// Konzertreview

Montag, 23. November 2009

Kielowatt Festival in der Pumpe

Mächtig laute Geburtstagsfeier

Das Kielowatt Festival 2009
Das Kielowatt Festival 2009

Das Kiel­o­watt Fes­ti­val fei­erte am 20. und 21. Novem­ber sein fünf­jäh­ri­ges Beste­hen. Die Ver­an­stal­ter hat­ten wie gewohnt ein gutes und viel­fäl­ti­ges Pro­gramm zusam­men­ge­stellt: Ins­ge­samt heiz­ten zwölf Bands aus Nord­deutsch­land den zahl­rei­chen Besu­chern ein. Als beson­de­rer Head­li­ner gaben sich am Sams­tag Ohren­feindt aus St. Pauli die Ehre.

Etwa 600 Besu­cher kamen im Her­zen Kiels zusam­men, um eine laute, aber fried­li­che Geburts­tags­party zu fei­ern und Bands ver­schie­de­ner Stil­rich­tun­gen zu hören. Der Frei­tag­abend war noch dem Under­ground gewid­met. Am Sonn­abend gab es Musik für ein brei­te­res Publi­kum. Beide Tage waren den­noch gut besucht.

Der Frei­tag

Zephyr aus Aukrug

Den Auf­takt bil­de­ten die Aukru­ger Zephyr. Mit ihrem alko­hol­ge­tränk­ten Pagan Metal stie­ßen sie sogleich beim Publi­kum auf Inter­esse. „Die Män­ner des Nor­dens“ (Song‐​Titel) grei­fen in ihren Tex­ten auf die skan­di­na­vi­sche Mytho­lo­gie und die Saga‐​Stoffe zurück, und ihre von Death und Black Metal beein­flusste Musik lud zum Kopf­ni­cken ein – eine gute Ein­stim­mung auf den Abend.

Als zweite Band enter­ten Slow Kill Sys­tem die Bühne. Die Kie­ler grif­fen die gute Stim­mung, die Zephyr ver­brei­tet hat­ten, auf und mobi­li­sier­ten die Fans. Dicht gedrängt vor dem Podium kam ihr Thrash Metal noch bes­ser und ließ die Leute headbangen.

Cur­sed Anguish

Cur­sed Angu­ish, die im Anschluss auf­tra­ten, spie­len Black Dark Metal. Ihre Songs, die sie bereits in Eigen­re­gie ver­öf­fent­li­chen konn­ten, schaf­fen eine beängs­ti­gende Atmo­sphäre. Dazu keift Sän­ger InVi­tro Songs wie „The Sym­biote“ so hass­er­füllt ins Mikro, dass es einem kalt den Rücken her­ab­läuft.

Als vierte Band tra­ten Small Heap Misery, die, wie berich­tet, kurz­fris­tig für Wey­land ein­ge­sprun­gen waren. Die fünf Jungs sind zwar erst um die 20 Jahre alt, rocken aber schon wie Hölle: Von Anfang an gaben sie Voll­gas. Front­mann Konz ist nicht zu bän­di­gen, ver­lässt die Bühne, begibt sich unter die Fans und ver­langt ihnen schließ­lich sogar eine kleine Wall of Death ab. SHM spie­len eine bra­chiale Mischung aus Thrash und Death Metal, die einen an die Wand drückt – und bei sei­ner Sta­tur fragt man sich, woher Konz die fie­sen Screams und abgrund­tie­fen Growls her­holt.

Black Metal aus Elms­horn: Frost

Frost aus Elms­horn waren der Abschluss am Frei­tag. Frost sind purer Hass. Mit Corpse Paint bemalt betra­ten sie die Bühne und tra­ten ein Inferno los. Ihr Black Metal ist tra­di­tio­nel­ler Her­kunft und ver­zich­tet auf Synthie‐​Spielereien. So ist ihre Musik auf das Wesent­li­che redu­ziert: bru­tal, pech­schwarz und klir­rend kalt schallt es in den immer noch gut besuch­ten Roten Saal. Erst nach einer Zugabe wur­den die Fans in die Nacht entlassen.

Der Sams­tag

Am Sams­tag wurde die „Con­cert Hall“ amt­lich gerockt.

In Rock We Trust

Als Opener fun­gier­ten die Kie­ler In Rock We Trust, die mit ihrem grad­li­ni­gen und grund­ehr­li­chen Hard Rock Plus­punkte sam­mel­ten und mäch­tig ein­heiz­ten. Ihre Riffs gin­gen sofort ins Ohr und blie­ben dort hän­gen. Ihr Sän­ger trug mit sei­ner Reibeisen‐​Stimme gehö­rig zu der guten Stim­mung bei.

Im Anschluss trat die Brain­fu­ckers Fun Foun­da­tion das Gas­pe­dal noch etwas wei­ter durch. Ihre Musik, die sich aus Groove Metal und Hard­core zusam­men­setzt, wird von einem Cello unter­stützt und bekommt dadurch eine sehr eigen­stän­dige Note: schnell, druck­voll und unver­kenn­bar.

Mit Ivory Tower gab es dann etwas ganz ande­res. Die Kie­ler spie­len Pro­gres­sive Metal und sta­chen damit aus dem Pro­gramm her­vor. Den­noch war der Saal voll, und die Band, die bereits vier Alben ver­öf­fent­licht hat, spielte ihren Set mit gro­ßer Spiel­freude. Die Instru­men­tal­ab­tei­lung war tadel­los und Sän­ger Andre Fischer war gut bei Stimme – auch in den höhe­ren Lagen.

Nikki Pup­pet heiz­ten den Fans ein

Nikki Pup­pet wie­derum boten Female Fron­ted Hard Rock. Ihr Stiel erin­nert an Acht­zi­ger Hard Rock im moder­nen Gewand. Was auf CD nicht hun­dert­pro­zen­tig funk­tio­niert, ent­fal­tet live eine enorme Wir­kung: Die Songs kom­men mäch­tig rockend rüber, der Sound knallt gewal­tig, und mit Fron­tröhre Nicky und Bas­sis­tin Anke gibt es was fürs Auge.

Vla­di­mir Harkonnen

Vla­di­mir Har­kon­nen sind pure Ener­gie: Sie drü­cken mäch­tig auf das Gas­pe­dal, räu­men mit Knal­lern wie „Road­kill BBQ“ oder „Party of the Dam­ned“ alle bei­seite, die im Weg ste­hen, und kön­nen auch von einer geris­se­nen Bass‐​Saite nicht lange auf­ge­hal­ten wer­den. Im Vor­über­don­nern zei­gen sie soge­nann­ten „Busi­ness Punks“ den Mit­tel­fin­ger und am Ende zieht es Ram­pen­sau Phil­ipp Wol­ter in den Mosh­pit – ein kur­zer, gewal­ti­ger Auf­tritt.

Bäd Influ­ence aus Ham­burg haben es danach nicht leicht und benö­ti­gen etwas Anlauf­zeit, um dann aber rich­tig zu zün­den. Sän­ger Mark muss sich anstren­gen, um gegen den kraft­vol­len Sound sei­ner Band zu beste­hen, aber mit sei­nem cha­ris­ma­ti­schen Auf­tritt gelingt es ihm spie­lend, und das Did­ge­ri­doo trägt ebenso wie das dif­fuse Licht zu der unheim­li­chen Atmo­sphäre der Lie­der bei.

Als Ohren­feindt die Bühne betra­ten, wurde es erwar­tungs­ge­mäß prop­pe­voll im Saal. Wem die Umbau­phase zu lang vor­kam, wurde mit dem ers­ten Ton davon über­zeugt, dass sich das War­ten gelohnt hatte: Der Hard Rock der Kiez‐​Combo drückte so wuch­tig ins Gesicht, dass einem gar nichts ande­res übrig blieb, als im Takt sol­cher Knal­ler wie „Flucht­wa­gen­fah­rer“, „Ener­gie“ oder „Rock’n’Roll Sex­gott“ zu bangen.

Voll­gas­rock aus St. Pauli: Ohrenfeindt

Auch die Füße wol­len trotz der Uhr­zeit nicht still­hal­ten. Fette Riffs und ein häm­mern­des Schlag­zeug, lau­nige Ansa­gen von Sän­ger Chris Laut und die­ser ganz beson­dere nord­deut­sche Charme lie­ßen ver­ges­sen, dass es weit nach Mit­ter­nacht war. Ihre Texte han­deln vom Leben: von der Liebe; davon, dass dich das Leben manch­mal da packt, wo es beson­ders weh tut und davon, dass man trotz­dem wie­der auf­steht – eben davon, dass das Leben Rock’n’Roll ist.

Nach­lese

Abschlie­ßend soll nicht uner­wähnt blei­ben, dass das gesamte Fes­ti­val sehr gut orga­ni­siert war: Am Ein­gang wurde man von den Ver­an­stal­tern freund­lich begrüßt, man konnte sich im gesam­ten Pumpen‐​Bereich bewe­gen und auch mal nach drau­ßen tre­ten, ohne Pro­bleme beim Her­ein­kom­men zu haben. Die Umbau­pha­sen zwi­schen den Auf­trit­ten waren durch­weg von kur­zer Dauer, und der Sound war sowohl am Frei­tag als auch am Sams­tag super. Das Kiel­o­watt Fes­ti­val über­zeugte nicht nur musi­ka­lisch, son­dern auch orga­ni­sa­to­risch, weil die Macher mit viel Herz­blut bei der Sache sind. Auf die nächs­ten fünf Jahre!

Über den Autor

Arne Klahn Arne Klahn

Gebür­ti­ger Kie­ler, Herbst­kind, wind– und wet­ter­fest, durch und durch nord­deutsch. – Mag Lite­ra­tur, Film, Musik & Badminton.

Kommentare


Du bist nicht eingeloggt. Der Fördeflüsterer würde sich freuen, wenn Du Dich anmeldest oder Dich registrierst.

facebook

 

Hosting

 

Werbung