// Szene

Montag, 18. Januar 2010

Olli Schulz im Interview

"Ich habe dieses Jahr einiges vor"

Olli Schulz. (Foto: Olli Schulz)
Olli Schulz. (Foto: Olli Schulz)

Am Mitt­woch, den 20. Januar star­tete Olli Schulz seine Deutsch­land­tour in der Kie­ler Pumpe. Der För­de­flüs­te­rer prä­sen­tierte nicht nur den Tour­auf­takt, son­dern unter­hielt sich auch kurz zuvor mit dem mitt­ler­weile in Ber­lin leben­den Mul­ti­ta­lent über seine Kar­riere als Sän­ger, Autor und Mode­ra­tor sowie über seine in die­sem Jahr anste­hen­den Projekte.

Was erwar­tet uns auf dei­ner bevor­ste­hen­den Tour?

Es wird ein akus­ti­scher Abend. Die Tour ist ein biss­chen dafür da, die neuen Li­eder für meine kom­mende Platte aus­zu­pro­bie­ren. Außer­dem wird ein klei­ner Vor­film lau­fen zu mei­nem Neben­pro­jekt Bibi McBen­son. Dabei han­delt es sich um eine D­okumentation aus dem Jahre 2006, als ich mit mei­ner Band nach Wien gefah­ren bin und einen äußerst skan­da­lö­sen Auf­tritt hin­ge­legt habe. Dort wur­den wir am Ende von der Bühne gebuht.

Danach komme ich dann wie gesagt sel­ber auf die Bühne als Olli Schulz und spiele von allen Plat­ten einige Songs, ange­rei­chert mit eini­gen neuen Stü­cken. Beglei­ten wird mich Felix Geb­hard, der Gitar­rist und Sän­ger der Band Home Of The Lame. Es wird also ein sehr unter­halt­sa­mer Abend.

Du bist zuvor noch nie in Kiel auf­ge­tre­ten, außer zwei­mal auf der Kie­ler Woche …

Ja, das stimmt lei­der. Es ist auch so, dass diese Akustik‐​Tour grund­sätz­lich – bis auf ein bis zwei Aus­nah­men – Städte abdeckt, in denen ich noch nie oder sehr sel­ten gespielt habe. Damit wollte ich auch mal die Orte berück­sich­ti­gen, die man viel­leicht ab und zu mal aus irgend­wel­chen logis­ti­schen Grün­den nicht bespielt. Diese Tour habe ich mir extra so gewünscht. Ich war bei­spiels­weise noch nie in Wolfs­burg, da spiele ich auch das erste Mal auf die­ser Tour. Es gibt ja so Städte, da muss man ein­fach mal spie­len, und Kiel hab ich sowieso sträf­lich ver­nach­läs­sigt. Wurde also höchste Zeit.

Erin­nerst du dich noch an dei­nen Auf­tritt auf der letzt­jäh­ri­gen Kie­ler Woche?

Oh ja! Da war der Sound so schlecht auf der Bühne, dass ich mich mit dem Mischer ange­legt hatte. Der Sound zer­fetzte mir echt die Ohren, und da hab ich ihn geschubst, weil ich echt sauer war. Im Nach­hin­ein tut es mir leid, aber ich war damals zu stolz, um mich bei ihm zu entschuldigen.

Bli­cken wir vor­aus: Nach der Tour geht es dann also ins Stu­dio. Wird es wie­der ein Solo­al­bum, oder doch wie­der eine Zusam­men­ar­beit mit dem „Hund Marie“?

Erst ein­mal gibt es wie­der ein Album von „Olli Schulz & der Hund Marie“. Die Platte ist schon fast fer­tig geschrie­ben, wird dann im März/​April auf­ge­nom­men und hof­fent­lich im Herbst erschei­nen. Und dann wird es auch wie­der ein Solo­al­bum von mir geben, denn ich habe etli­che Songs ange­sam­melt, die ich mit mei­ner letzt­jäh­ri­gen Live­band zusam­men auf­neh­men möchte. Ich habe die­ses Jahr also musikalis­ch noch eini­ges vor.

Olli Schulz (Foto: Ben Wolf).

Du sag­test neu­lich bei dei­ner Weih­nachts­gala in Ham­burg, dass du den „Song ohne Grund“ in Zukunft nicht mehr spie­len wür­dest. Ist das dein Ernst?

Ja, der Song hängt mir zum Hals raus. Es gibt so Sachen, die man ein­fach mal been­den muss, damit man eine neue Ära anfan­gen kann. Den „Song ohne Grund“ habe ich jetzt seit sie­ben Jah­ren bei jedem Kon­zert gespielt. Eigent­lich bringt es mir schon län­ger kei­nen Spaß mehr, aber ich weiß auch, dass viele Leute ihn lie­ben. Und es gibt auch immer noch wel­che, die ihn noch nicht ken­nen. Außer­dem hab ich mir dazu ja immer neue Sachen aus­ge­dacht für das dort ein­ge­baute „Deutschrock‐​Medley“.

Trotz­dem muss ich auch mal mit einer Sache auf­hö­ren kön­nen. Der Song ist eigent­lich durch, für mich selbst. Es bringt ja nichts, wenn man einen Song spielt und dabei selbst nichts mehr emp­fin­det, kei­nen Spaß dran hat. Des­halb wird’s ihn auf der nächs­ten Tour garan­tiert nicht geben, aber viel­leicht ja in fünf Jah­ren wieder.

Auf die­ser Weih­nachts­gala hat­test du auch Strei­cher dabei. Das machen ja nun irgend­wie alle Künst­ler, seien es Tomte, Kett­car oder Niels Fre­vert. Planst du auch, mehr mit Strei­chern zu arbeiten?

An dem Abend passte es ganz gut zur Weihnachts‐​Veranstaltung, zumal Niels Fre­vert ja auch zu Gast war. Das waren dann ja auch „seine“ Strei­cher, die sich zu jedem ande­ren Künst­ler zusätz­lich noch je ein Arran­ge­ment aus­ge­dacht hat­ten, um ihn in einem Song zu beglei­ten. Es passte ein­fach zum fest­li­chen Anlass.

Ich selbst setze nur Strei­cher ein, wenn es sich wirk­lich anbie­tet, wie bei­spiels­weise bei „Armer Vater“ oder „Wenn das Leben dich beißt“. Aber ich plane so etwas nicht. Ich schaue erst ein­mal, wie die Songs sind, die ich da mache. Und dann gucken wir gemein­sam im Stu­dio, wel­che zusätz­li­chen Instru­mente dazu pas­sen könnten.

Olli Schulz.

Ist der „Bibo“ im Nach­hin­ein betrach­tet eher ein Fluch oder ein Segen für dich?

Keins von bei­den. Es ist auf jeden Fall ein wit­zi­ger Song, und ich selbst hatte nie Pro­bleme damit und habe mich nie dafür geschämt. Eigent­lich ist der „Bibo“ sogar eine Art Befrei­ung für mich, denn dadurch kann ich jetzt quasi machen, was ich will. Der Song hat mir meine ers­ten Chart­plat­zie­run­gen gebracht, daran ist doch nichts aus­zu­set­zen. Dadurch sind ja auch mehr Leute auf mich auf­merk­sam gewor­den, und es hat sich auch kaum jemand bei mir dar­über beschwert.

Und wer sich mit mei­ner Musik aus­ein­an­der­setzt, der weiß, dass ich viele ver­schie­dene Sachen mache – von erns­ten bis sehr wit­zi­gen Songs. Ich hatte bis­lang auf jeder Platte so einen Quatsch­song: Auf „War­ten auf den Bume­rang“ war es „Kleine Meise gro­ßes Herz“, davor war es „Bett­mensch“, davor „Rock’n’Roll Life­style“. Das wird auch in Zukunft so blei­ben, auf der nächs­ten Platte wird es bei­spiels­weise ein Dschungel‐​Lied geben mit dem Titel „Nachts wenn der Affi schreit“. Da wird es garan­tiert auch wie­der Leute geben, die sich fra­gen, was der Quatsch nun soll. Aber diese Seite gibt es bei jedem Künst­ler. Man kann es nie­mals allen Leu­ten recht machen.

Apro­pos Quatsch: Planst du eigent­lich eine Ver­öf­fent­li­chung als Bibi McBenson?

Das weiß ich noch nicht. Bibi ist ja wirk­lich nur ein Neben­pro­jekt, wel­ches äußerst tra­shig ist. Bibi McBen­son taucht immer mal wie­der ­auf, ver­schwin­det dann aber auch schnell wie­der. Das ist auch ganz gut so, glaube ich.

Die vier bis­he­ri­gen Alben von Olli Schulz.

­Im Herbst warst du auch erst­mals als Talkshow‐​Moderator im NDR zu sehen. Wird es wei­tere Fol­gen von „Bei Olli“ geben?

Ich weiß selbst auch nicht, was die Talk­show macht. Der NDR fragte halt damals bei mir an, ob ich nicht Lust hätte, diese Sen­dung zu machen. Es war weder mein Kon­zept noch meine Show in dem Sinne, dass ich mir das aus­ge­dacht hätte. Da ich gerade Zeit hatte, wil­ligte ich ein.

Der NDR hatte sich anschlie­ßend nie wie­der bei mir gemel­det. Ich bin wirk­lich erstaunt, wie der NDR so drauf ist. Im Grunde hatte ich nur mit einer Per­son Kon­takt, mit der ich dann diese Sen­dung gemacht hatte. Nach der Aus­strah­lung bekam ich eine Mail, dass alles super lief, die Ein­schalt­quo­ten gut waren und man sich in der nächs­ten Woche wie­der bei mir mel­den würde. Aber man mel­dete sich ein­fach nicht mehr. (lacht)

Aber es ist auch nicht mein gro­ßer Traum, als Fern­seh­mo­de­ra­tor zu arbei­ten. Ich mach halt alles gerne, so hatte ich bis vor kur­zem ein hal­bes Jahr lang auf YOU​.FM eine Radio­sen­dung mode­riert als Urlaubs­ver­tre­tung für Patri­cia Pan­tel. Das machte mir wahn­sin­nig viel Spaß, weil ich dort machen konnte, was ich wollte, quat­schen konnte, was ich wollte, Musik spie­len konnte, die ich wollte. Beim NDR hat man hin­ge­gen gemerkt, dass es ein alt­ein­ge­ses­se­ner Fern­seh­schup­pen ist, der zer­mür­bende und schwie­rige Struk­tu­ren hat. Daher hatte ich mich auch nicht groß wei­ter mit beschäf­tigt und bin jetzt auch nicht trau­rig, dass es wohl nicht wei­ter geht. Es war auch wirk­lich anstren­gend: Die Dreh­ar­bei­ten für die 45 Minu­ten von der Talk­show haben tat­säch­lich zwölf Stun­den gedau­ert. Das hatte dann auch wirk­lich kei­nen Spaß mehr gemacht, wenn bei jeder neuen Kame­ra­ein­stel­lung alles umge­stellt wer­den musste. Aber es war defi­ni­tiv eine Erfah­rung, die ich ein­mal machen wollte.

Du hast ja auch noch eine wei­tere Bau­stelle: Was macht deine Kar­riere als Autor?

Mein Buch befin­det sich in den End­zü­gen und kommt hof­fent­lich im Laufe die­ses Jah­res heraus.

Vie­len Dank für das Gespräch, viel Spaß auf der Tour und viel Erfolg!

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Über den Autor

Sascha Krokowski Sascha Krokowski

Handball‐​Fan :: Musik­freak :: Zweck­pes­si­mist :: stil­ler Bes­ser­wis­ser :: chro­nisch pleite :: über­zeugt von der Echt‐​Reunion 2010 :: Rivella‐​süchtig

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