Montag, 31. Mai 2010
Fördeflüsterer-InterviewFördeflüsterer: Sie sind kein gebürtiger Kieler. Wie kommt es, dass Kiel in Ihren Aktiviäten solch einen hohen Stellenwert hat?
Henry Krasemann: Geboren bin ich zwar in Wilhelmshaven, doch schon meinen dritten Geburtstag konnte ich in Heikendorf feiern (lassen). 35 Jahre seit dem sind eine gute Zeit, um sich nicht nur an Kiel zu gewöhnen, sondern diese Stadt sogar richtig gern zu haben.
Warum Kiel? Weil Kiel die schönste Stadt der Welt ist. Genau die richtige Größe, um alles von zahlreichen Theatern, Mediendom, Discos, Kneipen, Geschäften bis Hochschulen etc. am Ort zu haben und notfalls überall noch zu Fuß hinzukommen – mit Annehmlichkeiten wie Strand, Meer und Kreuzfahrtschiffen, was sonst nur Ferienregionen zu bieten haben. Und mit Menschen, die vielleicht nicht sofort jedermanns (Facebook‐) Freund werden, die aber einfach entspannt sind und wenn es passt, zu echten Freunden werden können.
FöFlü: Sie sind sehr aktiv in den Bereichen Recht, Spiel, Kino, Sport und vor allem Kiel. Sind das alles Ihre privaten/beruflichen Interessen? Oder gibt es noch geheime Leidenschaften, die noch nicht veröffentlicht wurden?
Henry Krasemann: Natürlich gibt es auch geheime Leidenschaften. Leider kann ich hier nicht davon erzählen, weil sie dann ja keine geheimen Leidenschaften mehr wären. Ich bin Rechtsanwalt und Jurist beim Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig‐Holstein, so dass vor allem das Land Schleswig‐Holstein zurzeit für meinen Lebensunterhalt aufkommt. Dass ich Jura, Gesellschaftsspiele und Kino öffentlich in Form von Podcasts und einem PDF‐Spielemagazin (Magazin Gelegenheitsspieler) „auslebe“ hat damit zu tun, dass ich einen großen Spaß an (Hobby‐) Journalismus hege und pflege. Das geht schon auf meine Studentenzeit zurück, als ich für das Magazin fOLIUM an der CAU geschrieben habe, das es heute leider nicht mehr gibt. Immerhin konnte ich meinen damaligen Künstlernamen CAU‐lius für den KielPod und meine Kolummen in INKIEL (Beilage der KN) rüberretten.
Auch wenn einige Zeit in die Podcasts und das Magazin fließen, so sind es doch private Interessen, die auch eher was kosten, als dass sie irgendwelche Einnahmen bringen würden – außer natürlich der Gewinn an Spaß, wenn man die Gewissheit hat, da mit Freunden etwas Gutes auf die Beine gestellt zu haben.
Fördeflüsterer: Wie sind Sie dazu gekommen, sich selbst im Internet zu veröffentlichen? Wie waren die ersten Schritte, gab es erst eine Webseite, ein Blog, oder gleich den PodCast?
Henry Krasemann: Ich habe schon 1986 meinen ersten Akkustikkoppler gekauft und eine kleine Mailbox betrieben. Und da man dazu damals noch über eine Telefonleitung erreichbar sein musste, war diese pro Tag nur eine Stunde online (schließlich war es der Hausanschluss und meine Eltern wollten auch mal erreichbar sein). Hinzu kam, dass echte Modems teuer bzw. nur schwer zu bekommen waren und ich deshalb bei jedem Anruf eines Nutzers selber den Hörer abnehmen musste. Das habe ich kurze Zeit später dann industrialisiert, indem ich einen Hammer auf die Gabel gelegt habe, den ich bei einem Anruf nur runternehmen musste…
Ich war dann etwas aktiv bei der damals noch Raisdorfer Mailbox „Toppoint“, die dann auch den ersten Kontakt zum privaten Internet ermöglichte. Ende der 90er Jahre habe ich mit dem Betrieb einiger Webseiten zu allen möglichen Themen experimentiert und seit 2005 gibt es mit dem Jurafunk den ersten Podcast von mir. Richtig intensiv wurde das dann mit dem KielPod seit Juni 2007, der es inzwischen immerhin auf 725 Folgen bringt. Das Magazin Gelegenheitsspieler feiert dieses Jahr auch sein 5‐jähriges und war mal als Magazin für die Sony‐Konsole PSP gedacht. Da sich das Lesen von Magazinen hierauf nie durchgesetzt hat, wurde es ein PDF‐Magazin. Aber jetzt ist ja das iPad da und damit wird alles besser und wir machen aus 5.000 Lesern 500.000…
Im zweiten Teil dieses Interviews geht es um Henry Krasemann als Buchautor und die Aufregung vor seiner Lesung am Montag, dem 31. Mai im Kieler Studio Filmtheater am Dreiecksplatz.