// Literatur

Donnerstag, 11. März 2010

"Sturmkap"-Lesung

Geschichten aus dem Leben eines Seefahrers

Axel Prahl las Passagen aus dem Buch "Sturmkap".
Axel Prahl las Passagen aus dem Buch "Sturmkap".

Am Mitt­woch, den 10. März, fand in der Busi­ness Lounge der Sparkassen‐​Arena die Lesung zu Ste­fan Krü­ckens Buch „Sturm­kap“ statt. Neben dem Auto­ren waren der Schau­spie­ler Axel Prahl, der die Pas­sa­gen vor­trug, sowie Kapi­tän Hans Peter Jür­gens, des­sen Geschichte in dem Buch erzählt wird, anwesend.

In der aus­ver­kauf­ten Lounge ent­stand durch die Mischung aus Lesung und Gesprächs­runde – mode­riert von Bri­gitta Gru­ne­wald – ein sehr auf­schluss­rei­cher und kurz­wei­li­ger Abend, der Ein­bli­cke in eine ver­gan­gene Epo­che lie­ferte. Durch die Berichte des Trios von ihrer gemein­sa­men Reise um das Kap Hoorn auf der „MS Deutsch­land“ sowie einer Sli­de­show mit Fotos von die­ser Fahrt wurde der Bogen in die Gegen­wart gespannt.

Nach dem Pro­log berich­tete Kapi­tän Jür­gens, dass ihn seine Eltern ursprüng­lich gar nicht zur See fah­ren las­sen woll­ten. Nur sei­nem eiser­nen Wil­len ver­dankte Jür­gens es, dass sein Vater – selbst ein ange­se­he­ner Kapi­tän – ihn auf der „Pri­wall“ anheu­erte und ihm schließ­lich seine See­manns­aus­rüs­tung kaufte. In den fol­gen­den Text­aus­zü­gen schil­derte Axel Prahl leb­haft die Begeis­te­rung des jun­gen Schiffs­jun­gen, der 1939 auf der Vier­mast­bark erst­mals auf Fahrt ging, ebenso Ein­drü­cke und Erfah­run­gen, die Jür­gens an Bord sam­melte und vor allem wurde die Magie greif­bar, hoch oben im Mast zu ste­hen und die unglaub­li­che Weite des Mee­res zu erfahren.

Aber an die­sem Abend wur­den auch die Schat­ten­sei­ten nicht aus­ge­spart, von denen Jür­gens zu berich­ten weiß. Wahr­schein­lich habe die Ent­schei­dung sei­nes Vaters, ihm sei­nen Wil­len zu las­sen, das Leben geret­tet, mut­maßte der Kapi­tän. Nur drei sei­ner Mit­schü­ler hät­ten den Krieg über­lebt. Es wer­den dar­über hin­aus die karge Ver­pfle­gung an Bord geschil­dert, die nur hin und wie­der auf­ge­bes­sert wer­den konnte, bei­spiels­weise als die Besat­zung einen Hai gean­gelt hatte. Die­ser habe aber nicht so gut wie ein Del­fin oder ein flie­gen­der Fisch geschmeckt, wandte Jür­gens ein. Als die „Pri­wall“ schließ­lich den Äqua­tor über­querte, muss­ten er und wei­tere Schiffs­jun­gen das Ritual der Äquat­ortaufe über sich erge­hen las­sen: ein damals noch bru­ta­ler und ernied­ri­gen­der Initiationsritus.

Als das Gespräch auf die Fahrt mit der „MS Deutsch­land“ kam, offen­barte sich der Unter­schied zwi­schen den Gene­ra­tio­nen, zwi­schen See­mann und „Land­ratte“: Wäh­rend Kapi­tän Jür­gens ganz sach­lich von dem orkan­ar­ti­gen Sturm, in den der Luxus­li­ner geriet, berich­tete, war sowohl Prahl als auch Krü­cken anzu­mer­ken, dass eine See­reise bei Wind­stärke 11 mit 160 km/​h Spitze eine voll­kom­men neue Erfah­rung für sie war; Krü­cken bezeich­nete es als „ele­men­ta­res Erle­ben von Natur“.

Wäh­rend die­ser Reise ent­wi­ckelte sich zwi­schen den drei Män­nern eine auf­rich­tige Freund­schaft. Der gegen­sei­tige Respekt war wäh­rend der gan­zen Vor­stel­lung spür­bar und die gute Stim­mung auf der Bühne über­trug sich auf das gesamte Publi­kum. Ins­be­son­dere der tro­ckene Humor des Kapi­täns und die Inter­pre­ta­tion des Buches durch Axel Prahl hat­ten es den Zuschau­ern ange­tan. Abge­run­det wurde der von den Kie­ler Nach­rich­ten prä­sen­tierte Abend mit einem Shanty, den Prahl eigens für die Hörbuch‐​Ausgabe von „Sturm­kap“ kom­po­nierte und des­sen Refrain vom Publi­kum ste­hend mit­ge­sun­gen wurde. Im Anschluss ergab sich die Mög­lich­keit, mit den drei Her­ren ins Gespräch zu kom­men, wäh­rend man sich sein Buch signie­ren ließ.

Über den Autor

Arne Klahn Arne Klahn

Gebür­ti­ger Kie­ler, Herbst­kind, wind– und wet­ter­fest, durch und durch nord­deutsch. – Mag Lite­ra­tur, Film, Musik & Badminton.

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