// RegionKiel

Samstag, 26. Februar 2011

Kieler Erinnerungstag

Vor 150 Jahren wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet

Feuer- und Löschkompanie des KMTV um 1862 Foto: hfr/Stadtarchiv Kiel
Feuer- und Löschkompanie des KMTV um 1862 Foto: hfr/Stadtarchiv Kiel

Stadt­ge­schichte in monat­li­chen Fol­gen – das bie­tet die Reihe „Kie­ler Erin­ne­rungs­tage“ des Stadt­ar­chivs. Die His­to­ri­ke­rin Christa Gecke­ler spürt mit Hilfe der im Archiv vor­han­de­nen Quel­len und Lite­ra­tur wich­ti­gen Ereig­nis­sen aus Kiels Ver­gan­gen­heit nach und stellt in locke­rer Folge eine Geschichte vor. Eine span­nende Chro­nik ent­steht, die zeigt, was Kie­le­rin­nen und Kie­ler einst bewegte. Am 26. Februar 1861 war das: die Grün­dung der Frei­wil­li­gen Feuerwehr.

Aus­ge­bil­dete Berufs­feu­er­weh­ren und Frei­wil­lige Feu­er­weh­ren gab es erst seit der zwei­ten Hälfte des 19. Jahr­hun­derts. Vor­her war es Pflicht der Bür­ger, Brände in der Stadt selbst zu löschen. Brach ein Feuer aus, musste der­je­nige, des­sen Haus Feuer gefan­gen hatte, dies durch den Ruf „Feu­rio!“ bekannt machen, den Nach­barn benach­rich­ti­gen und selbst zu löschen begin­nen. Außer­dem hatte er dafür zu sor­gen, dass der Küs­ter ver­stän­digt wurde, damit die­ser die Sturm­glo­cke läu­tete. Nun waren alle Ein­woh­ner ver­pflich­tet, Hilfe zu leisten.

Die erste Frei­wil­lige Feu­er­wehr Deutsch­lands war 1841 in Mei­ßen gegrün­det wor­den. In Kiel ergriff der Kie­ler Män­ner­turn­ver­ein (KMTV) 1850 die Initia­tive und schlug vor, ein frei­wil­li­ges Lösch­korps zu bil­den. Beim Magis­trat stieß man auf Ableh­nung. Als der Turn­wart Ben­ja­min Schmidt beim Ers­ten Deut­schen Turn­er­fest 1860 in Coburg die Übun­gen der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr sah, erneu­erte der KMTV sei­nen Vorschlag.

Feuer– und Lösch­kom­pa­nie des KMTV um 1862 Foto: hfr/​Stadtarchiv Kiel
Am 26. Februar 1861 geneh­migte der Kie­ler Magis­trat die Bil­dung der „Feuer– und Lösch­kom­pa­nie“, die aus 50 frei­wil­li­gen Tur­nern bestand. Die Kie­ler Turn­er­feu­er­wehr war die erste, die in Schleswig‐​Holstein gegrün­det wurde. Ein Stei­ger­kar­ren mit Lei­ter, ein Fang­tuch und ein Ret­tungs­sack waren die wich­tigs­ten Anschaf­fun­gen. Eine Spritze kam bald als Geschenk einer Feu­er­ver­si­che­rung hinzu. Die Aus­bil­dung der Mit­glie­der der Turn­er­feu­er­wehr wurde durch regel­mä­ßige Übun­gen gewähr­leis­tet. Gab es „Feu­er­lärm“ musste jedes Mit­glied unter Andro­hung von Geld­stra­fen zu sei­ner Spritze eilen.

1867 grün­dete sich die Turn­er­feu­er­wehr mit den Mit­glie­dern des Gewer­be­ver­eins als Frei­wil­lige Feu­er­wehr neu. 1896 wurde eine Berufs­feu­er­wehr ins Leben geru­fen, doch blie­ben die Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren in der Stadt und in den Stadt­tei­len ein unver­zicht­ba­res Ele­ment der Brand­be­kämp­fung. Die fort­schrei­tende Tech­nik und Moto­ri­sie­rung zog auch bei der Feu­er­wehr ein: 1898 gab es in der Stadt 500 öffent­li­che und 100 pri­vate Hydran­ten. 1912 wurde ein Lösch­fahr­zeug mit Ben­zin­an­trieb, 1916 ein Auto­mo­bil­kran­ken­wa­gen und 1926 das erste Feu­er­lösch­boot angeschafft.

Vor dem Zwei­ten Welt­krieg gab es im Raum Kiel 14 Frei­wil­lige Feu­er­weh­ren, die wäh­rend des Krie­ges in der Luft­schutz­or­ga­ni­sa­tion auf­gin­gen. Nach dem Krieg ver­lief die Neu­grün­dung der Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren nur schlep­pend, doch heute gibt es neben der Berufs­feu­er­wehr wie­der zehn frei­wil­lige Weh­ren in Kiel.

Die aus­führ­li­che Fas­sung ist zusam­men mit den inzwi­schen mehr als 70 Fol­gen der „Kie­ler Erin­ne­rungs­tage“ auf den Inter­net­sei­ten des Stadt­ar­chivs unter www​.kiel​.de/​k​ultur zu fin­den. Die von Christa Gecke­ler ver­wen­de­ten Quel­len und Bücher lie­gen für Inter­es­sierte im Stadt­ar­chiv bereit (mon­tags und diens­tags 8.30 bis 16 Uhr, don­ners­tags 8.30 bis 18 Uhr). Die nächste Folge im Mai: der Marine‐​Regatta‐​Verein wird zum Kai­ser­li­chen Yacht‐​Club (2. Mai 1891).

facebook

 

Werbung