Donnerstag, 11. März 2010
"Sturmkap"-LesungIn der ausverkauften Lounge entstand durch die Mischung aus Lesung und Gesprächsrunde – moderiert von Brigitta Grunewald – ein sehr aufschlussreicher und kurzweiliger Abend, der Einblicke in eine vergangene Epoche lieferte. Durch die Berichte des Trios von ihrer gemeinsamen Reise um das Kap Hoorn auf der „MS Deutschland“ sowie einer Slideshow mit Fotos von dieser Fahrt wurde der Bogen in die Gegenwart gespannt.
Nach dem Prolog berichtete Kapitän Jürgens, dass ihn seine Eltern ursprünglich gar nicht zur See fahren lassen wollten. Nur seinem eisernen Willen verdankte Jürgens es, dass sein Vater – selbst ein angesehener Kapitän – ihn auf der „Priwall“ anheuerte und ihm schließlich seine Seemannsausrüstung kaufte. In den folgenden Textauszügen schilderte Axel Prahl lebhaft die Begeisterung des jungen Schiffsjungen, der 1939 auf der Viermastbark erstmals auf Fahrt ging, ebenso Eindrücke und Erfahrungen, die Jürgens an Bord sammelte und vor allem wurde die Magie greifbar, hoch oben im Mast zu stehen und die unglaubliche Weite des Meeres zu erfahren.
Aber an diesem Abend wurden auch die Schattenseiten nicht ausgespart, von denen Jürgens zu berichten weiß. Wahrscheinlich habe die Entscheidung seines Vaters, ihm seinen Willen zu lassen, das Leben gerettet, mutmaßte der Kapitän. Nur drei seiner Mitschüler hätten den Krieg überlebt. Es werden darüber hinaus die karge Verpflegung an Bord geschildert, die nur hin und wieder aufgebessert werden konnte, beispielsweise als die Besatzung einen Hai geangelt hatte. Dieser habe aber nicht so gut wie ein Delfin oder ein fliegender Fisch geschmeckt, wandte Jürgens ein. Als die „Priwall“ schließlich den Äquator überquerte, mussten er und weitere Schiffsjungen das Ritual der Äquatortaufe über sich ergehen lassen: ein damals noch brutaler und erniedrigender Initiationsritus.
Als das Gespräch auf die Fahrt mit der „MS Deutschland“ kam, offenbarte sich der Unterschied zwischen den Generationen, zwischen Seemann und „Landratte“: Während Kapitän Jürgens ganz sachlich von dem orkanartigen Sturm, in den der Luxusliner geriet, berichtete, war sowohl Prahl als auch Krücken anzumerken, dass eine Seereise bei Windstärke 11 mit 160 km/h Spitze eine vollkommen neue Erfahrung für sie war; Krücken bezeichnete es als „elementares Erleben von Natur“.
Während dieser Reise entwickelte sich zwischen den drei Männern eine aufrichtige Freundschaft. Der gegenseitige Respekt war während der ganzen Vorstellung spürbar und die gute Stimmung auf der Bühne übertrug sich auf das gesamte Publikum. Insbesondere der trockene Humor des Kapitäns und die Interpretation des Buches durch Axel Prahl hatten es den Zuschauern angetan. Abgerundet wurde der von den Kieler Nachrichten präsentierte Abend mit einem Shanty, den Prahl eigens für die Hörbuch‐Ausgabe von „Sturmkap“ komponierte und dessen Refrain vom Publikum stehend mitgesungen wurde. Im Anschluss ergab sich die Möglichkeit, mit den drei Herren ins Gespräch zu kommen, während man sich sein Buch signieren ließ.