­gen, die ent­we­der den Weg sonst nicht nach Kiel fin­den, oder in ande­ren Kinos nach 1 – 2 Wochen bereits aus dem Pro­gramm genom­men wer­den“. Gerade kleine Filme bräuch­ten oft etwas län­ger, um die Publi­kums­gunst zu erobern. „Dann aber sind es wahre Dau­er­bren­ner“ erin­nert sich Mat­thias Ehr an Filme wie „Das Leben der Ande­ren“ oder „Calen­dar Girls“.

Ein Mix aus Alt­be­währ­tem und neuen Ideen

Das Café (Bild: AR)
Über­haupt wer­den Pro­gramm­punkte, die schon zuvor eine hohe Akzep­tanz beim Kie­ler Publi­kum hat­ten, wei­ter­hin im Pro­gramm blei­ben. So wird wei­ter­hin die wöchent­li­che „Sneak‐​Preview“ am Mitt­woch abend um 22:15 Uhr statt­fin­den, bei der ein Film vor sei­nem Bun­des­start gezeigt wird, des­sen Titel aber bis zum Beginn des Films geheim bleibt. Eine wei­tere alt­be­kannte Tra­di­tion wurde bereits am Sil­ves­ter­abend 2009 wie­der auf­ge­nom­men, und so wurde im gro­ßen Kino­saal nach län­ge­rer Pause die „Rocky Hor­ror Pic­ture Show“ gezeigt. Über hun­dert zah­lende Gäste waren anwe­send, teil­weise in auf­rei­zen­der Ver­klei­dung. „Ich habe schon lange nicht mehr soviele rasierte Män­ner­beine gese­hen“ schmun­zelt Mat­thias Ehr in der Erin­ne­rung an die Party nach dem Film.

Im neuen Jahr ist die Bekannt­ma­chung des neu­auf­ge­nom­me­nen Kino­be­triebs obers­tes Ziel. „Dafür haben wir eine neue Inter­net­seite ein­ge­rich­tet, auf der man das aktu­elle Kino­pro­gramm sehen und sich für den News­let­ter regis­trie­ren las­sen kann. Zusätz­lich gibt es einen Twit­ter­ac­count und eine Facebook‐​Fanseite“ zählt Den­nis Jahnke die genutz­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten auf.

Aber eins ist bei­den Betrei­bern am aller­wich­tigs­ten: „Es wird nie wie­der so sein, dass das Café nach dem Kino­be­such nicht mehr zugäng­lich sein wird, abge­hängt mit einer Fahne. Und wenn ich mich selbst hin­ter den Tre­sen stelle!“ ver­spricht Mat­thias Ehr. So steht dem „Kino als Gesamt­er­leb­nis“ inklu­sive Glas Wein oder Bier vom Faß zum Gespräch danach nichts mehr im Wege.

Das Studio‐​Filmtheater im Internet

Fotos

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Über den Autor

Daniela Sonders Daniela Sonders

Suchte 2008 nach kiel4kiel und fand den För­de­flüs­te­rer. Wollte eigent­lich nur hier und da mal ne Kino­kri­tik schrei­ben und ver­sucht jetzt, die­sen herr­lich wuse­li­gen Laden in Schach zu hal­ten. Das hat sie nun davon. Inter­es­sen: Poli­tik, Medien, Bür­ger­rechte, Filme, Kochen und alles rund um Kiel.

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