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Dienstag, 19. Januar 2010

Kolumne

Stress lass nach...

Schöne weiße Pracht. Foto: Archiv
Schöne weiße Pracht. Foto: Archiv

Wie ich es hasse, wenn ich Mon­tag früh die Augen auf­ma­che, frisch fromm, fröh­lich frei in die Woche starte und mir im sel­ben Augen­blick schon ihr Ende her­bei­wün­sche. Warum? Weil bereits am Mon­tag klar ist, dass die nächs­ten Tage arbeits­in­ten­sive und ter­min­rei­che end­los­lange Tage sein wer­den. Und ein ers­tes ent­spann­tes Durch­at­men und Zurück­leh­nen vor dem Wochen­ende nicht mög­lich sein wird. Allein der Gedanke an das Bevor­ste­hende raubt mir für einen kur­zen Moment sämt­li­che Energie.

Aus die­sem Grund folgt seit gerau­mer Zeit ein sonn­täg­li­ches Ritual: Ich ver­schaffe mir am Abend davor einen mög­lichst genauen Über­blick über die dar­auf­fol­gen­den Tage und notiere peni­bel sämt­li­che, über die gesamte Woche anste­hende Auf­ga­ben, die unbe­dingt zu erle­di­gen sind und wich­tige Ter­mine, die unter gar kei­nen Umstän­den zu ver­säu­men sind. Denn das wäre THE WORST CASE und das würde alles nur noch kom­pli­zier­ter machen. Alter­na­ti­ven ent­spre­chende Auf­ga­ben und Ter­mine in der Woche ander­wei­tig unter­zu­brin­gen, gibt es meist kaum.

Für einen ord­nungs­lie­ben­den Men­schen wie mich gehört es zwei­fels­ohne dazu, sich einen Plan über das auf mich zukom­mende machen zu wol­len. Einer­seits um auf alles vor­be­rei­tet zu sein, um allem mög­lichst gerecht zu wer­den, ande­rer­seits um den Kopf nicht unnö­tig mit Din­gen zu belas­ten, son­dern in frei zu hal­ten für…was auch immer. Und ich muss geste­hen, dass ich mir vor allem den Plan mache, um nach geta­ner Arbeit die­ses ganz bestimmte Erfolgs­ge­fühl zu haben. Die Aus­sicht, wenn ich etwas erle­digt habe, mir einen mög­lichst fet­ten Fil­zer neh­men zu kön­nen und dann mit größ­ter Befrie­di­gung genaue die­sen, wenn es ein guter Tag war viel­leicht auch meh­rere Punkte von der To‐​Do‐​Liste zu strei­chen. Das ist was sich so unbe­schreib­lich gut anfühlt. Es ist wie ein unsicht­ba­res Sich‐​Selbst‐​Auf‐​Die‐​Schulter‐​Klopfen – wenn es sonst kei­ner tut.

Die stets knapp bemes­sene Zeit will opti­mal genutzt wer­den. Und da der Tag nun mal nicht mehr als 24 Stun­den und die Arbeits­wo­che nicht mehr als fünf Tage hat– Gott sei Dank ist das so – ist ein äußerst aus­ge­klü­gel­tes Zeit– und Res­sour­cen­ma­nage­ment erfor­der­lich. Und darin übe ich mich seit gerau­mer Zeit. So hek­tisch das viel­leicht auch klin­gen mag, ver­lie­fen die let­zen Tage doch rela­tiv ruhig und gemäch­lich. Das hat sehr viel mit dem wun­der­ba­ren Schnee zu tun, der vie­les im All­tag auf eine sanfte Art und Weise lang­sa­mer wer­den lässt. Hek­tik führt bei der­ar­ti­gen Wet­ter– und Stra­ßen­be­din­gun­gen doch zu nix, außer zu mehr oder weni­ger harm­lo­sen, manch­mal auch bösen Aus­rut­schern und Unfäl­len. Und warum het­zen, wenn Lang­sam­keit so ange­nehm sein kann? Ja, es ist kalt und der Schnee ist meist gar kein Schnee mehr, son­dern nur noch schmut­zi­ger grau‐​brauner Matsch. Aber wenn das Auge des Betrach­ters die fri­sche und unschul­dig weiße Pracht ent­deckt und man das Knis­tern des Schnees unter den Füßen hört, freut man sich ja doch, grinst vor sich hin oder auch in sich hin­ein und man möchte gar nicht das es auf­hört zu rie­seln. Und bei einem Blick durchs Fens­ter sehe ich auch schon die nächs­ten dicken Flo­cken vom Him­mel fal­len und ich freu mich auf morgen…

Über den Autor

Anita Vrcic Anita Vrcic

Als diplo­mierte Ur– und Früh­ge­schicht­le­rin inter­es­siere ich mich nicht aus­schließ­lich für alte Kul­tu­ren, son­dern auch für Zeit­ge­nös­si­sches. Ich mag Lite­ra­tur, Kunst, Musik, Filme und Theater.

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