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Sonntag, 14. Februar 2010

Kolumne

Valentinstag

Foto: Archiv
Foto: Archiv

Wer heute nichts bes­se­res zu tun hat, könnte wahl­weise der Ankunft Jesu als himm­li­scher Bräu­ti­gam zur Himm­li­schen Hoch­zeit oder dem katho­li­schen Hei­li­gen Valen­tin von Terni geden­ken, oder aber sei­ner oder sei­nem Liebs­ten ein klei­nes Prä­sent über­rei­chen, seine Liebe schwö­ren und einen roman­ti­schen Abend verbringen.

Mit kirch­li­chen Tra­di­tio­nen hat der Valen­tins­tag in heu­ti­ger Zeit nicht mehr viel zu tun. Wahr­schein­lich weiß kaum jemand um sei­nen from­men Hin­ter­grund, denn der Tag ist den meis­ten von uns vor allem des­halb bekannt, weil er einen guten Grund bie­tet sei­nem oder sei­ner Liebs­ten ein klei­nes Geschenk zu machen. Für Per­so­nen, denen es schwer fällt, an irgend­ei­nem belie­bi­gen Tag seine Zunei­gung durch e­in Geschenk aus­zu­drü­cken, sicher eine will­kom­mene Insti­tu­tion, aber auch nach wie vor häu­fig kri­ti­siert. Jedoch ist es für einige unter uns durch­aus Schenk­wil­li­gen gar nicht so ein­fach etwas Pas­sen­des zu fin­den. Soo gut kennt man das Sub­jekt der Begierde ja nun doch nicht, schließ­lich gehört es ja dem unver­ständ­li­chen Geschlecht an. Dann bleibt nur eins, näm­lich vir­tu­elle Mehr‐​oder‐​weniger‐​Freunde um Unter­stüt­zung zu bit­ten, und wo geht das bes­ser als in einem Foren­th­read. Böse Zun­gen wür­den das als Armuts­zeug­nis ver­ste­hen, aber zählt nicht allein der Gedanke? Man muss aber, je nach­dem in wel­cher Art Forum man gefragt hat, auch schon mal mit roman­ti­schen Geschenk­ideen wie „ein Kino­gut­schein für Rambo 4″, „ein flug mit dem roflc­op­ter nach dis­ney­land“ oder „ne Wärm­fla­sche“ rechnen.

Merk­wür­dig­kei­ten zum Valentinstag

Doch der Valen­tins­tag bringt auch andere Merk­wür­dig­kei­ten her­vor. Ein Schwei­zer Unter­neh­men, das Sei­ten­sprung­zim­mer ver­mie­tet, hat sich für den Valen­tins­tag etwas ganz beson­de­res ein­fal­len las­sen und ver­mie­tet die Zim­mer, in denen sich sonst untreue Part­ner tum­meln, für Ehe­paare zum Null­ta­rif. Die Begrün­dung für diese noble Geste gibt der Geschäfts­füh­rer: „Der Anteil der ver­hei­ra­te­ten Paare, die mit einer beson­de­ren Lie­bes­nacht in einem unse­rer Zim­mer etwas mehr Span­nung in ihr Lie­bes­le­ben brin­gen, steigt ste­tig“, diese soll­ten nun dafür belohnt wer­den, dass sie etwas für ihre Bezie­hung tun. Nun gut, ob das so moti­vie­rend ist, sei dahingestellt.

Viel­leicht ist es dann doch bes­ser, sich ander­wei­tig neue Ideen zu holen, die mehr Schwung ins Schlaf­zim­mer brin­gen. So wer­ben diverse Sex­spiel­zeug­her­stel­ler seit neu­es­tem mit öko­kor­rek­ten Sex­spiel­zeu­gen. Na wenn das kein Bei­trag zu einer bes­se­ren Umwelt ist, da weicht man doch gern auf Des­sous aus Bio‐​Baumwolle, Bio‐​Seide oder Hanf aus, bedient sich fair gehan­del­ter Scho­ko­lade für diverse Situa­tio­nen oder benutzt einen Fich­ten­holz­dildo mit umwelt­freund­li­chem Lack, der den sexy Namen „Fuchs­schwanz“ trägt.

Da es ja aber nicht immer nur um Sex geht, son­dern bei eini­gen auch noch um wahre, ewig dau­ernde Liebe geht, seien den From­me­ren unter euch spe­zi­elle Seg­nungs­got­tes­dienst für Ver­liebte in diver­sen thü­rin­gi­schen Kir­chen ans Herz gelegt. Mit Musik, Medi­ta­tion, Gebet und Segens­wor­ten geht es in den Got­tes­diens­ten um das Wun­der der Liebe.

Fak­ten und Zahlen

Nun aber den Valen­tins­tag auch noch ein­mal in Zah­len: Die DHL trans­por­tiert zum Valen­tins­tag 15 Mil­lio­nen Blu­men aus Latein­ame­rika. 63 Pro­zent aller in die USA expor­tier­ten Blu­men wer­den am 14. Februar, dem Valen­tins­tag, aus­ge­lie­fert. Wol­len wir doch mal hof­fen, dass die Blu­men nicht von pes­ti­zid­ver­seuch­ten Kin­dern gepflückt, son­dern fair gehan­delt wur­den. 63 Pro­zent der Män­ner über­ra­schen mit einer Reser­vie­rung in einem roman­ti­schen Restau­rant, und 34 Pro­zent orga­ni­sie­ren Kar­ten fürs Thea­ter, die Oper oder ein Kon­zert. Ein­la­dun­gen, rote Rosen oder ein­fach eine kleine Süßig­keit gehö­ren für neun von zehn Män­nern ganz selbst­ver­ständ­lich zum Valentinstag.

Der Valen­tins­tag hält für manch armen nai­ven Email‐​Empfänger aber auch weni­ger freu­dige Über­a­schun­gen bereit, denn wer k­ann schon einem Topic wie „Happy Valentine’s Day!“, „You’re my Valen­tine!“ oder „You’re Super Sweet.“ wider­ste­hen, auch wenn die kleine süße Valentine.exe ganz harm­los aus­sieht, kann sie eine ganze Menge Scha­den anrich­ten. Des­halb wird die­ser Tag nur zu gern von Men­schen mit zer­stö­re­ri­schen Absich­ten genutzt, schließ­lich gibts ja noch genug naiv kli­ckende Verliebte.

Valen­tins­tag bei World of War­craft (Quelle: Blizzard)

Wer nun denkt, er könne sich in das Spiel sei­nes Ver­trau­ens zurück­zie­hen, die Lie­ben­den da drau­ßen ihren Spaß haben las­sen und sich ein­zig und allein auf das Errei­chen von Level 70 kon­zen­trie­ren, hat sich geirrt, denn auch in Azeroth steht alles unter dem Bann der Liebe. Eine merk­wür­dige Lie­bes­krank­heit ist aus­ge­bro­chen, die sich durch über den Köp­fen schwe­ben­den Herz­chen bemerk­bar macht, die gut zu den mit Bän­dern, Blu­men und Herz­chen­ban­nern Städ­ten pas­sen, auch hier ver­kau­fen Gast­wirte für wenig Geld nur zu gern Lie­bes­ge­schenke, die dann an ver­liebte NPC ver­schenkt wer­den können.

Für alle, die den Valen­tins­tag ver­ab­scheuen, gibt es noch einen Aus­weg und zwar könn­ten sie ein­fach nach Saudi‐​Arabien zie­hen. Dort hat der Groß­mufti Scheich Abdul Asis el Scheich vor sie­ben Jah­ren den Valen­tins­tag als „heid­ni­sches Chris­ten­fest“ ver­bo­ten. Nun wacht die Reli­gi­ons­po­li­zei Mut­tawa arg­wöh­nisch über alle Laden­be­sit­zer, dass nur ja kei­ner von denen auf die Idee kommt, in die­sen Tagen ein roman­tisch anmu­ten­des Geschenk in sei­ner Aus­lage zu plat­zie­ren. Ein Para­dies für alle Valentinstaghasser.

Also in die­sem Sinne, tut was für die Welt­wirt­schaft und beschert den Flo­ris­ten, Restau­rant­be­sit­zern, Naschi­ver­käu­fern oder Sex­spiel­zeug­her­stel­lern einen öko­no­misch wert­vol­len Tag. Happy Valentine’s day!

Über den Autor

Melanie Richter Melanie Richter

Zuge­zo­gene Leip­zi­ge­rin, die in Kiel Deutsch und Geschichte auf Lehr­amt stu­dierte und dann hier gern hän­gen­ge­blie­ben ist. Seit etwa 2003 schreibt sie für ver­schie­dene Sei­ten. Lieb­lings­the­men: Enter­tain­ment, Musik, Poli­tik, Gaming, Medien und alles was sonst noch span­nend ist.

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