Dienstag, 02. März 2010
Kolumne
Im Christentum, hier vor allem in der römisch‐katholischen Kirche, entfällt in der Fastenzeit in erster Linie Fleisch. Doch weil in modernen Zeiten nicht jeder Mensch Vegetarismus als Verzicht empfindet, schlägt die Kirche auch andere Formen des Fastens vor. Viele essen in der Zeit beispielsweise keine Süßigkeiten und verzichten auf den Konsum von Genussmitteln wie Kaffee, Tee oder Alkohol. Andere dagegen schränken alltäglich gewordene Gewohnheiten wie Fernsehen, Musik hören oder Computerspielen ein und meiden Kneipen– oder Diskobesuche. Die bewusste Einschränkung soll vor allem den Geist stärken. In der östlich‐orthodoxen Kirche sowie in der evangelischen Kirche gelten das Beten sowie die möglichst strenge Enthaltung von den Sünden, nicht ausschließlich der Nahrungsverzicht, als der wichtigere Teil des Fastens. Auch andere große Religionen wie z.B. der Islam kennen das Fasten.
Was aber bedeutet die Fastenzeit für mich? Nun, wie es der Zufall so wollte, kam ich vor 31 Jahren an einem Aschermittwoch zur Welt. Ob mit meiner Geburt für meine Eltern nun eine mehr als 40 Tage andauernde Fastenzeit begann, kann ich schlecht beurteilen. Das müsste man schon sie selbst befragen. In meiner Heimat, dem Rheinland, kennt der Karnevalist auch zu diesem, für ihn traurigen, Anlass ein fröhliches Lied und das geht so…
Am Aschermittwoch ist alles vorbei.
Die Schwüre von Treue sie brechen entzwei,
Von all deinen Küssen darf ich nichts mehr wissen.
Wie schön es auch sei, Dann ist alles vorbei.
Trinke die Freude, denn heut ist heut.
Das, was erfreut, hat noch nie gereut,
Fülle mit Leichtsinn dir den Pokal: Karneval, Karneval!
Hast du zum Küssen Gelegenheit, Mensch, dann geh ran mit Verwegenheit.
Sag niemals nein: wenn das Glück dir winkt, Bald das Finale erklingt:
Am Aschermittwoch ist alles vorbei.
Die Schwüre von Treue sie brechen entzwei,
Von all deinen Küssen darf ich nichts mehr wissen.
Wie schön es auch sei, dann ist alles vorbei.
Doch genug davon, denn mein Fasten hat nichts mit Fremdknutschen oder gar dem Verzicht darauf zu tun. Ja, tatsächlich faste ich zurzeit. Und der Zufall hat dafür gesorgt, dass mein persönlicher Verzicht genau in den Zeitraum der traditionellen christlichen Fastenzeit fällt, so dass man meinen könnte mein Handeln sei religiös motiviert. Wie gesagt: Es ist purer Zufall. Ich verzichte bereits seit geraumer Zeit auf Zucker in allen nur erdenklichen Formen. Keine Schokolade, keine Kekse, keine Fruchtgummis, keine Marmelade, kein Honig, kein Obst, keine Salami, denn die enthält auch Zucker. Die einzigen Zuckerarten, die man mir gönnt sind Traubenzucker und Süßstoff, aber keine Zuckeraustauschstoffe – das bedeutet, dass noch nicht einmal Kaugummis und zahnfreundliche Bonbons erlaubt sind. Aber Traubenzucker und Süßstoff sind keine echten Alternativen, denn ich hasse die Konsistenz von Traubenzucker und den Geschmack von Süßstoff. Natürlich tue ich mir das nicht freiwillig an, wie könnte ich auch! In meinen Augen gleicht dieser Verzicht glatt einem kulinarischen Todesurteil und einen beträchtlichen Verlust an Lebensqualität, aber für eine kurze Zeit muss es eben sein. So eine Fructose‐Intoleranz ermöglicht mir das Fasten unfreiwillig in ganz großem Stil. Mehr als 40 Tage lange werde ich auf all das verzichten müssen und wofür? Um danach wieder genauso süß zu essen und zu trinken wie zuvor, denn mein Geist ist durch diese Prozedur kein bisschen stärker geworden …Man möge es mir verzeihen. Da verzichte ich doch lieber (und das spielend) auf das ein oder andere Vergnügen, als dass ich auf Süßes verzichten könnte. Diese Form des Fasten ist nicht meins.