Freitag, 14. November 2008
vorgestelltDer Fördeflüsterer hat mit Kay gesprochen:
FF.de: Wie war das damals auf Deinem Flug nach Lyon? Musstest Du tatsächlich „hochziehen“ und hoffen, dass es klappt?
Kay: Na ja, also es ging gut, habe angehalten bis zur Landung und habe dann schleunigst das nächste Klo anvisiert. Bis heute gibt es per se auf allen europäischen Kontinentalflügen keinen Bordrollstuhl – warum das so ist, wissen die Fluggesellschaften wohl selber nicht genau. Der Stuhl nimmt kaum Stauraum weg, ist schnell auseinanderzufalten und in Amerika ist das seit 1992 Standard auf allen Flügen.
Eigentlich sollte es jetzt durch die neue EU Flugverordnung eine Besserung geben. Diese schreibt den Fluggesellschaften nämlich vor, dass Hilfe geleistet werden soll, damit der Passagier die Toilette erreichen kann. Doch bisher wird es nicht umgesetzt. Ich habe im September die Probe aufs Exempel gemacht auf meinem Flug in die USA und das Ergebnis war: Air France hat trotz mehrfacher telefonischer und schriftlicher Mitteilung keinen Bordrollstuhl dabei.
FF.de: Und dann hast Du angefangen zu dem Thema zu bloggen?
Kay: Angefangen zu bloggen habe ich vor etwa zwei Jahren, weil ich mal ein Ventil brauchte, um Luft abzulassen. Der positive Nebeneffekt war, dass ich auch mal meine Korrespondenzen ordnen konnte und einen Überblick über meinen Schriftverkehr mit den zahlreichen deutschen und europäischen Institutionen bekommen hab.
FF.de: Hast Du dadurch inzwischen Mitstreiter gefunden?
Kay: Die Inhalte auf dem Blog kommen alle von mir, Mitstreiter im redaktionellen Sinn hab ich also nicht. Aber es gibt verschiedene Websites, die auf meinen Blog verlinken und gerade heute morgen hat kobinet – ein hochaktueller nachrichtendienst für und von Menschen mit Behinderungen – über mein Vorhaben berichtet. Mittlerweile erscheint so ein Artikel in der Woche, manchmal auch zwei.
Parallel versuche ich auch auf rechtlichem Wege was in Gang zu setzen und veröffentliche dann die Korrespondenzen auf rechtaufklo.de.
Schön ist es, wenn mir dann zum Beispiel das Bundesverkehrsministerium droht, Informationen zu veröffentlichen, die sie für unvorteilhaft ansehen. ich hab dann das Gefühl was zu bewegen.
FF.de: Das Bundesverkehrsministerium droht Dir? Warum?
Kay: Weil meine Anfrage vom 17.6. an das Bundesverkehrsministerium unbeantwortet blieb, habe ich bei einer Mitarbeiterin angerufen. Diese „drohte“ mir, nachdem Sie den Eindruck hatte, ich würde Ihre Aussagen auf Band aufzeichnen – ich machte mir schriftlich Notizen, nahm aber nichts auf Band auf – mit den Worten „Ich möchte nicht, dass meine Aussagen veröffentlicht werden. Sollten Sie dies nicht beachten, werde ich hier im Haus verbreiten, mit welchen Mitteln sie arbeiten.“
Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, warum diese Bordrollstuhlproblematik nicht einfach gelöst wird, indem die Gesellschaften einfach son Ding mit sich herumführen würden, wenn Bedarf vorab angemeldet wird. Ich habe auch die Bundesbeauftragten für Menschen mit Behinderung Frau Karin Evers‐Meyer und auch den EU Kommissar Mr. Christophe Dussart mehrfach auf die Problematik hingewiesen. Aber nach ein bis zwei Mails versandet die Kommunikation. Nix zu machen. Warum weiß ich auch nicht.
FF.de: Wie versuchst Du noch, die Veranwortlichen zu erreichen?
Kay: Ich habe auch eine Anfrage an Frau Evers‐Meyer bei abgeordentenwatch.de gestellt. Zurück kam total allgemeines Gesäusel, mit denen niemanden geholfen ist…auf die Frage des Bordrollstuhls (mein zentrales Anliegen) geht sie gar nicht ein. Jetzt habe ich eine Petition eingereicht und hoffe auf zahlreiche Unterstützung.
FF.de: Wir wünschen Dir viel Erfolg und ich danke Dir für das Interview.
Nun berichtet die SHZ in Ihrer neuesten Ausgabe über die Petition, hier der Direktlink zum Artikel auf der SHZ: http://www.shz.de/schleswig-holstein/artikeldetail/article/111/kieler-kaempft-fuer-rollstuehle-im-flieger.html
Montag, 24. November 2008, 09:02
Heute berichten die Kieler Nachrichten unter dem Titel „Er kämpft für Barrierefreiheit über den Wolken“ über die Petition. Hier lesen (Scan, JPG): http://www.rechtaufklo.de/wp-content/uploads/KN_20081129.jpg
Zahl der Mitzeichnenden 377 (also nicht mehr weit von dem anvisierten Ziel von 400 entfernt). Klasse!
hier registrieren und mitzeichnen: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=register
Samstag, 29. November 2008, 14:18
Liebe Fördeflüsterer, vielen Dank für die Veröffentlichung, die schon viele Leute auf die Fluggeschichte aufmerksam gemacht hat!
Es gibt Neues: Die Deutsche Lufthansa bestätigt den Kieler Nachrichten, dass sie bei Anmeldung einen Bordrollstuhl bereitstellt! Um diese Aussage bemühe ich vergeblich seit fast 10 Jahren! Zuletzt bekam ich im Januar 2008 die Antwort: „In der Tat ist es bedauerlicherweise auch auf Voranmeldung hin nicht möglich, auf Kurzstreckenflügen einen Bordrollstuhl zur Verfügung zu stellen.“
Das ist schon mal eine tolle Neuigkeit, auch wenn die Kieler Nachrichten – nachdem sie ein einstündiges Interview mit mir gemacht haben – den Beitrag jetzt für überflüssig halten. Was ja so nicht stimmt, denn erstens gibt es noch mehr Fluggesellschaften als die Lufthansa, die noch immer keine Einsicht zeigen und zum anderen kommt man mit dem Bordrollstuhl nicht in die Klokabine. Die ist nämlich NICHT bordrollstuhlzugänglich! Also, liebe KN, ne Meldung wäre es auf jeden Fall wert!
schöne Grüße und fleißiges Mitzeichnen unter https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=register
Kay
Montag, 17. November 2008, 18:01