// Literatur

Sonntag, 07. Februar 2010

LeseLounge

Schön war's

Tina Uebel las aus "Die Wahrheit über Frankie" Foto:L.Brixa
Tina Uebel las aus "Die Wahrheit über Frankie" Foto:L.Brixa

Das Lite­ra­tur­haus lud am Mitt­woch, den 03. Februar zur ins­ge­samt vier­ten Lese­Lounge seit der Wie­der­be­le­bung die­ses For­ma­tes. Und alle waren sie da – die treuen und die neu gewon­ne­nen Fans guter Unter­hal­tung und alle freu­ten sich im mal wie­der rest­los aus­ver­kauf­ten Lite­ra­tur­haus auf einen Abend mit guten Geschich­ten und guter Musik.

In gemüt­li­cher Retro‐​Wohnzimmeratmosphäre eröff­nete die Ham­bur­ger Auto­rin Tina Uebel mit etwas Ver­spä­tung die erste Lese­Lounge in die­sem Jahr mit den Wor­ten „Vor­le­sen ist immer blöd“, bevor sie begann aus ihrem Roman „Die Wahr­heit über Fran­kie“ zu lesen. Die Geschichte ent­stand nach einer wah­ren Bege­ben­heit, die sich in Eng­land zuge­tra­gen hatte. Den Schau­platz ihrer Geschichte hatte sie aller­dings nach Ham­burg ver­legt: in den Ham­bur­ger Unter­grund, im Milieu von Ter­ro­ris­ten und Spio­nen, süd­lich der Elbe, irgendwo zwi­schen Ved­del und Wil­helms­burg. Ihre Prot­ago­nis­ten – drei junge Men­schen – Chris­toph, Judith und Emma. Nach Jah­ren sind die drei ange­tre­ten, um die Wahr­heit über Fran­kie zu erzäh­len. Doch es gibt nicht die eine Wahr­heit. Die Wahr­heit zeigt sich Ver­laufe des Roma­nes als ein höchst sub­jek­ti­ves und vages Kon­zept. Wahr ist, was wir für wahr hal­ten wol­len, bleibt als in jeder Hin­sicht beun­ru­hi­gende Erkenntnis.

Es ist vor­bei. Wir haben alles ver­lo­ren. Ich habe mein Leben ver­lo­ren, ver­ra­ten werde ich es aber nicht. Ich bin bereit zu kämp­fen – bis zum Schluss.“

Kris­tof Magnus­sons „Das war ich nicht“

Kris­tof Magnus­son las aus sei­nem zwei­ten Roman „Das war ich nicht“ Foto: L. Brixa
Und auch im Roman „Das war ich nicht“ des zwei­ten Gas­tes exis­tie­ren drei Prot­ago­nis­ten. Kris­tof Magnus­son erzählt darin kurz gesagt, eine Lie­bes­ge­schichte vor dem Hin­ter­grund des kri­sen­ge­schüt­tel­ten Finanz­mi­lieus. Ken­nen­ge­lernt hat das Lese­Lounge Publi­kum aller­dings nur zwei von drei Prot­ago­nis­ten – Jas­per, der Bän­ker und Meike, die Über­set­ze­rin. In wel­cher Bezie­hung die bei­den zu dem aus­ge­brann­ten Schrift­stel­ler Henry ste­hen, wurde nicht ver­ra­ten. Und so begeg­nen wir Jas­per das erste Mal auf sei­nem Rück­flug von einer Dienst­reise, die ihn im Auf­trag sei­nes Arbeit­ge­bers Ruth­er­ford & Gold nach Europa führte. Zurück in Chi­cago muss er fest­stel­len, dass an sei­nem Arbeits­platz in der 29. Reihe des Groß­raum­bü­ros über dem ein jeder­zeit aus­tausch­ba­res Namens­schild hängt, bereits ein ande­rer sitzt. „Gefeu­ert!“ schießt es Jas­per durch den Kopf als er den Kra­wat­ten­trä­ger aus der IT‐​Abteilung erblickt, der sei­nen Com­pu­ter in sei­ner Abwe­sen­heit für sei­nen Nach­fol­ger einrichtet.

Mit einem Neu­an­fang sieht sich auch Meike kon­fron­tiert. Am Ende ihrer zehn­jäh­ri­gen Bezie­hung mit Artur erfüllt sie sich einen Traum und zieht von Ham­burg auf´s Land. Es war diese unbe­stimm­tes Gefühl was in ihr erwachte, das Gefühl von „Heim­weh nach einem Ort, von dem ich nicht wusste, wo er war.“ Doch ganz so glück­lich ist sie mit der aktu­el­len Situa­tion nicht. „Und jetzt muss ich mich nur noch daran gewöh­nen, dass es schön ist: mein Leben.“ Denn irgend­wie hatte sie sich das alles anders vor­ge­stellt. „Kaf­fee, Sofa, Abend­licht und dazuTannhäuser‐​Klänge. Das war nun wirk­lich schön und so soll­ten sie ihre Freunde in Ham­burg sehen.“ Doch das Leben auf dem Land gestal­tet sich schwie­ri­ger als geglaubt.

Musi­ka­li­scher Ausklang

Tina Uebel und Kris­tof Magnus­son haben mit ihren völ­lig unter­schied­li­chen Geschich­ten die Neu­gier des Publi­kums geweckt und Lust auf mehr gemacht. Es hat Spaß gemacht, ihnen bei­den beim Vor­le­sen zuzu­hö­ren. Damit war der gemüt­li­che Teil des Abends abge­schlos­sen, aber der Abend noch lange nicht been­det. Es folgte zunächst der Auf­tritt von Jan alias Wal­hei­mat und im Anschluss brachte DJ Gazi den Plat­ten­spie­ler bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den zum Glü­hen. Tschüß und wei­tere Infos zur nächs­ten Lese­Lounge im Mai gibt es recht­zei­tig hier beim För­de­flüs­te­rer zu lesen.

  • Tina Uebel „Die Wahr­heit über Fran­kie, Roman, C:H. Beck 2009, 310 Sei­ten, 19,90 ¤
  • Kris­tof Magnus­son „Das war ich nicht“, Roman, Antje Kunst­mann Ver­lag 2010, 288 Sei­ten, 19,90 ¤

Über den Autor

Anita Vrcic Anita Vrcic

Als diplo­mierte Ur– und Früh­ge­schicht­le­rin inter­es­siere ich mich nicht aus­schließ­lich für alte Kul­tu­ren, son­dern auch für Zeit­ge­nös­si­sches. Ich mag Lite­ra­tur, Kunst, Musik, Filme und Theater.

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