Montag, 11. Januar 2010
Neue Reihe: Kieler KinosBeide bekommen glänzende Augen, wenn sie vom alten Capitol Kino erzählen: „Mehr als tausend Gäste konnten damals in einem großen Kinosaal Platz nehmen, sogar eine erste Etage hat es gegeben, von der man in Balkonen sitzend auf die Leinwand sehen konnte.“ Der Haupteingang sei dort gewesen, wo später der Supermarkt im Erdgeschoss seine Tür eingerichtet hatte. Seit dieser Zeit hat das Lichtspieltheater am Dreiecksplatz einiges erlebt, bis hin zur Schließung im Zuge des Kinotrends „Multiplex“. Als der Betrieb 2001 unter dem Namen „Neues Studio“ wieder eröffnet wurde, trafen sich die zwei Jungs, die sich jetzt einen gemeinsamen Traum erfüllt haben, als Mitarbeiter und wurden Freunde.
Aber wieso sind sie nun Kinobetreiber? „Ach, das ist eigentlich in einer Bierlaune entstanden“, erzählt Dennis Jahnke. „Wir saßen 2008 zusammen und sponnen ein wenig herum wie es wäre ein eigenes Kino zu besitzen“. Es war damit auch nicht eilig, Dennis stand in Lohn und Brot, Matthias war inzwischen berufsbedingt in Norwegen gelandet und dort vertraglich gebunden. „Wir wussten durch zahlreiche Gespräche mit anderen Kinobetreibern, dass sich ein Kino mit nur einem Saal finanziell nicht rechnen würde, dann ging plötzlich das Neue Studio insolvent und es hatte genau die richtige Größe und Lage“. Intensive Gespräche wurden geführt und abgemacht, dass Dennis Jahnke die Angelegenheiten in Kiel zunächst allein stemmen würde. Dazu gehörte die Planung der Renovierung und der Kontakt zu den Lieferanten. „Die haben uns nach der Insolvenz des Vorgängers natürlich nicht gerade mit offenen Armen empfangen“ berichtet Dennis von den ersten Gesprächen. „Aber nachdem wir deutlich machen konnten, dass wir mit dem vorherigen Betrieb nichts zu tun haben, wurden das Klima besser“. Denn schließlich sind die Filmverleiher ebenfalls daran interessiert, in Kiel einen weiteren Abnehmer für ihre Filmrollen zu haben, gerade wegen des digitalen Projektors, die der Vorbesitzer noch angeschafft hatte.
Überhaupt war die Renovierung und Ausstattung des Betriebes der Dreh– und Angelpunkt der letzte Wochen. „Der Vermieter hat die Insolvenzpause genutzt, um alle elektrischen Leitungen neu zu verlegen“ lobt Matthias das Engagement des Hausbesitzers. Aber auch sonst waren neben Matthias und Dennis zahlreiche fleißige Heinzelmännchen im Einsatz, größtenteils Mitarbeiter des vorherigen Kinobetriebes. „Es bestand ein großer Zusammenhalt im alten Team, wir haben damals sehr eigenverantwortlich gearbeitet und es sind dabei sehr enge Freundschaften entstanden“, so Dennis Jahnke. Und so wurde in Kino 2 der Ton neu gemacht, sowie das Foyer und das Café komplett neu gestaltet. Das Café soll als Treffpunkt für das Getränk vor und nach dem Film sowie für Gespräche über das im Film Gesehene dienen .
Zusätzlich möchten die beiden Betreiber auf dem universell einsetzbaren Boden des Cafés auch andere Veranstaltungen anbieten. „Ob Theater, Lesung oder kleine Konzerte – es gibt eigentlich nichts, was wir uns nicht vorstellen können“. Ebenso ist es möglich, die Kinosäle von kleinen Firmen oder für private Vorführungen gebucht werden. Es gäbe kaum einen Film, der nicht noch auf 35 mm bestellt werden könne.
Bei der Ausrichtung des Kinoprogramms möchten sich die beiden Betreiber nicht festlegen. „Wir verhandeln natürlich auch über die großen Starts“, plaudert Dennis Jahnke aus dem Nähkästchen. „Außerdem möchten wir Filme zeigen, die entweder den Weg sonst nicht nach Kiel finden, oder in anderen Kinos nach 1 – 2 Wochen bereits aus dem Programm genommen werden“. Gerade kleine Filme bräuchten oft etwas länger, um die Publikumsgunst zu erobern. „Dann aber sind es wahre Dauerbrenner“ erinnert sich Matthias Ehr an Filme wie „Das Leben der Anderen“ oder „Calendar Girls“.
Überhaupt werden Programmpunkte, die schon zuvor eine hohe Akzeptanz beim Kieler Publikum hatten, weiterhin im Programm bleiben. So wird weiterhin die wöchentliche „Sneak‐Preview“ am Mittwoch abend um 22:15 Uhr stattfinden, bei der ein Film vor seinem Bundesstart gezeigt wird, dessen Titel aber bis zum Beginn des Films geheim bleibt. Eine weitere altbekannte Tradition wurde bereits am Silvesterabend 2009 wieder aufgenommen, und so wurde im großen Kinosaal nach längerer Pause die „Rocky Horror Picture Show“ gezeigt. Über hundert zahlende Gäste waren anwesend, teilweise in aufreizender Verkleidung. „Ich habe schon lange nicht mehr soviele rasierte Männerbeine gesehen“ schmunzelt Matthias Ehr in der Erinnerung an die Party nach dem Film.
Im neuen Jahr ist die Bekanntmachung des neuaufgenommenen Kinobetriebs oberstes Ziel. „Dafür haben wir eine neue Internetseite eingerichtet, auf der man das aktuelle Kinoprogramm sehen und sich für den Newsletter registrieren lassen kann. Zusätzlich gibt es einen Twitteraccount und eine Facebook‐Fanseite“ zählt Dennis Jahnke die genutzten Kommunikationsmöglichkeiten auf.
Aber eins ist beiden Betreibern am allerwichtigsten: „Es wird nie wieder so sein, dass das Café nach dem Kinobesuch nicht mehr zugänglich sein wird, abgehängt mit einer Fahne. Und wenn ich mich selbst hinter den Tresen stelle!“ verspricht Matthias Ehr. So steht dem „Kino als Gesamterlebnis“ inklusive Glas Wein oder Bier vom Faß zum Gespräch danach nichts mehr im Wege.
Schön, dass man nach dem Film noch ins Cafe kann und dann das Bier nicht runterkippen muss. Das war früher echt nervig.
Dienstag, 12. Januar 2010, 08:53