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Samstag, 09. Januar 2010

Nordisches Institut der CAU zu Kiel

Schweden verstehen

Filme und Vorträge zum Schwedenbild von heute 14.01. - 10.02.2010
Filme und Vorträge zum Schwedenbild von heute 14.01. - 10.02.2010

Das Interesse für Schweden ist gegenwärtig groß – nicht nur in Schleswig‐​Holstein. Es ist daher nicht verwunderlich, dass zahlreiche Kursteilnehmer an Universität und Volkshochschulen die Sprache sowie das Land und seine Einwohner besser kennen lernen wollen. Es gibt jedoch viele, zum Teil recht unterschiedliche Vorstellungen von Schweden. Welche entsprechen der Wahrheit? Was ist vielleicht nur Mythos? »Bullerbü‐​Syndrom« ist ein Begriff geworden für die Sehnsucht der Deutschen nach einem Idealland, das vielleicht Schweden sein könnte.

Camilla Håkansson und Arne Håkansson, Mitarbeiter des Schwedischen Lektorats am Nordischen Institut der CAU in Kiel organisieren im Januar und Februar 2010 in Kooperation mit dem Kommunalen Kino (KoKi) in der Pumpe eine Reihe mit Vorträgen und Filmen, die das Schwedenbild von heute hinterfragen.

Das Projekt wird vom Schwedischen Institut in Stockholm finanziell unterstützt. Mit Vorträgen und Filmen wird versucht, das Schwedenbild sowohl der Deutschen als auch der Schweden selbst aus verschiedenen Perspektiven nuanciert darzustellen. Die Vorträge werden in deutscher Sprache oder auf Schwedisch mit Übersetzung gehalten und richten sich an die Studierenden der CAU sowie eine breite interessierte Öffentlichkeit. Sie sind kostenlos.

Die Vorträge

Den Anfang macht Dr. Wolfgang Butt, Übersetzer (u.a. Henning Mankell) am Donnerstag, 14.01.2010 mit seinem Vortrag zum Thema : „Kriminalromane – Die besseren Reiseführer? Was Schwedenkrimis über Schweden erzählen.“

Seit Sjöwall & Wahlöö handeln Kriminalromane nicht mehr nur von isolierten Verbrechen und ihrer Aufklärung, sondern in wesentlichem Maße auch von der Gesellschaft, in der sie begangen werden. Ist diese Gesellschaft es wert, verteidigt und bewahrt zu werden? Wie sehen die gesellschaftlichen Werte aus, denen schwedische Verbrechensbekämpfer und –ermittler sich verpflichtet fühlen? Welche schwedischen Selbstbilder transportieren die beliebten »Schwedenkrimis«?

Am Donnerstag, den 21.01. 2010 folgt der Vortrag von Lisa Källström, Doktorandin, Universität Lund unter dem Titel „Die inszenierte Bullerbü‐​Idylle: Alterität als Konstruktion in Inga Lindströms Film Im Sommerhaus.“

Mit dem Begriff »Bullerbüsyndromet« wird in Schweden die Vorstellung von einem idyllischen Schweden in den deutschen Medien beschrieben. Die deutschen Fernsehfilme von Inga Lindström sind ein Beispiel dafür. Wie interpretieren wir in einem bestimmten Kontext Erzählungen, und was können wir daraus über uns selbst und unsere Kultur lernen? Mit dem Ansatz in der Alteritätsforschung wird das Fremde in dem Lindström‐​Film »Im Sommerhaus« und der Begriff des Bullerbü‐​Syndroms untersucht.

In der darauffolgenden Woche, spricht am Donnerstag, den 28.01.2010 Johan Tell, Sachbuchautor und Journalist zum Thema „Von Bullerbü zum Eishotel.“ (Schwedischer Vortrag mit Übersetzung ins Deutsche von Karl‐​Axel Daude)

Überlegungen zu den Mythen, den Wahrheiten und den Klischees in einem kleinen Land am Polarkreis. Wie entsteht ein Bild von einem Land? Gibt es natürliche Ursachen oder ist es im Gegenteil eher ein Ergebnis des Willens einiger Personen eine nationale Identität zu schaffen

Im letzten Vortrag der Bullerby – Tagung widmet sich Prof. Dr. Karin Hoff, Professorin für Skandinavistik, Universität Göttingen am Donnerstag, den 04.02.2010 der Frage nach „Idylle und Ideologie des Wohlfahrtsstaates in Astrid Lindgrens Kinderbüchern und deren Verfilmungen.“

Nicht nur Astrid Lindgrens Kinderbücher, sondern auch die Verfilmungen ihrer Bücher sind weltweit populär geworden und haben das Genre wesentlich mit bestimmt. Ungeachtet ihrer offensichtlichen internationalen Verwertbarkeit haben Lindgrens Bücher und die Verfilmungen von Olle Hellbom zugleich zur Etablierung eines bestimmten, äußerst wirkungsmächtigen Schwedenbildes im Ausland wesentlich beigetragen. Inwieweit die Ideologie des Wohlfahrtsstaates durch die filmischen und literarischen Vorlagen mit transportiert wird und welche Traditionen ihm zu grunde liegen, soll im Vortrag untersucht werden.

Die Filme

In Kooperation mit dem Kommunalen Kino in der Pumpe Kiel, Koki, werden schwedische Filme vorgeführt, die das Schwedenbild aus unterschiedlichen Perspektiven darstellen. Es sind insgesamt vier Filme, die jeweils mittwochs um 20.30 Uhr gezeigt werden. Zum Teil werden die Filme zu weiteren Termine vorgeführt. Alle Filme sind in schwedischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Mi. 20.01., 20.30 Uhr – Män som hatar kvinnor /​Verblendung Regie: Niels Arden Oplev (Schweden /​Dänemark /​Deutschland 2009), 152 Min., OmU

In Dänemark und Norwegen avancierte die Verfilmung des Weltbestsellers von Krimiautor Stieg Larsson bereits zum Blockbuster. Komplexe Protagonisten, eine furchtbare Wahrheit und die Melancholie der schwedischen Wälder verdichten sich beim ersten Teil seiner Millenium‐​Triologie zu einem düsteren brisanten Polit‐​Thriller der Spitzenklasse. Mit dem populären schwedischen Schauspieler Michael Nyqvist und der Newcomerin Noomi Rapace fand der dänische Regisseur Niels Arden Oplev ein authentisches Dreamteam für die Besetzung seiner Hauptfiguren.

(Darsteller: Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Sven‐​Bertil Taube, Peter Haber, Peter Andersson, Ingvar Hirdvall

Mi. 27.01., 20.30 Uhr – Masjävlar /​Zurück nach Dalarna! Regie: Maria Blom (Schweden 2004), 98 Min., OmU

Sarkastisch, schwarzhumorig, aber auch sentimental und voller Emotionen schildert die Schwedin Maria Blom die tragikomischen Ereignisse einer Familienfeier in der schwedischen Provinz. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Schwestern, die sich brauchen, aber deren Geschwisterliebe unter einem Berg von Ängsten, Neid und gegenseitigen Vorhaltungen begraben liegt. Eine Groteske voller Gefühle mit einem genauen, warmherzigen Blick aufs wahre Leben. In Schweden war der Film ähnlich wie „Wie im Himmel“ ein großer Erfolg!

(Darsteller: Sofia Helin, Kajsa Ernst, Ann Petrén)

Mi. 03.02., 20.30 Uhr – Populärmusik från Vittula /​Populärmusik aus Vittula Regie: Reza Baghe, ( Schweden 2004), 100 Min., OmU

Eine witzig‐​warmherzige Ballade aus Schweden über Freundschaft, Beatles‐​Musik und die Enge der Provinz. Das Kultbuch von Mikael Niemi wurde von dem Wahlschweden Reza Bagher kongenial fürs Kino aufbereitet. Die anekdotischen Erinnerungen an eine Jugend in der nordschwedischen Provinz vereinen magischen Realismus mit erdigem Humor, Dorfdramen mit Mitsommernachtszauber und erzählen gleichzeitig auch vom universellen Problem des Erwachsenwerdens.

(Darsteller: Tommy Vallikari, Andreas af Enehjelm, Kati Outinen )

Mi. 10.02., 20.30 Uhr – Du levande /​Das jüngste Gewitter Regie & Drehbuch: Roy Andersson, ( Schweden 2007), 94 Min., OmU

Das Leben mag mitunter langweilig, trivial, deprimierend und absurd sein. Ebenso wie es Momente großer Freude, überschwänglichen Glücks und emphatischer Liebe beinhaltet, lässt es uns zweifeln und nicht selten einfach ratlos zurück. Nach „Songs from the Second Floor“ beschäftigte sich der schwedische Filmemacher Roy Andersson in seiner dieses Jahr in Cannes uraufgeführten schwarzen Komödie „Das jüngste Gewitter“ einmal mehr mit den Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz. Darin treffen Momente schmerzhafter Melancholie auf Szenen voller Lakonie und skurriler Leichtigkeit.

(Darsteller: Håkan Angser, Björn Englund, Erick Bäckman, Elisabeth Helander, Gunnar Ivarsson, Lennart Eriksson, Patrik Anders Edgren)

Das komplette Kinoprogramm des Kommunalen Kinos findest du hier

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