Mittwoch, 16. September 2009
Zerwürfnis zwischen Trainer und Team?Urplötzlich ging es ganz schnell bei Holstein Kiel: Nach zumeist guten Leistungen – aber wenig Zählbarem – in der 3. Liga enttäuschte der Aufsteiger am vergangenen Wochenende beim 0:3 in Dresden auf ganzer Linie und sackte auf einen Abstiegsplatz. Dennoch war es in erster Linie gar nicht die sportliche Situation, die Falko Götz letztlich zum Verhängnis wurde.
Nach Informationen der Kieler Nachrichten gab es große Differenzen zwischen dem Star‐Trainer und der Mannschaft. Mit mehreren Spielern verscherzte es sich Falko Götz in den vergangenen Monaten. Zuletzt demontierte er Ersatzkeeper Simon Henzler, als er ihn nach dem Ausfall von Stammtorwart Michael Frech auch in Dresden weiterhin auf der Bank und stattdessen die „Nummer 3“, Ivan Belyaev, auflaufen ließ. Laut den Kieler Nachrichten informierte die Mannschaft am Dienstag Präsidium und Verwaltungsrat über das Zerwürfnis mit dem Übungsleiter.
Obwohl der Verein sich über die genauen Gründe der Trennung am Donnerstagmittag auf einer Pressekonferenz in Schweigen hüllte, so steht seit Mittwochabend fest: Falko Götz ist nicht mehr Trainer von Holstein Kiel. Ein riesiges Presseaufgebot – mehr Journalisten als bei der Vorstellung des Trainingsleiters im vergangenen Dezember waren anwesend – bekam auf die wichtigsten Fragen keine Antworten aufgetischt. KSV‐Präsident Roland Reime betonte stets, dass sich Aufsichtsrat und Präsidium nach „intensiven Gesprächen“ schweren Herzens dazu entschieden, Falko Götz freizustellen.
„Es war eine für alle Beteiligten überraschende Entwicklung. Aber die Entlassung war leider erforderlich. Dennoch hat dies alles keinen Einfluss auf unsere damals verkündeten Ziele. Wir streben weiterhin den Verbleib in der 3. Liga an und planen zu gegebener Zeit den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind gesichert, daher ist dieses Projekt in keiner Weise gefährdet.“
Die Entscheidung, Falko Götz im Dezember 2008 für den frisch gebackenen Herbstmeister‐Trainer Peter Vollmann zu holen, sei dennoch richtig gewesen, die Leistung des ehemaligen Bundesliga‐Coaches in den vergangenen Monaten sei nicht zu unterschätzen. Die oberste Aufgabe müsse nun aber darin liegen, den Blick nach vorne zu richten und wieder Ruhe in den Verein zu bringen.
Auch Interimstrainer Torsten Fröhling, als U23‐Coach mit der Mannschaft bereits vertraut, war am Donnerstagmittag im „Holsteiner“ anwesend. Er wird beim wichtigen nächsten Heimspiel am kommenden Samstag gegen Mitaufsteiger Heidenheim auf der Bank Platz nehmen. Unterstützung bekommt Fröhling von den einstigen Götz‐Helfern Andreas Thom und Klaus Thomforde. Viel umstellen könne er in den 48 Stunden bis zum Anpfiff allerdings nicht, betonte der neue Übungsleiter:
„Ich werde nachher zum Training fahren, mich mit den einzelnen Spielern unterhalten und analysieren, wie die Jungs psychisch drauf sind. Oberstes Ziel ist es, wieder Spaß, Ruhe und Freude reinzubringen. Denn wenn man verliert, hat keiner groß Spaß.“
Wie lange Torsten Fröhling das Zepter bei der 1. Mannschaft schwingen darf und ob aus dem Interims‐Trainer beizeiten der feste Coach der KSV Holstein würde, hinge keineswegs damit zusammen, wie sich Falko Götz und der Verein auf eine Auflösung des Vertrags und eine Abfindung einigen können. Roland Reime betrachtet beide Baustellen bei Holstein getrennt, wohlwissend aber, dass eine Abfindung im gar möglichen siebenstelligen Bereich „eine wirtschaftliche Frage von durchaus nicht kleiner Bedeutung“ beinhaltet.