Sonntag, 21. Februar 2010
0:1 gegen Ingolstadt
Bei Sonnenschein war beiden Mannschaften im TUJA‐Stadion anzumerken, wie froh sie darüber waren, endlich wieder um Punkte spielen zu können. Die ersten Chancen erarbeiteten sich die Kieler durch ihre Neuzugänge. Benjamin Schüßler prüfte den Ingolstädter Keeper Michael Lutz bereits in der zweiten Minute mit einem Schuss aus 15 Metern Entfernung. Drei Minuten später nutzte Massimo Cannizzaro einen Fehler des Verteidigers David Pisot, scheiterte aber ebenfalls an Lutz. In der Folge kamen die Gastgeber besser ins Spiel. Stefan Leitl versuchte es zunächst selbst aus 20 Metern (8. Minute) und bediente danach Moise Bambara (10.) und Stürmer Moritz Hartmann (13.) – ohne Glück. Die KSV‐Defensive stand sicher und vereitelte diese Chancen.
Im Vorfeld der Partie hatte das Kieler Team eine DVD des Spiels Ingolstadt gegen Osnabrück studiert. Die darin ausgemachten Stärken der Bayern – Ballsicherheit, wenige Fehler im Spielaufbau und souveränes Kurzpassspiel – sollten unterdrückt werden. Trainer Christian Wück forderte von seinen Spielern, sich nicht zu verstecken, die Räume eng zu machen und durch frühes Angreifen den Gegner zu schwächen. Diese Vorgaben wurden gut umgesetzt: Möglichkeiten hatten die Ingolstädter nur durch lange und hohe Bälle, die nicht zu deren Stärke gehören. Die Platzherren hatten sich im Gegenzug aber auch gut auf ihren Gegner eingestellt. Anstatt durch Konter vor Ingolstadts Tor zu gelangen, scheiterten die Kieler Angriffe immer wieder an der kompakten Abwehr. Cannizzaro versuchte es in der 25. Minute vergeblich mit einer Volley‐Abnahme von der Strafraumgrenze. Michael Holt hatte auch kein Glück: Einen Freistoß schoss er in die Mauer (28.), und seinen wuchtigen Distanzschuss drei Minuten später konnte Michael Lutz im Nachfassen sichern.
Die Pause hatte den Störchen nicht gutgetan. Der FC Ingolstadt – Ende der ersten Halbzeit von seinen Fans noch mit Pfiffen bedacht – griff nach Wiederanpfiff früher und aggressiver an. Zum Glück für Kiel waren die Angriffe nicht konsequent genug. Gerade als Holstein in das Spiel zurückfand fiel das Gegentor aus einer geradezu unmöglichen Position. In der 62. Minute foulte KSV‐Verteidiger Christian Jürgensen Bambara kurz vor dem Strafraum an der Torauslinie. Andreas „Zecke“ Neuendorf, der erst in der 56. Minute eingewechselt worden war, trat an und zirkelte das Leder aus spitzem Winkel ins lange Eck des Kieler Gehäuses.
Mit dem Selbstbewusstsein, die vergangenen zwei Spiele gewonnen zu haben, gaben sich die Störche nicht auf und griffen weiter an. Mit der Einwechslung von Joker Guscinas in der 71. Minute verstärkte Christian Wück die Offensivbemühungen seiner Elf noch; mit nun drei Stürmern sollte doch noch der Ausgleich gelingen. In den letzten 20 Minuten des Spiels schnürten die Norddeutschen ihren Gegner in deren eigener Hälfte ein. Es fehlte allein ein Tor. Tim Jerat kam in der 84. Minute nach einer Ecke zu einem Torschuss, hatte jedoch ebenso Pech wie Dmitrijus Guscinas vier Minuten darauf, der die größte Gelegenheit für Kiel hatte. Eine Flanke von Kevin Schulz rutschte an Benjamin Schüßler vorbei und fiel dem Litauer vor die Füße, der von dieser ungeahnten Möglichkeit zu überrascht war und direkt auf Michael Lutz schoss.
Wie stark Holstein Kiel gerade in der letzten halben Stunde war, davon legen die gelben Karten auf Seiten der Ingolstädter Zeugnis ab, die allesamt in die Drangphase Kiels fielen. Ein Ausgleich wäre verdient gewesen, weil kein Unterschied zwischen Aufstiegsaspirant und Abstiegskandidat auszumachen war. Wie schon so oft in der Hinrunde, machte die Chancenverwertung den Störchen einen Strich durch die Rechnung. So sah es auch Stürmer Cannizzaro: „Wir haben heute eine gute Leistung gebracht. Das hat wohl jeder im Stadion gesehen. Doch lieber hätte ich schlecht gespielt und etwas Zählbares mitgenommen.“ Der Blick des Trainers war indes schon auf das Nachholspiel gegen Werder Bremen II, einen der direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, gerichtet. Am kommenden Mittwoch, den 24. Februar, sollen ab 19 Uhr drei Punkte in Bremen geholt werden.