// Konzertreview

Dienstag, 16. März 2010

Jennifer Rostock in der Pumpe

Mit Konfetti und Zugaben die Bühne gerockt

Jennifer Weist. (Fotos: Sascha Krokowski)
Jennifer Weist. (Fotos: Sascha Krokowski)

Am Sams­tag, den 13. März prä­sen­tierte der För­de­flüs­te­rer die Wahl­ber­li­ne­rin Jen­ni­fer Weist und ihre Band­kol­le­gen von „Jen­ni­fer Ros­tock“ in der Kie­ler Pumpe, wo ein aus­ge­las­se­nes Publi­kum ihre Hel­den aus­gie­big feierte.

Zahl­reich waren sie erschie­nen, die Fans der selbst­er­nann­ten „Business‐​Punks“, die meis­ten unter fünf­und­zwan­zig Jahre alt, teil­weise in schwarz geklei­det, aber auch viele „Nor­ma­los“, die eine ener­gie­ge­la­dene Band erwar­te­ten und nicht ent­täuscht wur­den. Als Vor­band wurde an die­sem erst zwei­ten Tag der aktu­el­len Tour „Der Film­riss“ die Band „Base“ ein­ge­la­den um das Publi­kum anzu­hei­zen, was in eini­gen Ecken mäßig gelang. Besu­cher beschrie­ben die Band als eine Mischung aus The Cure, Bloc Party, Depe­che Mode, also „Syn­thi mit deut­schen Texten“.

Um 22 Uhr spran­gen dann die Band­mit­glie­der von „Jen­ni­fer Ros­tock“ auf die Bühne und ent­flamm­ten ihr musi­ka­li­sches Feu­er­werk, vor allem die Teen­ager­ab­tei­lung im Publi­kum erwies sich als sehr text­si­cher und konnte nahezu von Beginn bis Ende des Kon­zer­tes lip­pen­syn­chron mitsingen.

Die Band inter­agierte stark mit dem Publi­kum: Sas­kia aus Kiel durfte auf der Bühne „Kopf oder Zahl“ sin­gen, den Titel, mit dem die Band bei Ste­fan Raabs „Bun­des­vi­sion Song Con­test“ einem grö­ße­ren Publi­kum bekannt wurde. Der sich als homo­se­xu­ell geou­tete Kevin durfte gar auf der Bühne mit der Front­sän­ge­rin tan­zen, nach­dem sie den Zuschau­ern bekannt gab, gerade „schwu­len Män­nern sehr zu ver­trauen“. Ins­ge­samt flir­tete Sän­gern Jen­ni­fer viel mit dem Kie­ler Publi­kum, und auch der Rest der Band stieg auf jeden Gag ein.

Die Musik­aus­wahl bot viele bekannte Songs, wenige Bal­la­den dafür zahl­rei­che rockige Stü­cke und die vor­de­ren Besu­cher­rei­hen hono­rier­ten dies mit wil­dem Pogo‐​Tanz vor der Bühne. Wer es ruhi­ger mochte, zog sich in die hin­te­ren Rei­hen zurück.

Offene Worte nicht nur in den Songtexten

Sän­ge­rin Jen­ni­fer Weist in Action.

Die Sän­ge­rin selbst gab auch zwi­schen den Songs ihr Bes­tes, das Publ­ikum auf ihre Weise zu unter­hal­ten: So spielte sie mit ihrem Aus­se­hen und ihrer Wir­kung auf Män­ner, sorgte aber auch für ent­waff­nende Momente, als sie frei­mü­tig zugab, etwas Sorge davor zu haben, dass ihre Klei­dung ver­rut­schen und dabei den Blick auf ihren Intim­be­reich frei­ge­ben könnte, bevor sie pas­send das Stück „Du willst mir an die Wäsche“ sang.

Um 23 Uhr wurde mit „Ich will hier raus“ der letzte Song vor den Zuga­ben ange­kün­digt, bevor die Band auf­grund zahl­rei­cher „Zugaben“-Rufe wie­der auf die Bühne trat. Front­frau Jen­ni­fer steckte oben genann­tem Kevin eine Ziga­rette zu und kün­digte auf diese Weise den Song „Gib mir Feuer“ an. Nach rund 15 Minu­ten und der drit­ten Zugabe „Nenn mich nicht Jenny!“ wur­den mit einem gro­ßen Knall Papier­schnip­sel und bunte Bän­der ins Publi­kum geschos­sen und das Publi­kum in die Nacht entlassen.

Für den För­de­flüs­te­rer besuchte Mia Man­zow das Kon­zert von „Jen­ni­fer Rostock“.

Fotos

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Kommentare


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paulapostelus's Avatar

user icon  paulapostelus:

noch nie in mei­nem leben habe ich ein so unmög­li­ches publi­kum erlebt. nun­gut, dass man als jenny‐​rostock‐​fan mit der musik der vor­band nicht unbe­dingt viel anzu­fan­gen weiß, u.a. weil diese dort ansetzt, wo der jenny‐​rostock‐​fan noch nicht ein­mal geplant war – geschenkt. und man soll ja auch gar nicht fre­ne­tisch jubeln, wenn man’s nicht mag. einen anstands­ap­plaus hätte man trotz­dem ruhig abge­ben kön­nen, aber so gab es nur ein­mal lau­te­ren applaus. näm­lich, als der sän­ger das letzte lied ankün­digte. selbst beim abbauen wurde die band noch aus den ers­ten rei­hen beschimpft. habe mich sel­ten so fremd­ge­schämt in mei­nem leben.

Mittwoch, 17. März 2010, 00:09


user icon  Kieler:

Wie sagt man so schön: Kein Applaus für scheiße.

Mittwoch, 25. August 2010, 16:29


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