Dienstag, 09. November 2010
ThespisSelten ist die Bühne im Schauspielhaus so leer wie heute. Heute muss sie auch leer sein, denn nur ein Schauspieler wird uns das „Event“ näher bringen. David Calvitto steht in der Mitte eines Spotlichtkegels und beginnt die Betrachtung über das, was gerade im Schauspielhaus passiert. Er, „The Man“ auf der Bühne und wir, „the strangers in the dark“, die Zuschauer, seien eine Einheit, gebunden an Regeln und Konventionen. Dabei spielt er „the man“ und bricht diese Figur immer wieder durch kleine Metabetrachtungen der Ereignisse, die gerade passieren. Diese Betrachtungen sorgen immer wieder für Lacher und sogar Zwischenapplaus durch das begeisterte Publikum. Aber schnell stellt sich die Frage: Waren diese Lacher geplant? Sind sie vom Skript vorgesehen?
Das Stück wird immer philosophischer und fesselnder. Denn Calvitto gewährt intime Einblicke in die Seele und die Arbeit eines Schauspielers, auch wenn er immer wieder betont, dass diese Betrachtungen streng nach Skript seien. Seine Analyse umfasst nicht nur das Theater, in dem sich alle befinden, sondern auch die Welt, die sich trotzdem immer weiter drehe, egal was gerade in diesem Raum passiere. Er macht allen klar, dass wir alle nur Rollen spielen würden und bringt seine These auf den Punkt: „Just us making things up for eachother?“ ([sind da] nur wir, die sich Dinge für uns alle ausdenken?). Diese Frage wird vom Stück nicht aufgelöst. Das muss sie auch nicht, denn wir alle haben die Wahl, die Freiheit das zu tun, was immer wir möchten, so Calvitto in „The Event“, es sei denn, wir müssten uns, wie er, an ein Skript halten.Minutenlanger frenetischer Applaus zeigen, dass dieses erste Stück im Thespis Festival dem Publikum sehr gefallen hat. In den nächsten Tagen wird das Programm weitere Highlights der Ein‐Personen‐Stücke auf die Bühnen in Kiel bringen. Festivaldramaturg Jens Raschke freut sich darüber, dass die Stücke „Mohammed is biking“, „Das kunstseidene Mädchen“ und „Die Reise nach Buenos Aires“ bereits ausverkauft sind, aber alle anderen Stücke ebenfalls sehr gut seien. Besonders „Der Schneider von Inverness“ (Sonntag, 14.11.2010), ein Stück über einen polnischen Auswanderer in den schweren Zeiten des 20. Jahrhunderts und „Ode an die Liebe“(Freitag, 12.11.2010), „das rockt“, so Raschke, seien Stücke, die gesehen werden müssten.