// Kino

Sonntag, 11. April 2010

Wer nicht kämpft, hat schon verloren

Shekarchi - Zeit des Zorns

Filmplakat
Filmplakat

Mit „She­kar­chi“ warnt Rafi Pitts den Staat Iran. In hoch­sym­bo­li­schen, ein­drucks­vol­len Bil­dern führt der preis­ge­krönte Kos­mo­po­lit vor Augen, was mit einem recht­schaf­fen­den Volk pas­siert, wenn es, wie in Iran, aufs Grau­en­vollste unter­drückt wird.

Die Story

Ali (Ra­fi Pitts) lebt, nach sei­ner Ent­las­sung aus dem Gefäng­nis, mit sei­ner Frau Sara (Mitra Hajjar) und Toch­ter Saba (Saba Yaghoobi) in Tehe­ran. Lange suchte er nach Arbeit, aber als Ex‐​Knacki bekam er keine Anstel­lung. Nun hat er end­lich einen Job als Wäch­ter in einer Fabrik. Wegen sei­ner Gefäng­nis­strafe erlaubt man ihm nur, in der Nacht­schicht zu arbei­ten. Obwohl er seine Strafe bereits abge­ses­sen hat, bestraft man ihn mit den Arbeits­zei­ten wie­der – nur der Gedanke an die Fami­lie hielt ihn im Gefäng­nis am Leben und jetzt kann er sie wie­der nicht sehen, weil man ihn zwingt, nachts wach zu sein und am Tag zu schlafen.

Eines Tages kehrt er von der Arbeit in eine leere Woh­nung heim. Frau und Toch­ter sind nicht – wie eigent­lich üblich – da, wenn er heim­kommt. Er beginnt nach ihnen zu suchen, auf der Arbeit, im Kin­der­hort und bei Bekann­ten. Erfolg­los. In sei­ner Ver­zweif­lung führt ihn sein Weg letz­ten Endes zur Poli­zei. Das Organ, dem er seine qual­volle Inhaf­tie­rung ver­dankt. Hier war­tet er geschla­gene drei Stun­den, bis man ihn end­lich in ein Zim­mer führt. Jetzt sitzt ihm ein Mann in zivil gegen­über und anstatt end­lich die Infor­ma­tio­nen zu bekom­men, die er schon so lange sucht, befragt er ihn. Erst als er dar­auf drängt, erfährt er, dass Sara an einer Kugel gestor­ben ist, die sie wäh­rend einer Demons­tra­tion traf. Von Saba aber gibt es nach wie vor keine Spur, also fährt Ali mit der Suche nach ihr fort. In sei­ner Ver­zweif­lung zeigt er ihr Bild wahl­los Pas­san­ten. Bis man ihn erneut ein­be­stellt, um ihm zu eröff­nen, dass auch seine Toch­ter tot ist.

Ali bringt kurz­ent­schlos­sen Sabas kleine Katze zu sei­ner Mut­ter. Jetzt ist er von allen Ver­pflich­tun­gen befreit und er zieht los, um irgend­je­man­den büßen zu las­sen. Er sitzt auf einem Hügel nahe an einer Auto­bahn und zielt mit sei­nem Gewehr auf die vor­bei­fah­ren­den Autos. Aber er schießt nicht, bis ihm ein Strei­fen­wa­gen ins Visier kommt. Mit dem Schuss eines geüb­ten Jägers tötet er den Fah­rer, und als der zweite Insasse das schüt­zende Fahr­zeug ver­lässt, um den unsicht­ba­ren Angrei­fer zu stel­len, erlegt er auch ihn. Es beginnt eine wilde Ver­fol­gungs­jagd, an deren Ende der Gehetzte der Macht des Staa­tes erliegt, aber nicht, ohne auch die­sem erheb­li­chen Scha­den zuge­fügt zu haben.

Der Regis­seur

Rafi Pitts ist einer der bekann­tes­ten neo­rea­lis­ti­schen ira­ni­schen Regis­seure. Er wurde im Iran als Sohn eines Bri­ten und einer Ira­ne­rin gebo­ren und ver­ließ das Land auf den Wunsch sei­ner Mut­ter, um die Aus­bil­dung am Har­rows Col­lege in Lon­don zu genie­ßen. Nach­dem er Film und Foto stu­diert hatte, ging er nach Frank­reich, um dort sei­nen ers­ten Kurz­film zu rea­li­sie­ren. Jetzt kämpft er mit den Waf­fen, die ihm durch seine Aus­bil­dung gege­ben sind, für die Frei­heit sei­nes Volkes.

Kri­tik

She­kar­chi ist eine Angst ein­flö­ßende War­nung an die Füh­rung des Irans und zugleich Auf­ruf an das ira­ni­sche Volk, sich nicht von der Angst läh­men zu las­sen, vor der Macht des Staa­tes klein bei­zu­ge­ben und wegen der Angst, die das Regime ver­brei­tet in eine Schreck­starre zu ver­fal­len. Denn wer nicht kämpft, hat schon ver­lo­ren! Mit Meta­phern und Gefüh­len kämpft Rafi Pitts und er hat eine illus­tre Gruppe von Film­schaf­fen­den um sich geschart, um die­sen wich­ti­gen Film des ira­ni­schen Kinos zu rea­li­sie­ren. Mit die­sem Werk feu­ert er Salve um Salve von bewe­gen­den Sze­nen auf Ahma­dined­schad und Chomeini.

Wei­ter­füh­rende Links:

Die Ter­mine der Vor­stel­lun­gen fin­den sie hier.

Film­da­ten

  • Ori­gi­nal­ti­tel: She­kar­chi; The Hunter
  • Genre: Drama
  • Buch und Regie: Rafi Pitts
  • Dar­stel­ler: Rafi Pitts, Mitra Hajjar, Saba Yaghoobi, Malek Kha­zai, Ali Mazinani, Nas­ser Madahi, Mano­chehr Rahimi, Ali Nicksau­lat, Has­san Ghalenoi
  • FSK: ab 12
  • Länge: 88 min
  • Offi­zi­elle Film­seite: www​.zeit​-des​-zorns​.de/

Video

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Fotos

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Über den Autor

tobra76 tobra76

Aus Köln den wei­ten Weg nach Kiel gekom­men habe ich mich ins schöne Kiel ver­guckt. Ich mag Musik, Lite­ra­tur, Thea­ter und Kino. Kurz Kultur.

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