Montag, 23. November 2009
Kielowatt Festival in der PumpeEtwa 600 Besucher kamen im Herzen Kiels zusammen, um eine laute, aber friedliche Geburtstagsparty zu feiern und Bands verschiedener Stilrichtungen zu hören. Der Freitagabend war noch dem Underground gewidmet. Am Sonnabend gab es Musik für ein breiteres Publikum. Beide Tage waren dennoch gut besucht.
Den Auftakt bildeten die Aukruger Zephyr. Mit ihrem alkoholgetränkten Pagan Metal stießen sie sogleich beim Publikum auf Interesse. „Die Männer des Nordens“ (Song‐Titel) greifen in ihren Texten auf die skandinavische Mythologie und die Saga‐Stoffe zurück, und ihre von Death und Black Metal beeinflusste Musik lud zum Kopfnicken ein – eine gute Einstimmung auf den Abend.
Als zweite Band enterten Slow Kill System die Bühne. Die Kieler griffen die gute Stimmung, die Zephyr verbreitet hatten, auf und mobilisierten die Fans. Dicht gedrängt vor dem Podium kam ihr Thrash Metal noch besser und ließ die Leute headbangen.
Cursed Anguish, die im Anschluss auftraten, spielen Black Dark Metal. Ihre Songs, die sie bereits in Eigenregie veröffentlichen konnten, schaffen eine beängstigende Atmosphäre. Dazu keift Sänger InVitro Songs wie „The Symbiote“ so hasserfüllt ins Mikro, dass es einem kalt den Rücken herabläuft.
Als vierte Band traten Small Heap Misery, die, wie berichtet, kurzfristig für Weyland eingesprungen waren. Die fünf Jungs sind zwar erst um die 20 Jahre alt, rocken aber schon wie Hölle: Von Anfang an gaben sie Vollgas. Frontmann Konz ist nicht zu bändigen, verlässt die Bühne, begibt sich unter die Fans und verlangt ihnen schließlich sogar eine kleine Wall of Death ab. SHM spielen eine brachiale Mischung aus Thrash und Death Metal, die einen an die Wand drückt – und bei seiner Statur fragt man sich, woher Konz die fiesen Screams und abgrundtiefen Growls herholt.
Frost aus Elmshorn waren der Abschluss am Freitag. Frost sind purer Hass. Mit Corpse Paint bemalt betraten sie die Bühne und traten ein Inferno los. Ihr Black Metal ist traditioneller Herkunft und verzichtet auf Synthie‐Spielereien. So ist ihre Musik auf das Wesentliche reduziert: brutal, pechschwarz und klirrend kalt schallt es in den immer noch gut besuchten Roten Saal. Erst nach einer Zugabe wurden die Fans in die Nacht entlassen.
Am Samstag wurde die „Concert Hall“ amtlich gerockt.
Als Opener fungierten die Kieler In Rock We Trust, die mit ihrem gradlinigen und grundehrlichen Hard Rock Pluspunkte sammelten und mächtig einheizten. Ihre Riffs gingen sofort ins Ohr und blieben dort hängen. Ihr Sänger trug mit seiner Reibeisen‐Stimme gehörig zu der guten Stimmung bei.
Im Anschluss trat die Brainfuckers Fun Foundation das Gaspedal noch etwas weiter durch. Ihre Musik, die sich aus Groove Metal und Hardcore zusammensetzt, wird von einem Cello unterstützt und bekommt dadurch eine sehr eigenständige Note: schnell, druckvoll und unverkennbar.
Mit Ivory Tower gab es dann etwas ganz anderes. Die Kieler spielen Progressive Metal und stachen damit aus dem Programm hervor. Dennoch war der Saal voll, und die Band, die bereits vier Alben veröffentlicht hat, spielte ihren Set mit großer Spielfreude. Die Instrumentalabteilung war tadellos und Sänger Andre Fischer war gut bei Stimme – auch in den höheren Lagen.
Nikki Puppet wiederum boten Female Fronted Hard Rock. Ihr Stiel erinnert an Achtziger Hard Rock im modernen Gewand. Was auf CD nicht hundertprozentig funktioniert, entfaltet live eine enorme Wirkung: Die Songs kommen mächtig rockend rüber, der Sound knallt gewaltig, und mit Frontröhre Nicky und Bassistin Anke gibt es was fürs Auge.
Vladimir Harkonnen sind pure Energie: Sie drücken mächtig auf das Gaspedal, räumen mit Knallern wie „Roadkill BBQ“ oder „Party of the Damned“ alle beiseite, die im Weg stehen, und können auch von einer gerissenen Bass‐Saite nicht lange aufgehalten werden. Im Vorüberdonnern zeigen sie sogenannten „Business Punks“ den Mittelfinger und am Ende zieht es Rampensau Philipp Wolter in den Moshpit – ein kurzer, gewaltiger Auftritt.
Bäd Influence aus Hamburg haben es danach nicht leicht und benötigen etwas Anlaufzeit, um dann aber richtig zu zünden. Sänger Mark muss sich anstrengen, um gegen den kraftvollen Sound seiner Band zu bestehen, aber mit seinem charismatischen Auftritt gelingt es ihm spielend, und das Didgeridoo trägt ebenso wie das diffuse Licht zu der unheimlichen Atmosphäre der Lieder bei.
Als Ohrenfeindt die Bühne betraten, wurde es erwartungsgemäß proppevoll im Saal. Wem die Umbauphase zu lang vorkam, wurde mit dem ersten Ton davon überzeugt, dass sich das Warten gelohnt hatte: Der Hard Rock der Kiez‐Combo drückte so wuchtig ins Gesicht, dass einem gar nichts anderes übrig blieb, als im Takt solcher Knaller wie „Fluchtwagenfahrer“, „Energie“ oder „Rock’n’Roll Sexgott“ zu bangen.
Auch die Füße wollen trotz der Uhrzeit nicht stillhalten. Fette Riffs und ein hämmerndes Schlagzeug, launige Ansagen von Sänger Chris Laut und dieser ganz besondere norddeutsche Charme ließen vergessen, dass es weit nach Mitternacht war. Ihre Texte handeln vom Leben: von der Liebe; davon, dass dich das Leben manchmal da packt, wo es besonders weh tut und davon, dass man trotzdem wieder aufsteht – eben davon, dass das Leben Rock’n’Roll ist.
Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, dass das gesamte Festival sehr gut organisiert war: Am Eingang wurde man von den Veranstaltern freundlich begrüßt, man konnte sich im gesamten Pumpen‐Bereich bewegen und auch mal nach draußen treten, ohne Probleme beim Hereinkommen zu haben. Die Umbauphasen zwischen den Auftritten waren durchweg von kurzer Dauer, und der Sound war sowohl am Freitag als auch am Samstag super. Das Kielowatt Festival überzeugte nicht nur musikalisch, sondern auch organisatorisch, weil die Macher mit viel Herzblut bei der Sache sind. Auf die nächsten fünf Jahre!