// Szene

Montag, 19. Oktober 2009

ClickClickDecker

Kevin Hamann im Porträt

Kevin Hamann live in der Pumpe.
Kevin Hamann live in der Pumpe.

Am ver­gan­ge­nen Frei­tag, den 16. Okto­ber spiel­ten Click­Click­De­cker erst­mals seit zwei­ein­halb Jah­ren wie­der in Kiel. Rund 400 Fans ström­ten für die Ham­bur­ger Band in die Pumpe und fei­er­ten eine zwei­stün­dige Indie­party. Der För­de­flüs­te­rer traf sich im Vor­feld des Kon­zerts mit ClickClickDecker‐​Mastermind Kevin Hamann.

Am Don­ners­tag noch spiel­ten Click­Click­De­cker ein Kon­zert in Ober­hau­sen, ehe es am nächs­ten Tag fast 500 Kilo­me­ter gen Nor­den bis nach Kiel ging. Am kom­men­den Wochen­ende steht für die Band gar ein Höl­len­trip von über 750 Kilo­me­ter auf dem Plan, wenn es heißt, von Hei­del­berg nach Ros­tock wei­ter­zu­zie­hen. Was jeden gelehr­ten Hand­lungs­rei­sen­den die Hände über dem Kopf zusam­men­schla­gen lässt, gehört aller­dings zum Tou­rall­tag einer jeden Band. Und die Angst, auf­grund ungüns­ti­ger Ver­kehrs­si­tua­tio­nen zu spät zum eige­nen Kon­zert zu kom­men, fährt daher häu­fig mit.

Sound­check, essen und los

So hat­ten auch Click­Click­De­cker am Frei­tag „dank“ eines ellen­lan­gen Staus auf der A1 große Pro­bleme damit, noch recht­zei­tig die Kie­ler Pumpe zu errei­chen. Die Däm­me­rung war bereits über der Lan­des­haupt­stadt her­ein­ge­bro­chen, als die Band end­lich die Haß­straße erreichte. Nach Büh­nen­auf­bau und Sound­check begann auch schon der Ein­lass des Publi­kums. Die Band und die Tour­crew zogen sich noch schnell in einen der vie­len Kon­fe­renz­räume der Pumpe zurück, um vor dem Kon­zert noch etwas Ess­ba­res zu sich zu neh­men. Trotz all des Stres­ses nahm sich ClickClickDecker‐​Mastermind Kevin Hamann noch einige Minu­ten Zeit für den Fördeflüsterer.

Kevin Hamann (Foto: Jan Kruse).

Gerne hätte man auch – wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren – im Welt­ruf gespielt, stellt Hamann gleich klar. Jedoch sei Click­Click­De­cker mitt­ler­weile eine vier­köp­fige Band und die Bühne im Club in der Lan­gen Reihe ein­fach zu klein. Die Ent­schei­dung für die Pumpe stellte sich aber defi­ni­tiv als eine rich­tige her­aus, denn auch der Vor­ver­kauf über­traf die Erwar­tun­gen. Im Welt­ruf, einem „gei­len Club“, so Kevin Hamann, hät­ten gar nicht alle Kar­ten­käu­fer unter­kom­men können.

Debüt vor sechs Jah­ren in der Meierei

Im Grunde ist es aber nicht ver­wun­der­lich, dass die Pumpe so viele Kar­ten für das ClickClickDecker‐​Konzert ver­kau­fen konnte. Denn die Band ist schon seit Jah­ren ein gern gese­he­ner Liveact in der Lan­des­haupt­stadt. Und auch Kevin Hamann stat­tet Kiel immer wie­der gerne einen Besuch ab: „Ich ver­su­che eigent­lich, ein­mal im Jahr hier zu spie­len. Im letz­ten Jahr hab ich es lei­der nicht geschafft.“ Drei­zehn Monate lang lebte der Ham­bur­ger sogar an der Förde, da er sei­nen Zivil­dienst in Kiel ableis­tete. Und auch seine Musik­kar­riere betref­fend sei Kiel eine wich­tige Sta­tion gewe­sen, denn im Okto­ber 2003 habe er in der Alten Meie­rei sein aller­ers­tes Solo­kon­zert über­haupt gespielt – als Sup­port von Tur­bo­staat und Monochrome.

Die Band Click­Click­De­cker (Foto: Tor­ben Iversen)

Mitt­ler­weile steht Kevin Hamann aber meis­tens nicht mehr alleine auf der Bühne. Zusam­men mit Oli­ver Stangl an der Gitarre, Simon Rass am Schlag­zeug und Lars Lewe­renz am Bass ist Click­Click­De­cker zu einer rich­ti­gen Rock­band her­an­ge­reift. Beson­ders mit Letz­te­rem hat Kevin Hamann ein beson­de­res Ver­hält­nis, denn Lars Lewe­renz ist gleich­zei­tig Chef von „Audio­lith“, dem Plat­ten­la­bel der Band. Pro­ble­ma­tisch sei dies aber nicht, ver­si­chert Kevin Hamann: Man sei gut befreun­det, ein Chef/​Angestellten‐​Verhältnis bestünde daher nicht. Lewe­renz würde ihm nicht in seine Arbeit hin­ein­re­den, dies täte er bei den ande­ren Künst­lern auf dem Label aller­dings auch nicht. „Eigen­ar­tig ist nur, dass er mich einer­seits für meine Plat­ten bezahlt und ich ihn ande­rer­seits dafür, dass er in mei­ner Band spielt“, so Hamann weiter.

Somit besitzt Kevin Hamann also voll­kom­mene Nar­ren­frei­heit, was die Krea­tion sei­ner Musik und sei­ner Texte betrifft. Vor allem mit den Tex­ten spricht er vie­len Indie‐​Kids aus der Seele, viele Signa­tu­ren in Internet‐​Diskussionsforen zie­ren Zitate aus sei­nen Songs. Hamann selbst möchte mit sei­nen Lie­dern ledig­lich Denk­an­stöße geben: „Ich will Men­schen mit mei­nen Tex­ten nicht formen.“

Kevin Hamann am Frei­tag in der Pumpe.

2010 wird Bratze‐​Jahr

Für das – die in Eigen­re­gie pro­du­zier­ten und ver­trie­be­nen „Früh­werke“ aus­ge­nom­men – dritte Album „Den Umstän­den ent­spre­chend“, das Anfang 2009 erschien, stellt die noch bis 1. Nove­mber lau­fende Tour einen Abschluss dar – und auch für die Band Click­Click­De­cker bedeu­tet dies eine län­gere Pause. Denn gleich dar­auf kon­zen­triert sich Kevin Hamann auf sein zwei­tes musi­ka­li­sches „Baby“, das Elektro‐​Duo Bratze. Zusam­men mit Nor­man „Der Tante Renate“ Kolod­ziej wird dann der Nach­fol­ger des umju­bel­ten Debüts „Kraft“ in Angriff genom­men, erste Kon­zerte ste­hen sogar bereits im Novem­ber an. Dort wer­den dann bereits einige neue Stü­cke prä­sen­tiert, denn wäh­rend Kevin Hamann in den ver­gan­ge­nen Mona­ten die Lor­bee­ren für das letzte ClickClickDecker‐​Album auf Tour ein­heimste, schrieb er an neuen Bratze‐​Stücken. „Die Arbei­ten für Click­Click­De­cker und Bratze lau­fen immer par­al­lel ab: Wenn ich mit der einen Band eine Platte pro­mote, schreibe ich Lie­der für die andere“, so Hamann. Aller­dings schaffe man direkt zwi­schen den Kon­zer­ten nicht son­der­lich viel: „Man nimmt sich immer so viel vor, was man auf Tour machen möchte. Letzt­lich aber düm­pelt das Team doch wie­der vor sich hin. Wir sind eben nicht son­der­lich diszipliniert.“

Zusam­men mit Nor­man Kolod­ziej bil­det Kevin Hamann das Elektro‐​Duo Bratze.

Den­noch gilt Kevin Hamann, zusätz­lich auch als Mode­ra­tor beim Ham­bur­ger Radio­sen­der ByteFM tätig, zwei­fels­ohne als Krea­tiv­ma­schine. Dies wird er auch im nächs­ten Jahr auf dem neuen Bratze‐​Album und der sicher­lich anste­hen­den Bratze‐​Tour unter Beweis stel­len. Hof­fent­lich taucht dann auch Kiel wie­der in sei­nem Kon­zert­ka­len­der auf. Am Frei­tag in der Pumpe wur­den Hamann, Stangl, Rass und Lewe­renz zwei Stun­den lang gefei­ert, bei Bratze dürfte es wohl kaum anders aussehen.

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Sascha Krokowski Sascha Krokowski

Handball‐​Fan :: Musik­freak :: Zweck­pes­si­mist :: stil­ler Bes­ser­wis­ser :: chro­nisch pleite :: über­zeugt von der Echt‐​Reunion 2010 :: Rivella‐​süchtig

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