// Kino

Donnerstag, 05. März 2009

Just another "Comicverfilmung"?

"Watchmen" retten die Welt

Das offizielle Kinoplakat (Bild: Warner)
Das offizielle Kinoplakat (Bild: Warner)

Die „Watch­men“ sind eine Gruppe kos­tü­mier­ter Hel­den, denen die Ver­bre­chens­be­kämp­fung per Gesetz ver­bo­ten ist – so steht es in der Comi­cvor­lage von Alan Moore. Als jedoch einer von ihnen umge­bracht wird, tun sich einige von ihnen wie­der zusam­men, um her­aus­zu­fin­den, wer es auf sie abge­se­hen hat. Dabei geht es um nicht weni­ger als die Zer­stö­rung der gesam­ten Welt. Und neben­bei um die Wie­der­her­stel­lung des guten Rufs der Comicverfilmungen.

Wie das Leben eines „Super­hel­den“ ist, wenn er nicht gerade Ver­bre­cher jagt, hat uns Dis­ney bereits in sei­nem Zei­chen­trick­film „The Incredi­bles“ gezeigt, wenn auch auf sehr humor­volle, kind­ge­rechte Weise. Ganz anders sieht es aus in Alan Moo­res „Watch­men“, einem bis heute auch in der Lite­ra­tur­szene gefei­er­ten „Gra­phic Novel“ (mit die­sem Begriff ver­su­chen sich die erwach­se­nen Comics von den MickyMaus‐​Comics abzu­gren­zen). Und wie auch bei all den ver­film­ten Comic‐​Vorgängern der letz­ten Jahre (Fan­tas­tic Four, Bat­man, Con­stan­tine, Ghost Rider, Sin City, The Spi­rit) gab es eine unüber­schau­bar große Gruppe von Fans der Vor­lage, die das Beste hoff­ten und nach so schlim­men Ent­glei­sun­gen wie z.B. den „Fan­tas­tic Four“ das Schlimmste befürch­ten mussten.

Befrei­ungs­ak­tion im Gefäng­nis (Bild: Warner)

Aber man kann sagen: Selbst wer mit hohen Erwar­tun­gen in den Kino­saal ging, wurde von Zack Sny­ders Ver­fil­mung immer noch in den Ses­sel gepresst, denn auf 160 min. Über­länge blie­ben für den Ken­ner der Vor­lage kaum Wün­sche offen. Hier wurde das Comic bei­nahe Bild für Bild umge­setzt, die Spe­cial Effects las­sen nichts zu wün­schen übrig, die Mar­tial Arts‐​Kampfszenen machen dem Action­fan einen Hei­den­spaß und die Kamera bleibt immer drauf auf dem Gesche­hen , sei es beim blu­ti­gen Spal­ten eines Kop­fes oder bei den anre­gen­den Sex­sze­nen zwi­schen zwei der mas­kier­ten Helden.

Starke Treue an die Vorlage

In den Schat­ten gestellt wer­den alle tech­ni­schen Spie­le­reien jedoch von der dia­loglas­ti­gen Inhalt­streue – phi­lo­so­phi­sche Ansätze fin­den sich reich­lich, Figu­ren wer­den reich aus­ge­schmückt und wer bei „Watch­men“ ein hirn­lo­ses Actionspek­ta­kel erwar­tet hat, muss sich wohl irgend­wann der Story geschla­gen geben, so wie der Zuschauer eine Reihe vor mir, der im letz­ten Drit­tel des Fil­mes in einen schnar­chen­den Schlaf fiel… Sein Pro­blem, denn er ver­passte ein gro­ßes Ereig­nis inner­halb der Welt der Comi­cver­fil­mun­gen. Warum sollte sich Hol­ly­wood auch eine Geschichte aus­den­ken, wenn bereits gute Vor­la­gen in Form von Büchern und auch Comics vor­han­den sind? Und im Fall von Watch­men war es eine sehr gute Vorlage.

Die Anfänge der mas­kier­ten Vigi­lan­ten

Mas­kier­ter Vigi­lant in der Nacht (Bild: Warner)

Man stelle sich ein­mal vor – da Ver­bre­cher damit begin­nen, sich bei ihren Taten bis zu Unkennt­lich­keit zu ver­mum­men und sich so der Ver­fol­gung der Straf­ta­ten ent­zie­hen kön­nen, ent­schei­den sich auch einige Poli­zis­ten, eine Ver­klei­dung anzu­le­gen, um sich bei der Über­füh­rung der Täter über die Regeln und Gesetze hin­weg­set­zen zu kön­nen. Schon befin­den wir uns in der Welt von Alan Moo­res Gra­phic Novel „Watch­men“, einer alter­na­ti­ven Rea­li­tät, die unse­rer sehr ähn­lich ist – nach dem Prin­zip „was‐​wäre‐​wenn“ aus die­sen Vigi­lan­ten „Super­hel­den“ werden?

Die mas­kier­ten Rächer erhal­ten Zustim­mung in der Bevöl­ke­rung und mediale Reso­nanz, und dies ruft auf bei­den Sei­ten Nach­ah­mer auf den Plan, die sich im tech­ni­schen Bereich durch­aus wei­ter­ent­wi­ckeln, aber sich eben­falls nicht an Recht und Gesetz hal­ten. Teil­weise nut­zen Psy­cho­pa­then die Mög­lich­keit, ihrer Wut ein Ven­til zu geben, mit Bekämp­fung des Ver­bre­chens und siche­ren Stras­sen hat dies bei wei­tem nichts mehr zu tun.

Die Ver­wand­lung in Dr. Man­hat­tan (Bild: Warner)
Wahre „Super­kräfte“ sind ohne­hin nur bei einem zu fin­den – dem ehe­ma­li­gen Atom­phy­si­ker John, der nach einem Expe­ri­ment zu „Dr. Man­hat­tan“ mutiert. Die öffent­li­che Mei­nung kippt, und ein Anti‐​Superhelden‐​Gesetz tritt in Kraft, dass einige Hel­den zur Auf­gabe, andere in den Unter­grund treibt. Und damit beginnt die Geschichte von „Watchmen“.„Who wat­ches the Watch­men?“ – und wel­che Opfer sind nötig, um einen welt­wei­ten Frie­den zu erhalten?

Wie echte „Super­kräfte“ das Macht­ge­füge der Welt beeinflussen

Dr. Man­hat­tan (Bild: Warner)
Denn „Dr. Man­hat­tan“ ist der Grund, warum die USA in die­ser alter­na­ti­ven Rea­li­tät den Viet­nam­krieg gewan­nen, Prä­si­dent Nixon in fünf­ter Amts­zeit Prä­si­dent ist und die USA in der Welt eine Vor­macht­stel­lung besit­zen, was die Sowjet­union dazu führt, mit Atom­spreng­köp­fen auf­zu­rüs­ten, immer in der Hoff­nung, damit die Stärke die­ses Super­hel­den aus­glei­chen zu können.

Die ehe­ma­li­gen „Watch­men“ wer­den ange­sichts die­ser Bedro­hung an zwei Fron­ten aktiv – „Dr. Man­hat­tan“ und „Ozy­man­dias“, der „klügste Mensch der Welt“ for­schen nach alter­na­ti­ven Ener­gie­quel­len wäh­rend „Ror­schach“ es schafft, „Niteowl II“ und „Silk Spectre II“ zu reak­ti­vie­ren, nach­dem ihr letz­ter Mann, „The Come­dian“ umge­bracht wird. Und da es auf­grund der fast 500 Sei­ten star­ken Vor­lage aus­ufern würde, die Geschichte hier nach­zu­er­zäh­len, bleibt nur zu sagen, dass am Ende natür­lich alle Hand­lungs­stränge zusam­men lau­fen, bis zur gro­ßen Auf­lö­sung, die (natür­lich) zum Frie­den unter allen Men­schen führt.

Starke Dar­stel­lung der han­deln­den Figuren

Grup­pen­bild „Watch­men“ (Bild: Warner)

Dabei wer­den in die­sem Film die Figu­ren, ihre Ver­gan­gen­heit und vor allem ihre Bezie­hun­gen unter­ein­an­der sehr detail­reich gezeich­net, wie auch schon in der gedruck­ten Vor­lage. Dies ist lei­der auch als das ein­zige Manko in die­sem groß­ar­ti­gen Film zu sehen – zumin­dest für den Zuschauer, der nicht wie die Rezen­sen­tin vor­her schon gro­ßer Fan der Comi­cvor­lage war und sich zeit­weise so lang­wei­len könnte wie der schla­fende Mann in der vor­de­ren Reihe. Es bleibt also abzu­war­ten, ob genü­gend Comic­fans die Licht­spiel­häu­ser stür­men wer­den und wie der Film von denen ange­nom­men wird, die die­sem Genre nicht so zuge­tan sind. Wem aber bereits andere ver­filmte Vor­la­gen Alan Moo­res gefal­len, wie z.B.“Die Liga der außer­ge­wöhn­li­chen Gent­le­men“, „From Hell“, „Con­stan­tine“ oder zuletzt „V wie Ven­detta“, kann auch ohne die Kennt­nis des „Watchmen“-Comics ins Kino gehen und auf der gro­ßen Lein­wand die­ses Fil­mer­eig­nis bewun­dern. Aber Ach­tung: Sitz­fleisch ist bei 160 Minu­ten drin­gend vonnöten!

Über den Autor

Daniela Sonders Daniela Sonders

Suchte 2008 nach kiel4kiel und fand den För­de­flüs­te­rer. Wollte eigent­lich nur hier und da mal ne Kino­kri­tik schrei­ben und ver­sucht jetzt die­sen herr­lich wuse­li­gen Laden in Schach zu hal­ten. Das hat sie nun davon.

Kommentare


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user icon  Olafur:

Sin City ist von Frank Mil­ler. Nicht von Alan Moore.

Freitag, 06. März 2009, 23:07


daniela's Avatar

user icon  daniela:

Autsch, und das pas­siert gerade mir … Danke für den Hin­weis. Gemeint war die Liga der außer­ge­wöhn­li­chen Gent­le­men (und die dazu­ge­hö­rige miese Verfilmung).

Dienstag, 10. März 2009, 13:04


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