Sonntag, 22. August 2010
Fußball
Es war den Kielern anzumerken, dass sie auf ihr erstes Heimspiel brannten, und die rund 2.800 Zuschauer bekamen eine agile und ansehnlich nach vorne spielende Mannschaft zu sehen, die mit schnellen Stafetten über die Außen in die Spitzen spielte und bereits nach neun Minuten zu ihrer ersten sehr guten Möglichkeit kam: Florian Meyer behauptete den Ball auf der linken Seite und passte präzise auf Marc Heider. Dessen Direktabnahme verfehlte das Tor denkbar knapp.
Mit Meyer über links und Neuzugang Jakob Sachs auf der rechten Seite nahmen die Gastgeber den SV Wilhelmshaven mächtig in die Zange; immer wieder ergaben sich Torraumszenen. Das 1:0 ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Nach einer Ecke von Meyer konnte sich der SVW nicht befreien und verlor das Leder. Wieder war es Meyer, der den Ball hoch in den Gästestrafraum flankte, Heider verlängerte per Kopf und Fiete Sykora vollendete in der 17. Minute. Eine weitere Riesenchance vergab Kiel nach 29 Spielminuten. Heider wurde von Meyer per Hackentrick bedient, vergab allerdings aus aussichtsreicher Position.
Nach einer halben Stunde gönnten sich die Störche eine Auszeit und mussten zusehen, wie die Gäste ihr Glück versuchten. Zunächst waren es Freistöße und Eckbälle gewesen, die keine Gefahr für das Tor von Michael Frech dargestellt hatten. In der 30. Minute ließ man Andreas Gäbler viel Raum zur Entfaltung. Gäbler marschierte 20 Meter ohne Gegenwehr und hatte sogar noch Zeit, den Pass auf Waldemar Jurez zu spielen – Keeper Frech verhinderte Schlimmeres. Kiel war nun gewarnt und zeigte wieder mehr Präsenz. Allein es fehlte die Genauigkeit im Passspiel.
Die Niedersachsen kamen zwar bissiger aus der Kabine, mussten aber trotzdem in der 49. Minute den zweiten Gegentreffer hinnehmen: Heider spielte den Ball hoch vor das gegnerische Tor, und der mitaufgerückte Kevin Schulz nickte zum 2:0 ein. Nur vier Minuten später hätte das 3:0 fallen müssen, als Fiete Sykora den Ball aus kurzer Distanz über das Tor hob.
Wie aus dem Nichts fiel hingegen der Anschlusstreffer für die Gäste. Patrick Bärje zog nach 56 Minuten von der linken Außenbahn in die Mitte, hielt aus 20 Metern Entfernung drauf und ließ Frech, der ebenso überrascht war wie seine Vorderleute, keine Chance. Da die Kieler während dieser Spielphase zu behäbig agierten, fiel in der 68. Minute sogar noch der Ausgleich. Einen gegnerischen Gewaltschuss konnte Frech nur abprallen lassen. Max Wegner setzte nach und markierte das 2:2.
Das Spiel war wieder offen und wurde intensiv geführt. Aber trotz mehrerer Freistöße war es eine faire Partie ohne gelbe Karten. Für Gesprächsstoff sorgte ein vermeintliches Foul an Sofien Chahed, der in der 83. Minute im Wilhelmshavener Strafraum zu Fall kam. Schiedsrichter Ittrich, der zuvor schon die Kieler Bank zu beruhigen hatte, musste nun auf Seiten des SVW Überzeugungsarbeit leisten, bevor Marc Heider antreten konnte. Er entschied sich für die linke Ecke und besorgte das 3:2 aus Kieler Sicht. Drei Minuten vor Schluss hätte Holstein erneut nachlegen müssen, vergab aber auch diesen Hochkaräter. Sachs schlug die Flanke von rechts, Ferhat Yazgan kam nicht an den Ball, und Christian Jürgensen, bei dem das Leder landete, benötigte zuviel Zeit für den Abschluss.
Während sich SVW‐Trainer Wolfgang Steinbach enttäuscht über das insbesondere in der ersten Hälfte zaghafte Auftreten seiner Mannschaft zeigte, war Kiels Coach Thorsten Gutzeit zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft, wies allerdings auch auf die noch vorhandenen Baustellen hin: „Aufgrund der klareren Torchancen war der Erfolg gerecht, aber wir haben heute einfach zu viele Chancen ausgelassen. Wilhelmshaven hat nie aufgegeben. Bei uns brachen zwischenzeitlich etwas die Dämme.“ Dass der Sieg ein wenig den Umständen, die zum Elfmeter führten, geschuldet war, sah auch Gutzeit so: „Über den Elfmeter brauchen wir nicht zu reden, das war eine glückliche Geschichte. Die Punkte nehmen wir aber gerne mit.“
Die Chancenverwertung ist zwar noch ausbaufähig, aber diese junge Kieler Mannschaft zeigte gegen Wilhelmshaven schon viele Ansätze, die Appetit auf mehr machen: Schnelles Passspiel über mehrere Stationen, das Spiel über die Flügel, viele Flanken vor das gegnerische Tor – das ist schon alles sehr schön anzusehen. Am kommenden Freitag, den 27. August hat die Mannschaft die nächste Gelegenheit, Bonuspunkte bei den Fans zu sammeln, wenn es zum FC Oberneuland geht. Anpfiff ist um 19 Uhr.
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Da geht was diese Saison!
Montag, 23. August 2010, 23:42