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Dienstag, 02. März 2010

Kolumne

Oh du schöne Fastenzeit

Weihnachten - die Zeit der Völlerei. Doch nun ist Fastenzeit und es heißt Zucker bye, bye. Foto: Archiv
Weihnachten - die Zeit der Völlerei. Doch nun ist Fastenzeit und es heißt Zucker bye, bye. Foto: Archiv

Seit Ascher­mitt­woch – für alle Nicht‐​Karnevalisten und Nicht‐​Gläubigen das war der 17. Februar 2010 – ist Fas­ten­zeit. Das Ende der tol­len Tage ist gleich­zei­tig der Beginn der Fas­ten­zeit. Die Fas­ten­zeit umfasst im Chris­ten­tum den Zeit­raum von sie­ben Wochen, sie beginnt am Ascher­mitt­woch und endet in der Oster­nacht. Das Chris­ten­tum erin­nert damit an das 40‐​tägige Fas­ten Jesu Christi.

Im Chris­ten­tum, hier vor allem in der römisch‐​katholischen Kir­che, ent­fällt in der Fas­ten­zeit in ers­ter Linie Fleisch. Doch weil in moder­nen Zei­ten nicht jeder Mensch Vege­ta­ris­mus als Ver­zicht emp­fin­det, schlägt die Kir­che auch andere For­men des Fas­tens vor. Viele essen in der Zeit bei­spiels­weise keine Süßig­kei­ten und ver­zich­ten auf den Kon­sum von Genuss­mit­teln wie Kaf­fee, Tee oder Alko­hol. Andere dage­gen schrän­ken all­täg­lich gewor­dene Gewohn­hei­ten wie Fern­se­hen, Musik hören oder Com­pu­ter­spie­len ein und mei­den Knei­pen– oder Dis­ko­be­su­che. Die bewusste Ein­schrän­kung soll vor allem den Geist stär­ken. In der östlich‐​orthodoxen Kir­che sowie in der evan­ge­li­schen Kir­che gel­ten das Beten sowie die mög­lichst strenge Ent­hal­tung von den Sün­den, nicht aus­schließ­lich der Nah­rungs­ver­zicht, als der wich­ti­gere Teil des Fas­tens. Auch andere große Reli­gio­nen wie z.B. der Islam ken­nen das Fasten.

Ich und das Fasten

Was aber bedeu­tet die Fas­ten­zeit für mich? Nun, wie es der Zufall so wollte, kam ich vor 31 Jah­ren an einem Ascher­mitt­woch zur Welt. Ob mit mei­ner Geburt für meine Eltern nun eine mehr als 40 Tage andau­ernde Fas­ten­zeit begann, kann ich schlecht beur­tei­len. Das müsste man schon sie selbst befra­gen. In mei­ner Hei­mat, dem Rhein­land, kennt der Kar­ne­va­list auch zu die­sem, für ihn trau­ri­gen, Anlass ein fröh­li­ches Lied und das geht so…

Am Ascher­mitt­woch ist alles vorbei.

Die Schwüre von Treue sie bre­chen entzwei,

Von all dei­nen Küs­sen darf ich nichts mehr wissen.

Wie schön es auch sei, Dann ist alles vorbei.

Trinke die Freude, denn heut ist heut.

Das, was erfreut, hat noch nie gereut,

Fülle mit Leicht­sinn dir den Pokal: Kar­ne­val, Karneval!

Hast du zum Küs­sen Gele­gen­heit, Mensch, dann geh ran mit Verwegenheit.

Sag nie­mals nein: wenn das Glück dir winkt, Bald das Finale erklingt:

Am Ascher­mitt­woch ist alles vorbei.

Die Schwüre von Treue sie bre­chen entzwei,

Von all dei­nen Küs­sen darf ich nichts mehr wissen.

Wie schön es auch sei, dann ist alles vorbei.

Doch genug davon, denn mein Fas­ten hat nichts mit Fremd­knut­schen oder gar dem Ver­zicht dar­auf zu tun. Ja, tat­säch­lich faste ich zur­zeit. Und der Zufall hat dafür gesorgt, dass mein per­sön­li­cher Ver­zicht genau in den Zeit­raum der tra­di­tio­nel­len christ­li­chen Fas­ten­zeit fällt, so dass man mei­nen könnte mein Han­deln sei reli­giös moti­viert. Wie gesagt: Es ist purer Zufall. Ich ver­zichte bereits seit gerau­mer Zeit auf Zucker in allen nur erdenk­li­chen For­men. Keine Scho­ko­lade, keine Kekse, keine Frucht­gum­mis, keine Mar­me­lade, kein Honig, kein Obst, keine Salami, denn die ent­hält auch Zucker. Die ein­zi­gen Zucker­ar­ten, die man mir gönnt sind Trau­ben­zu­cker und Süß­stoff, aber keine Zucker­aus­tausch­stoffe – das bedeu­tet, dass noch nicht ein­mal Kau­gum­mis und zahn­freund­li­che Bon­bons erlaubt sind. Aber Trau­ben­zu­cker und Süß­stoff sind keine ech­ten Alter­na­ti­ven, denn ich hasse die Kon­sis­tenz von Trau­ben­zu­cker und den Geschmack von Süß­stoff. Natür­lich tue ich mir das nicht frei­wil­lig an, wie könnte ich auch! In mei­nen Augen gleicht die­ser Ver­zicht glatt einem kuli­na­ri­schen Todes­ur­teil und einen beträcht­li­chen Ver­lust an Lebens­qua­li­tät, aber für eine kurze Zeit muss es eben sein. So eine Fructose‐​Intoleranz ermög­licht mir das Fas­ten unfrei­wil­lig in ganz gro­ßem Stil. Mehr als 40 Tage lange werde ich auf all das ver­zich­ten müs­sen und wofür? Um danach wie­der genauso süß zu essen und zu trin­ken wie zuvor, denn mein Geist ist durch diese Pro­ze­dur kein biss­chen stär­ker gewor­den …Man möge es mir ver­zei­hen. Da ver­zichte ich doch lie­ber (und das spie­lend) auf das ein oder andere Ver­gnü­gen, als dass ich auf Süßes ver­zich­ten könnte. Diese Form des Fas­ten ist nicht meins.

Über den Autor

Anita Vrcic Anita Vrcic

Als diplo­mierte Ur– und Früh­ge­schicht­le­rin inter­es­siere ich mich nicht aus­schließ­lich für alte Kul­tu­ren, son­dern auch für Zeit­ge­nös­si­sches. Ich mag Lite­ra­tur, Kunst, Musik, Filme und Theater.

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