Samstag, 04. September 2010
FußballDie erste halbe Stunde bot eine bunte Mischung. Die Sachsen spielten ein gemächliches Tempo und hatten es schwer gegen eine gut aufgestellte KSV‐Defensive. Sie versuchten es daher mit Distanzschüssen, aber weder Tom Geißler (4.) noch Steven Lewerenz (19.) konnten Torwart Michael Frech in Verlegenheit bringen. Die Kieler hingegen waren agiler und ließen den Ball, wie schon in den vorigen Spielen, ansehnlich durch die Reihen laufen, um im geeigneten Moment den entscheidenden Pass zu spielen. Diese Versuche waren zwar noch nicht von Erfolg gekrönt, wurden vom Publikum aber mit Beifall bedacht.
In der 34. Minute führte eine dieser Aktionen endlich zum Ziel. Die Entstehung des Tores zeigte anschaulich, wie gut das schnelle Passspiel der Störche funktioniert: Über Kevin Schulz und den Aktivposten im Mittelfeld, Ferhat Yazgan, kam das Leder zu Sofien Chahed. Dieser spielte direkt weiter zu Marc Heider, der mit einem platzierten Schuss ins linke untere Eck seinen dritten Saisontreffer erzielte. Die Führung verlieh den Kielern frischen Schwung, aber die Möglichkeiten, die Heider (38.) und Sofien Chahed (43.) noch vor dem Abpfiff hatten, waren zwar schön herausgespielt, aber ohne Gefahr für das Tor der Gäste.
Der zweite Durchgang gehörte den Gästen. Holstein kämpfte immer noch aufopferungsvoll um jeden Ball, aber RB Leipzig hatte die besseren Chancen. Nach 56 Minuten senkte sich ein Freistoß von Geißler gefährlich über das Kieler Tor, und in der 72. Minute tauchte Maximilian Watzka frei vor dem KSV‐Gehäuse auf und zwang Frech zu einer Glanzparade.
Nur eine Minute später entschied Schiedsrichter René Rohde auf Freistoß für Leipzig; die Torentfernung betrug 18 Meter. Frech dirigierte seine Mauer vor die linke Torecke und übernahm selbst die rechte. Doch genau dort schlug die Kugel ein. Vier Leipziger liefen zum Ball und täuschten einen Schuss an – der fünfte, Lars Müller, trat tatsächlich und traf: eine ungewöhnliche, aber effektive Variante. Die Entscheidung fiel in der 89. Spielminute, als die Leipziger die Gastgeber eiskalt auskonterten. Timo Rost bescherte mit seinem Tor den Sachsen den ersten Dreier der Saison. Zuvor hatte Jaroslaw Lindner, der erst am 31. August von Hannover 96 ins Storchennest gewechselt war, mit einem Distanzschuss die Führung für Kiel auf dem Fuße.
Wie groß der Druck auf der gesamten Leipziger Mannschaft inklusive Trainer Thomas Oral ist, zeigte der frenetische Jubel nach dem Abpfiff. Oral betonte, dass der Sieg nicht erspielt, sondern erzwungen wurde: „Nach der Kieler Führung wurde es für uns sehr schwer. Wir haben dann mit aller Gewalt den Sieg angesteuert.“ Kiels Coach Thorsten Gutzeit bedauerte die erste Niederlage, sprach dem Team aber gleichzeitig ein großes Lob aus: „Wir hätten gern nach der Pause etwas mehr nach vorn investiert. Ärgerlich, dass Jaroslaw Lindner kurz vor dem Ende seine Chance zum 2:1 nicht verwerten konnte. Aber aufgrund der 2. Halbzeit und des zunehmenden Drucks geht der Sieg der Gäste wohl in Ordnung. Meiner Mannschaft kann ich keinen Vorwurf machen. Wir können stolz sein auf das, was das Team heute geleistet hat.“ Am kommenden Freitag, den 10. September brennen die Störche auf Wiedergutmachung. Gegner werden dann die Amateure des VfL Wolfsburg sein, deren Trainer Lorenz‐Günther Köstner das Spiel im Holstein‐Stadion beobachtete.