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Freitag, 08. Januar 2010

Freifunk

Freies Netz für freie BürgerInnen

Die Pläne in Berlin waren groß: Ein kostenloses WLAN für die gesamte Stadt. Das Projekt scheint jetzt daran zu scheitern, dass die Stadt offenbar nicht die nötigen 5000 Standorte für die Antennen benennen kann. Doch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wächst ein Bürgernetz mit dem Namen "Freifunk" - Freifunk gibt es auch in Kiel. Was Freifunk ist, wie es funktioniert und wie Du mitmachen kannst, erklärte Thilo Pfennig von "Gaarden funkt!" dem Fördeflüsterer.

CD-Spindel als Freifunkantenne Foto: gaarden.kielwiki.de/FreiFunk
CD-Spindel als Freifunkantenne Foto: gaarden.kielwiki.de/FreiFunk

Freifunk ist zunächst mal eine von Bürgerinnen und Bürgern betriebene, dezentrale Internetstruktur auf Basis von drahtloser Datenübertragung (WLAN). Nur in zweiter Linie kommt dabei ein überall verfügbarer kostenloser Internetzugang heraus.

Wie funktioniert Freifunk?

Das Prinzip funktioniert so: Man nehmen einen handelsüblichen WLAN-Router und spiele eine besondere Software auf. Wenn das jeweils die Nachbarn A und B machen, stellen die beiden Router eine Verbindung zu einander her – A und B können miteinander Informationen austauschen und Daten hin und herschicken. Etwas weiter wohnt C – der hast sich auch so einen Router gebastelt und liegt im Empfangsbereich von B. So kann C über B mit A kommunizieren.

A, B und C haben ihr eigenes, kleines Netz aufgebaut. Wenn sich A einen Webserver einrichtet und Seiten ablegt, können B und C drauf zugreifen. Verfügt A über einen Internetzugang und stellt seinen Freifunk-Router so ein, dass dieser genutzt werden darf, können B und C darüber mitsurfen. Der Gedanke des kostenlosen Internetzugangs liegt also nahe, ist aber sekundär, erklärt auch Thilo Pfennig, der sich in Gaarden am dortigen Freifunk beteiligt:

„Meine Motivation war zu Anfang einfach nur die Neugier. Man fängt ohne viel Wissen an und macht seine ganz praktischen Erfahrungen mit Routern und Netzen.“

Freifunk ist vor allem auch noch viel Bastelei und Handarbeit: Die Antennen werden aus Konservendosen und leeren CD-Spindeln improvisiert, die Router müssen manuell modifiziert werden – fertig zu kaufen gibt es wenig.

Freifunk in Kiel

In Kiel gibt es zur Zeit zwei Freifunk-Initiativen – am Westufer unterstützt von der „Chaoskueste“, am Ostufer von „Gaarden funkt!“.

„Wir haben dann in Gaarden eine eigene Freifunk-Initiative gegründet. Ein Student der Uni ist nur zwei Häuser weiter von meiner Wohnung eingezogen und kam dann einfach mal vorbei. Das war der eigentliche Anfang von Freifunk in Gaarden. Später dann zog die Truppe, die das Schiff Thor Heyerdahl reparierte, in meiner Straße ein. Da sie nicht wussten wie lange sie in Kiel bleiben, aber dennoch gerne Internet machen wollten, sprachen sie uns an. Und über viele Monate konnten sie dann Internet kostenlos über meinen Anschluss nutzen.“ 

Insgesamt schätzt Thilo Pfennig die Zahl der Leute, die tatsächlich praktische Erfahrung mit Freifunk haben auf 20, die zum Teil zu weit auseinander wohnen, um sich direkt zu vernetzen:

„Freifunk in Kiel ist derzeit nicht an dem Punkt, wo man es jedermann
empfehlen kann. Im Moment bräuchten wir am ehesten engagierte Leute,
die entweder Zeit, Geld oder Energie hineinstecken mögen und Lust auf
Vernetzung haben. Wir wollen niemanden überreden oder für alle Kieler
alleine die Arbeit übernehmen.“

Freifunk wie es sein kann

In Berlin gibt es eine starke Freifunk-Bewegung. Hier sind ganze Stadtteile nicht ans DSL-Netz angeschlossen und Breitband Internet ist Mangelware. Die Bewohner arbeiten zusammen und holen das schnelle Netz per Freifunk in ihre Wohnungen – und geben es weiter.

Dass Freifunk keine spleenige Idee von einige Großstädtern ist, zeigt das Beispiel Djursland: Das ist eine ländliche Region in Dänemark, die zunehmend drohte, vom Rest der Welt abgehängt zu werden:

„1998 wurde der Fährhafen von Grenaa geschlossen. Im Jahr 2002 schloss das einzige Krankenhaus der Region. Es gibt bereits Pläne auch noch den Flughafen und einen weiteren Fährhafen zu schließen. Seit dem Jahr 2000 haben die mehr als 82.000 Menschen keine lokale Tageszeitung mehr.“ – freifunk.net

Kein Internetanbieter wollte die Region an das Breitbandnetz anschließen – es lohnte sich einfach nicht. Die Djursländer nahmen ihr Schicksal selbst in die Hand und bauten ihr eigenes Netz mit Internetzugang auf. Dazu gibt es eine Internetseite mit Nachrichten aus der Region und die Einwohner planen eigene Fernsehsendungen.

Selbst aktiv werden

Wer sich für den Aufbau eines Freifunknetzes in Kiel interessiert kann gerne Kontakt mit Thilo Pfennig über die Homepage „Gaarden funkt!“ aufnehmen.

Links

Foto: gaarden.kielwiki.de/FreiFunk Lizenz: CC-BY-SA-3.0

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Über den Autor

Steffen Voß Steffen Voß
Steffen Voß ist Musik- und Kiel-Fan und bloggt unter http://kaffeeringe.de. Sein Motto ist: "Mach es selbst, oder wunder Dich nicht, wenn es nicht passiert."

Kommentare


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rizzo's Avatar

user icon  rizzo:

Allerdings stellt sich natürlich die Frage nach der Haftung - irgendwer ist immer Anschlussinhaber und damit leicht für alles verantwortlich, was über das jeweilige Gateway läuft. P2P-Filme, Musik oder eben auch Kinderpornos - Das dürfte die Freifunker an gewissen Grenzen stoßen lassen, wenn man sich untereinander nicht mehr kennt und vertrauen kann.

--
Was man nicht macht, passiert nicht.

09.01.2010, 09:39 Uhr

kaffeeringe.de's Avatar

user icon  kaffeeringe.de:

Ja. So wie die rechtliche Lage im Moment ist und wenn es um den Internetzugang geht… Aber man kann das ja auch anders regeln.

--
Gruß
Steffen

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09.01.2010, 12:04 Uhr

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